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Asia Snackbox basteln - chinesische Take-away Verpackung

Sind Sie ver­traut mit der chi­ne­si­schen Ess­kul­tur? Dann wis­sen Sie be­stimmt, dass Schlür­fen, Schmat­zen und Rülp­sen bei Tisch im Reich der Mit­te zum gu­ten Ton ge­hö­ren. Hin­ge­gen das Auf­es­sen ist strengs­tens ver­bo­ten, um den Gast­ge­ber nicht bloß­zu­stel­len. Und wenn die Spei­sen nicht auf ed­lem Por­zel­lan ser­viert wer­den, dann sind die­se für be­son­ders tra­di­ti­ons­be­wuss­te Chi­ne­sen oh­ne­hin nicht ge­nieß­bar. Als die west­eu­ro­päi­schen Ein­wan­de­rer in den USA auf die­se um­fang­rei­chen Be­nimm­re­geln stie­ßen, war klar, dass ein Mi­ni­mal­kon­sens mit den Ost­asia­ten ge­fun­den wer­den muss­te. Schließ­lich soll­te je­der im Land der Frei­heit die viel­fäl­ti­ge chi­ne­si­sche Kü­che so ge­nie­ßen kön­nen, wie er woll­te. Ich schät­ze, aus die­sem Grund hat Fre­de­rick Weeks Wil­cox im Jah­re 1894 die Asia Snack­box er­fun­den.

On Nov. 13, 1894, in Chi­ca­go, the in­ven­tor Fre­de­rick Weeks Wil­cox pa­ten­ted a ver­si­on of what he cal­led a “pa­per pail,” [...].

Mor­ten­sen, Jens: The Chinese-Takeout Con­tai­ner Is Uni­que­ly Ame­ri­can. nytimes.com (06/2017).

Bild von Asia Food Boxen mit Sushi auf einer promiskuitiven Geisha. Angerichtet von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinDie durch­dach­ten Spei­se­kar­tons wer­den in Nord­ame­ri­ka als Oys­ter Pails (deutsch Aus­tern­ei­mer) be­zeich­net. Auf­grund ih­rer be­son­de­ren Be­schaf­fen­heit kön­nen aus den Trans­port­bo­xen so­wohl Haupt­ge­rich­te als auch leich­te Nu­del­sup­pen ver­zehrt wer­den. In mei­nen Au­gen sind die ecki­gen Be­häl­ter je­doch noch weit mehr als nur Ver­pa­ckun­gen für chi­ne­si­sches Es­sen. Denn da­durch, dass wirk­lich je­der Oys­ter Pails im Hand­um­dre­hen selbst bas­teln kann, eig­nen sich die viel­sei­ti­gen Schach­teln eben­falls per­fekt als sta­pel­ba­re Tisch­de­ko für ei­nen asia­ti­schen The­men­abend.

Da­mit die funk­tio­nel­len Asia Snack­bo­xen für die­ses Ein­satz­ge­biet nicht zu sehr nach un­ge­sun­dem Fast Food aus­se­hen, sind mei­ner Mei­nung nach al­ler­dings noch ei­ni­ge künst­le­ri­sche Mo­di­fi­ka­tio­nen von­nö­ten.

Bildcollage mit Shaolin-Mönch Gustl, der gerade Frühlingsrollen aus traditionellen Asia Snackboxen isst. Arrangiert von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

So habe ich mei­ne Ex­em­pla­re mit ech­tem chi­ne­si­schen Cho­mol­ha­ri Pa­pier ver­klei­det, was un­se­rem Büt­ten­pa­pier gleicht und die Schach­teln sehr hoch­wer­tig aus­se­hen lässt. Au­ßer­dem be­mal­te ich die Kar­ton­vor­der­sei­ten mit schwung­vol­len Schrift­zei­chen, über de­ren kor­rek­te Be­deu­tung Sie mit Ih­ren Gäs­ten beim Pflau­men­wein sin­nie­ren kön­nen.

Picture of Shaolin Monk with Oyster Pails. Crafted by Veronika Vetter Bavarian Fine ArtistSelbst­ver­ständ­lich lässt sich aus mei­nen selbst ge­bas­tel­ten Asia Snack­bo­xen auch es­sen. Hier­bei soll­ten Sie al­ler­dings nicht den Feh­ler ma­chen und die Dar­stel­ler aus US-Serien imi­tie­ren. Die smar­ten Food Bo­xen wur­den näm­lich nicht er­fun­den, um dar­in mit Ess­stäb­chen her­um­zu­sto­chern. Viel­mehr ver­wan­deln sich Oys­ter Pails au­to­ma­tisch in ei­nen ge­räu­mi­gen Tel­ler, wenn die­se an den Sei­ten auf­ge­klappt wer­den. Was ist aber, wenn je­mand sei­ne Szechuan-Ente nicht auf­isst? Dann kann die fla­che Snack­box so­gar wie­der zu­rück in ihre Ur­sprungs­form ge­fal­tet und als Auf­be­wah­rungs­be­häl­ter für Es­sens­res­te in den Kühl­schrank ge­stellt wer­den.

Eit­her way, the box see­mingly un­folds, lays out into a pla­te, and if you don’t fi­nish your food in one sit­ting, it folds right back up and tucks into its­elf, re­a­dy to store back in the fri­dge for your fu­ture face-stuffing.

Food­be­ast: Ap­par­ent­ly Chi­ne­se Food Take­out Bo­xes Un­fold Into Pla­tes. huffingtonpost.com (06/2017).

Picture of Chinese takeout container. Tutorial and Templates by Veronika Vetter Bavarian Fine Artist

Eine durch­schnitt­li­che Asia Snack­box ist im ver­schlos­se­nen Zu­stand neun Zen­ti­me­ter lang, neun Zen­ti­me­ter hoch und sie­ben Zen­ti­me­ter breit. In der fol­gen­den An­lei­tung er­fah­ren Sie, wie Sie in Win­des­ei­le selbst ein Ex­em­plar in die­ser Grö­ße her­stel­len kön­nen und was Sie da­für al­les be­nö­ti­gen.

Chinesische Essensbox selbst basteln

Bild von Frühlingsrollen in selbst gebastelten Chinaboxen. Idee von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinZum An­fer­ti­gen ei­nes Kar­tons ver­wen­de­te ich Ton­pa­pier in den Far­ben Rot und Grau. Für die tra­di­tio­nel­le Ver­zie­rung nahm ich zu­dem nichts wei­ter als wei­ße Acryl­far­be zur Hil­fe. Hin­ge­gen als Bas­tel­werk­zeu­ge soll­ten Sie sich au­ßer­dem eine schar­fe Sche­re, viel flüs­si­gen Kle­ber, ein Falz­bein samt Li­ne­al, ein han­dels­üb­li­ches Kle­be­band, ein spit­zes Bas­tel­mes­ser, ei­nen Pin­sel und mei­ne fünf DIN A4 Bas­tel­scha­blo­nen (#1 /#2 /#3 /#4 /#5)¹ zu­recht­le­gen.

Hin­weis: Falls Sie Ihre Snack­box mit Cho­mol­ha­ri Pa­pier ver­klei­den möch­ten, dann soll­ten Sie na­tür­lich wei­ßes an­stel­le von ro­tem Ton­pa­pier ver­wen­den.

Bild von vier Schablonen, die mit Malerkrepp zusammengeklebt werden müssenMir war wich­tig, dass Sie die Snack­box aus nur ei­nem Stück zu­sam­men­bau­en kön­nen, was auf­grund der Grö­ße der Schach­tel gar nicht so ein­fach zu rea­li­sie­ren war. Ich ent­schied mich des­halb dazu, die gro­ße Bas­tel­vor­la­ge in vier Ele­men­te auf­zu­tei­len. Be­vor ich also mit dem ei­gent­li­chen Bas­teln be­gin­nen konn­te, muss­te ich das zer­leg­te Schnitt­mus­ter erst wie­der zu­sam­men­set­zen. Dazu druck­te ich zu­nächst ein­mal die Scha­blo­nen #1 - #4 aus.

Nach­dem ich die Bau­tei­le sorg­fäl­tig frei­ge­schnit­ten hat­te, leg­te ich die prä­pa­rier­ten Ein­zel­tei­le an den iden­ti­schen Buch­sta­ben (A - D) an­ein­an­der.

Bild von Schablone zum Basteln einer Asia Snackbox (Oyster Pail Template). Angefertigt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Gleich da­nach kleb­te ich die Ele­men­te mit­hil­fe von Kle­be­band zu­sam­men. Mit der dar­aus ent­stan­de­nen Bas­tel­scha­blo­ne konn­te ich mir nun so vie­le Asia Snack­bo­xen an­fer­ti­gen, wie ich woll­te.

Lebensmittelbehälter aus mehreren Papierlagen

Im nächs­ten Schritt leg­te ich mein zu­sam­men­ge­kleb­tes Schnitt­mus­ter auf ei­nen ro­ten Ton­pa­pier­bo­gen mit ei­ner Gram­ma­tur von 130 g/m² und zeich­ne­te die Li­ni­en nach.

  • Wich­tig: Mit­hil­fe ei­nes Falz­beins und ei­nes Li­ne­als über­trug ich eben­falls die Knick- und Kle­be­l­i­ni­en von der Scha­blo­ne auf den Pa­pier­un­ter­grund.

Nach­dem ich das Gan­ze dar­auf­hin aus­ge­schnit­ten hat­te, wie­der­hol­te ich die Schrit­te mit grau­em Ton­pa­pier, so­dass ich da­nach zwei iden­ti­sche Ein­zel­tei­le vor mir lie­gen hat­te.

Bild von rotem Tonpapierelement, aus dem eine traditionelle Asia Snackbox zusammengefaltet wird

Nun kleb­te ich das rote auf das graue Ton­pa­pier, um die Wän­de mei­ner Asia Snack­box zu ver­stär­ken.

  • Als ich dann noch ein­mal sämt­li­che Knick- und Kle­be­l­i­ni­en nach­ge­fah­ren hat­te, war mein Le­bens­mit­tel­be­häl­ter be­reit, um auf­ge­baut zu wer­den.

Hin­weis: Sie möch­ten Ihre Schach­tel mit ed­lem Cho­mol­ha­ri Pa­pier ver­klei­den? Dann müss­ten Sie jetzt noch das zu­recht­ge­schnit­te­ne und ge­falz­te Asia­pa­pier über die glat­te Au­ßen­sei­te der Snack­box kle­ben.

Wie wird ein Chinakarton zusammengebaut?

Zum Auf­bau ei­ner Food Box klapp­te ich ein­fach eine Sei­te nach der an­de­ren nach oben. Da­durch ent­stand an je­der Ecke au­to­ma­tisch ein Drei­eck.

Bildcollage mit Anleitungsschritten: Eine traditionelle Asia Snackbox falten (Origami). Idee von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Dar­auf­hin be­strich ich die In­nen­sei­ten der vier ab­ste­hen­den Drei­ecke mit viel flüs­si­gem Kle­ber. Da­nach drück­te ich die prä­pa­rier­ten Spit­zen an den kur­zen Sei­ten der Snack­box fest.

Zu gu­ter Letzt klapp­te ich noch den De­ckel zu und ver­schloss die­sen, in­dem ich die bei­den ein­ge­schnit­te­nen Halb­krei­se in­ein­an­der steck­te. Di­rekt im An­schluss war die schi­cke Es­sens­ver­pa­ckung ein­satz­be­reit.

Fazit: Food Boxen sind schön aber halten nicht warm

Bild von mysteriösen weißen chinesischen Schriftzeichen auf einem roten UntergrundGanz zum Schluss mal­te ich noch schö­ne chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen² auf die brei­ten Sei­ten mei­ner Box. Dazu schnitt ich mir die bei­den Zei­chen von Scha­blo­ne #5 mit­hil­fe ei­nes Bas­tel­mes­sers frei. Da­nach leg­te ich die da­mit vor­be­rei­te­te Zei­chen­scha­blo­ne auf mei­ne Snack­box und mal­te die Wör­ter mit Acryl­far­be aus. Wie Sie se­hen, ist das An­fer­ti­gen von ori­gi­nal ame­ri­ka­ni­schen Oys­ter Pails sehr leicht. Selbst Bas­tel­an­fän­ger ha­ben in­ner­halb von 30 Mi­nu­ten eine die­ser le­gen­dä­ren Take-away Ver­pa­ckun­gen vor sich ste­hen.

Bild von chinesischem Goldfisch, der vor einer amerikanischen Take-away Box schwimmt. Geangelt von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinWis­sen Sie, war­um die chi­ne­si­schen Lie­fer­diens­te hier­zu­lan­de Alu­mi­ni­um­be­häl­ter und kei­ne Asia Snack­bo­xen ver­wen­den? Ich den­ke, dass das mit der Grö­ße des Lie­fer­ge­biets zu­sam­men­hängt. Die wit­zi­gen Pa­pier­bo­xen hal­ten das Es­sen näm­lich kaum warm. Das ist in den USA in­so­fern kein Pro­blem, da die Chi­na­re­stau­rants dort oh­ne­hin nur in sehr we­ni­ge Stra­ßen lie­fern, wäh­rend­des­sen der Chi­na­mann in der BRD ver­hält­nis­mä­ßig wei­te Stre­cken zu sei­nen Kun­den zu­rück­le­gen muss.

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¹Scha­blo­ne für Ba­by­box von den Bil­dern (#6).
²Schrift­zei­chen be­deu­ten „Gu­ten Ap­pe­tit”.

Gießkanne aus Papier basteln - Deko für die Gartenparty

Ob­jek­tiv be­trach­tet muss die ers­te Gieß­kan­ne ein gött­li­ches Ge­schenk ge­we­sen sein, wel­ches ir­gend­wann über West­eu­ro­pa ab­ge­wor­fen wur­de. Oder ken­nen Sie ei­nen an­de­ren Ge­gen­stand, der Gar­ten­werk­zeug, Mu­sik­in­stru­ment, Blu­men­va­se und Laich­platz für Frö­sche zu­gleich ist? Soll­te der Al­les­kön­ner un­wahr­schein­li­cher­wei­se trotz­dem eine mensch­li­che Er­fin­dung sein, so lässt sich da­mit zu­min­dest Gott spie­len. Das fand auch der Gar­ten­ar­chi­tekt Lou­is Li­ger, als er im Jah­re 1706 in ei­ner Pu­bli­ka­ti­on schrieb, dass Gar­ten­lieb­ha­ber mit ei­ner nach un­ten ge­beug­ten Gieß­kan­ne tat­säch­lich den Re­gen imi­tie­ren kön­nen.

It imi­ta­tes the Rain fal­ling from the He­a­vens; when be­ing ben­ded down [...].

An­ony­mous: Wa­te­ring Can Histo­ry A. oldgardentools.co.uk (06/2017).

Picture of red watering can with white dots. Decoration for the barbecue party. Papercraft by Veronika Vetter Bavarian Fine ArtistFür mich hin­ge­gen sind Gieß­kan­nen bun­te De­ko­ra­tio­nen, die bei ei­ner Gar­ten­par­ty auf kei­nem Steh­tisch und auf kei­ner Bier­bank feh­len dür­fen. Da­mit mei­ne ich na­tür­lich nicht die lang­wei­li­gen Plas­tik­spren­ger aus dem Bau­markt, son­dern mei­ne selbst ge­bas­tel­ten Gieß­kan­nen im zeit­lo­sen und an­ti­qua­ri­schen Haws-Design. John Haws war ein fin­di­ger Be­am­ter im Diens­te der eng­li­schen Kro­ne, der im Jah­re 1885 eine schnei­di­ge Gieß­kan­ne mit zwei Hen­keln pa­ten­tie­ren ließ.

In 1885 John Haws ap­pli­ed for and was is­sued the first ever pa­tent on a wa­te­ring can with his new hand­le de­sign. [...] The key in­no­va­ti­on his Haws de­sign was the ad­di­ti­on of a se­cond hand­le.

Dus­tin: A Brief Histo­ry of Wa­te­ring Cans. nomadwaystation.blogspot.de (06/2017).

Auf­grund sei­nes Stan­des setz­te sich der Kun­den­kreis von John Haws vor al­lem aus Höf­lin­gen, rei­chen Kauf­leu­ten und ho­hen Geist­li­chen zu­sam­men. Und da das Auge stets mit­gießt, muss­te der Tüft­ler sei­ner de­ka­den­ten Ziel­grup­pe ein wei­te­res High­light bie­ten.

Bildcollage mit roter Gießkanne, die als Blumenvase verwendet wird. Dekoidee für die Gartenparty mit Apfel Crumble und heißer Schokolade. Arrangiert von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Aus die­sem Grund ver­pass­te er sei­nen Gieß­kan­nen ei­nen Auf­satz, der aus ver­gol­de­tem Zinn be­stand. Auch heu­te noch sind die Gieß­werk­zeu­ge aus dem Hau­se Haws mit die­sem Al­lein­stel­lungs­merk­mal aus­ge­stat­tet, wes­halb eine Kan­ne mit ei­nem Fas­sungs­ver­mö­gen von acht Li­tern gut und ger­ne 135,00 US-Dollar kos­ten kann.

Slim Can – 8.0 lit­re $135.00

Sil­ver, De­bo­rah: Haws Wa­te­ring Cans. detroidgardenworks.com (06/2017).

Picture of green Haws watering can from England. Crafted by Veronika Vetter Bavarian Fine ArtistSo ein Auf­satz wird auch Rose, Zot­te oder Brau­se­mund­stück ge­nannt. Selbst mit ei­ner ed­len Haws-Gießkanne muss­ten sich die Gärt­ner je­doch ent­schei­den, ob sie den Re­gen imi­tie­ren oder Feu­er­wehr­mann spie­len woll­ten. In den 1930er Jah­ren soll sich des­halb der po­pu­lä­re Gar­ten­freund Kon­rad Ade­nau­er ei­nen auf­klapp­ba­ren Auf­satz über­legt ha­ben, der bei­de Wege der Be­wäs­se­rung zu­ließ. Der be­hä­bi­ge Eh­ren­vor­sit­zen­de der CDU war­te­te al­ler­dings zu lan­ge mit der Pa­ten­tie­rung, wes­halb er zu­min­dest fi­nan­zi­ell nicht von sei­ner Er­fin­dung pro­fi­tie­ren konn­te.

1940 reicht Ade­nau­er ei­nen An­trag für sei­nen „orts­fes­ten Brause­kopf für Gieß­kan­nen” beim Pa­tent­amt ein. Am 28. De­zem­ber 1940 wird er von ei­nem Prü­fer na­mens Kos­mann ab­ge­lehnt. Be­grün­dung: Es gebe be­reits ähn­li­che Pa­ten­te in Ös­ter­reich und der Schweiz.

An­ony­mous: 28. De­zem­ber 1940 - Ade­nau­ers „Brause­kopf” als Pa­tent ab­ge­lehnt. wdr.de (06/2017).

Bild von Veronika Vetter - Fine Art Künstlerin Bayern - mit ihrer selbst gebastelten Gießkanne im englischen Haws-Design

Hät­te der Alt­kanz­ler sei­ner­zeit lie­ber in schö­ne Gieß­kan­nen in­ves­tiert, dann könn­ten sei­ne En­kel­kin­der ak­tu­ell ei­nen gro­ßen Rei­bach ma­chen. Denn es gibt tat­säch­lich Samm­ler, die für künst­le­risch ge­stal­te­te Mo­del­le aus dem frü­hen 20. Jahr­hun­dert bis zu 200,00 US-Dollar be­zah­len.

She says French styl­es, cir­ca 1900, ran­ge from $150 to $200. Cans from the 1920s sell for around $100 [...].

Hill, Kim: Vin­ta­ge Wa­te­ring Cans. phgmag.com (06/2017).

Wahr­schein­lich wer­den mei­ne selbst ge­bas­tel­ten Gieß­kan­nen im Haws-Design in hun­dert Jah­ren ein­mal nicht so viel Wert sein. Aber be­füllt mit ei­ni­gen Kunst­blu­men sind sie heu­te schon die per­fek­te Tisch­de­ko un­ter dem Gar­ten­pa­vil­lon.

Bild von selbst gebastelten Gießkannen im englischen Haws-Design. Dekoration für die Grillfeier. Angefertigt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Die bun­ten Blu­men­va­sen sind näm­lich nicht nur in­sek­ten­frei, son­dern auch ein Eis­bre­cher für das ers­te Tisch­ge­spräch. Falls Sie also Ihre Gar­ten­par­ty mit far­ben­fro­hen Pa­pier­gieß­kan­nen auf­pep­pen möch­ten, dann er­fah­ren Sie in der fol­gen­den An­lei­tung, was Sie da­für al­les be­nö­ti­gen. Mit­hil­fe mei­ner Scha­blo­nen kön­nen Sie Gieß­kan­nen bas­teln, die 25 Zen­ti­me­ter lang, 17 Zen­ti­me­ter hoch und 10 Zen­ti­me­ter breit sind.

Süße Gießkanne selbst basteln

Bild von goldfarbenem Brausemundstück einer PapiergießkanneZum An­fer­ti­gen ei­ner Gieß­kan­ne ver­wen­de­te ich Ton­pa­pier in zwei un­ter­schied­li­chen Far­ben. Hin­ge­gen die Ver­zie­run­gen mal­te ich aus­schließ­lich mit Acryl­far­ben auf. Als Werk­zeu­ge be­nö­ti­gen Sie zu­dem nichts wei­ter als eine Sche­re, viel flüs­si­gen Kle­ber, ein Falz­beil samt Li­ne­al, ei­nen Eyelet-Setter, ein Bas­tel­mes­ser und mei­ne sechs DIN A4 Bas­tel­scha­blo­nen (#1 /#2 /#3 /#4 /#5 /#6).

Hin­weis: Alle Ein­zel­tei­le mei­ner Pa­pier­gieß­kan­ne be­stehen au­ßen aus ei­ner grü­nen und in­nen aus ei­ner an­thra­zit­far­be­nen Ton­pa­pier­la­ge. So­mit ver­fügt mei­ne sta­bi­le Tisch­de­ko über eine Gram­ma­tur von 260 g/m².

Bild von Bauteil zum Basteln eines goldenen Haws GießkannenaufsatzesIch be­gann mit dem Bas­teln des Auf­sat­zes. Dazu fer­tig­te ich das Ele­ment von Scha­blo­ne #1 zwei­mal aus Ton­pa­pier an. Nach­dem ich die Ein­zel­tei­le auf­ein­an­der­ge­klebt hat­te, falz­te ich die Knick- und Kle­be­l­i­ni­en. Im An­schluss schoss ich die vie­len klei­nen Was­ser­lö­cher mit­hil­fe mei­nes Eyelet-Setters ein und be­mal­te das Gan­ze da­nach mit gol­de­ner Acryl­far­be. Zu gu­ter Letzt muss­te ich das Bau­teil nur noch mit sich selbst ver­kle­ben und hat­te da­mit mein ed­les Brau­se­mund­stück fer­tig­ge­stellt.

Ovaler Eimer ist das Zentrum der Gießkanne

Als Nächs­tes schnitt ich mir die in­ne­re Bo­den­plat­te von Scha­blo­ne #2 zu­recht und brach­te dar­an dann eine schrä­ge Sei­ten­wand von Scha­blo­ne #3 an.

Collage mit Anleitungsschritten: Einen ovalen Eimer aus Papier basteln, um das Zentrum der Gießkanne herzustellen

Im nächs­ten Schritt be­fes­tig­te ich die in­ne­re Ei­mer­front und die nied­ri­ge­re Hen­kel­rück­sei­te an den bei­den ge­ra­den An­dock­stel­len der Bo­den­plat­te.

  • An­schlie­ßend ver­schloss ich das Ge­fäß, in­dem ich die zwei­te Sei­ten­wand am Bo­den an­brach­te und dar­auf­fol­gend sämt­li­che Ein­zel­tei­le an den Sei­ten mit­ein­an­der ver­kleb­te.

Gleich dar­auf wid­me­te ich mich dem Hen­kel, was der schwie­rigs­te Bas­tel­schritt der ge­sam­ten An­lei­tung ist.

Bildanleitung: Griff für eine Papiergießkanne basteln

Zu­al­ler­erst fer­tig­te ich mir die ge­schwun­ge­nen Hen­kel­ele­men­te von Scha­blo­ne #4 zwei­mal aus grü­nem und zwei­mal aus an­thra­zit­far­be­nem Ton­pa­pier an. Die Ein­zel­tei­le kleb­te ich je­doch aus­nahms­wei­se nicht di­rekt auf­ein­an­der.

  • Hin­ge­gen die bei­den ge­zack­ten Mit­tel­stü­cke be­rei­te­te ich mir gleich dop­pel­la­gig in mei­nen bei­den Leit­far­ben vor.

Nun nahm ich zwei Hen­kel­ele­men­te in mei­ner gräu­li­chen In­nen­far­be zur Hand und kleb­te die­se an den Kle­be­la­schen des klei­ne­ren ge­zack­ten Ein­zel­teils fest.

Bild von Henkel an einer grünen PapiergießkanneIm nächs­ten Schritt ver­schloss ich den ge­bo­ge­nen drei­di­men­sio­na­len Kör­per, in­dem ich das gro­ße Za­cken­teil über den lan­gen Hen­kel­rü­cken kleb­te. Da­nach ver­klei­de­te ich die Hen­kel­sei­ten mit den bei­den grü­nen ge­schwun­ge­nen Bau­tei­len. Hin­weis: Da­mit der ro­bus­te Griff fest mit der Gieß­kan­ne ver­schmol­zen ist, muss­te ich mir au­ßer­dem noch das An­ker­ele­ment von der­sel­ben Scha­blo­ne in mei­ner grü­nen Au­ßen­far­be zu­recht­schnei­den. Nach­dem ich das Ein­zel­teil mit­hil­fe mei­nes Bas­tel­mes­sers ein­ge­schnit­ten hat­te, falz­te ich die un­te­re Kle­be­l­i­nie. Dar­auf­hin be­fes­tig­te ich den prä­pa­rier­ten Hen­kel über die Ein­schnit­te an die­sem An­ker­ele­ment.

Erst jetzt kleb­te ich das Gan­ze über die noch an­thra­zit­far­be­ne Hen­kel­rück­sei­te des Ge­fä­ßes, wel­che da­mit zu­gleich sau­ber ver­klei­det wur­de.

Ausgussrohr macht ein Gefäß zur Gießkanne

Bild von grünem Ausgussrohr einer PapiergießkanneDas An­fer­ti­gen des Aus­guss­roh­res ging mit viel Falz­ar­beit ein­her. Denn das brei­te Rohr­ele­ment von Scha­blo­ne #5 ver­fügt über acht Knick- und acht Kle­be­l­i­ni­en. Nach die­ser Si­sy­phus­ar­beit ver­kleb­te ich das Bau­teil ein­fach mit sich selbst und brach­te es wie den Hen­kel am An­ker­ele­ment von Scha­blo­ne #5 an. Als ich die Tül­le dann an der Front des Ge­fä­ßes be­fes­tigt hat­te, sah mein Mo­tiv schon wie eine han­dels­üb­li­che Gieß­kan­ne aus. Mein Gieß­werk­zeug soll­te al­ler­dings im ex­tra­va­gan­ten Haws-Design sein, wes­halb noch der kom­for­ta­ble Tra­ge­griff fehl­te.

Für die­sen obe­ren Hen­kel fer­tig­te ich mir das läng­li­che Ein­zel­teil von Scha­blo­ne #6 an, wel­ches ich di­rekt im An­schluss ein­mal quer über die Kan­nen­öff­nung kleb­te. Auf der glei­chen Scha­blo­ne be­fin­det sich zu­dem ein wei­te­res Bo­den­ele­ment. Die­ses schnitt ich mir in mei­ner grü­nen Au­ßen­far­be zu­recht und ver­klei­de­te da­mit die vie­len un­schö­nen Kle­be­la­schen an der Un­ter­sei­te des Bo­dens. Ganz zum Schluss mal­te ich noch mit­hil­fe von grau­er Acryl­far­be ei­ni­ge Zier­strei­fen auf und hat­te da­mit mei­ne süße Tisch­de­ko fer­tig­ge­stellt.

Fazit: Auch ein originelles Mitbringsel für die Grillfeier

Bild von kleiner Gießkanne, mit der Kinder ihr selbst angebautes Gemüse bewässern können. Idee von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinMei­ne Gieß­kan­ne im Haws-Design ist ein kin­der­leich­tes Mo­tiv, wel­ches Sie in ma­xi­mal 90 Mi­nu­ten ge­bas­telt ha­ben. Der klei­ne Spritz­krug ist da­bei nicht nur eine schi­cke Blu­men­va­se, son­dern kann auch der wit­zi­ge Teil in ei­nem Ge­schenk für den Gast­ge­ber ei­ner Grill­fei­er sein. In die ge­räu­mi­ge Gieß­kan­ne pas­sen näm­lich zwei gro­ße Bier­fla­schen, wes­halb das äu­ßerst sta­bi­le Pa­pier­ge­fäß schnell zu ei­nem klei­nen Schman­kerl­korb um­funk­tio­niert wer­den kann.

Üb­ri­gens, dass die Gieß­kan­ne ir­gend­et­was Gött­li­ches an sich hat, ha­ben in Deutsch­land als Ers­tes die Hes­sen er­kannt. Zum An­be­ten des Gieß­werk­zeugs wur­de des­halb im Jah­re 2011 in der Stadt Gie­ßen ein Gieß­kan­nen­mu­se­um mit mehr als Tau­send Aus­stel­lungs­stü­cken er­öff­net.

The mu­se­um ope­ned in 2011, fun­ded by the City of Gies­sen and run by the Gaert­ner­pflich­ten ar­tist group [...].

Wil­liam­son, Chris­ti­ne: Gieß­kan­nen­mu­se­um (Wa­te­ring Can Mu­se­um). atlasobscura.com (06/2017).

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In mei­nen Au­gen ist der Os­ter­ha­se im Ge­gen­satz zum Christ­kind kei­ne über­na­tür­li­che Ich-AG. Viel­mehr ist das Wort Os­ter­ha­se eine Be­rufs­be­zeich­nung, die vor über 350 Jah­ren ent­stand. Erst seit dem Ende des Drei­ßig Jäh­ri­gen Krie­ges gibt es im deutsch­spra­chi­gen Raum Os­ter­ha­sen, die in der Nacht zum Os­ter­sonn­tag bun­te Os­ter­ei­er und Sü­ßig­kei­ten für Kin­der ver­ste­cken.

Re­gard­less of the mur­ky ori­g­ins, by the 17th cen­tu­ry, the Eas­ter Bun­ny and her eggs were ent­ren­ched in the Ger­man Eas­ter tra­di­ti­on [...].

Ble­vins, Me­lis­sa: Who In­ven­ted the Cho­co­la­te Eas­ter Bun­ny? todayifoundout.com (04/2017).

Bild von einem braunen Osterhasen im Garten, der die Ostereier austrägt. Fotografiert von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinWie es der Name be­reits sug­ge­riert, kön­nen aus­schließ­lich Ha­sen den Be­ruf des Os­ter­ha­sen er­ler­nen. Zwar soll es in man­chen Ge­gen­den auch schon mal Os­ter­füch­se und Os­ter­stör­che ge­ge­ben ha­ben, die­se wur­den je­doch auf­grund man­geln­der Le­gi­ti­ma­ti­on schnell wie­der durch Os­ter­ha­sen er­setzt. Kein Wun­der, schließ­lich hat nur der Hase den gött­li­chen Se­gen. Al­les be­gann mit der Früh­lings­göt­tin Ost­ara, die von den Men­schen in West­eu­ro­pa vor der Chris­tia­ni­sie­rung un­ge­fähr zur Zeit des Pas­sah­fests Op­fer er­hielt.

Für die­ses fröh­li­che Fest war eine Früh­lings­göt­tin na­mens Ost­ara zu­stän­dig. In man­chen Ge­gen­den wur­de sie auch Öst­re oder East­re ge­nannt. Ihr ver­dan­ken wir den Na­men des Os­ter­fests (eng­lisch Eas­ter).

Sa­scha: Os­ter­ha­sen zum Aus­ma­len – Rät­sel­spiel für Kin­der. gws2.de (04/2017).

Der Le­gen­de nach war ein Win­ter ein­mal so lan­ge, dass ein Mäd­chen da­mit be­gann, Ost­ara zu su­chen. Auf ih­rem Weg fand sie ei­nen er­fro­re­nen Vo­gel, den sie bit­ter­lich be­wein­te. Das klei­ne Mäd­chen be­te­te dar­auf­hin zur Früh­lings­göt­tin, dass die­se den Vo­gel doch bit­te wie­der zum Le­ben er­we­cken soll.

Bildcollage bestehend aus einem schönen gebastelten Osterhasen. Arrangiert von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Ost­ara er­schien zwar auf­grund des Ge­bets, konn­te aber dem ar­men Tier nicht mehr hel­fen. Sie ver­wan­del­te den to­ten Vo­gel al­ler­dings kur­zer­hand in ei­nen le­ben­di­gen Ha­sen. An­schlie­ßend sag­te die Göt­tin zu dem Mäd­chen, dass die Men­schen von nun an nach die­sem Ha­sen Aus­schau hal­ten sol­len. So­bald die Fell­na­se sein Kleid ver­liert, ist das ein Zei­chen da­für, dass der Früh­ling naht.

Wenn er sein Kleid ver­lie­re, wäre dies ein un­trüg­li­ches Zei­chen da­für, dass ihr Kom­men und da­mit der Früh­ling na­hen wür­den.

Fey, An­dre­as: Ost­ara und die heid­ni­schen Ur­sprün­ge des Os­ter­fes­tes. germanblogs.de (04/2017).

Bild von Osterhase mit Maus und Marienkäfer im Heu. Foto von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinSeit­dem gibt es kein Ge­mäl­de von der heid­ni­schen Göt­tin, auf dem nicht auch min­des­tens ein Hase mit ab­ge­bil­det ist. Doch auch ab­seits die­ser Ge­schich­te spiel­ten die lus­ti­gen Lang­oh­ren für den Men­schen zur Früh­lings­zeit schon im­mer eine be­deu­ten­de Rol­le. Auf­grund ih­rer ho­hen Fer­ti­li­täts­ra­te wa­ren Ha­sen näm­lich seit je­her Frucht­bar­keits­sym­bo­le, die für das neue Le­ben stan­den.

The Eas­ter bun­ny has its ori­gin in pre-Christian fer­ti­li­ty lore. The Hare and the Rab­bit were the most fer­ti­le ani­mals known and they ser­ved as sym­bols of the new life du­ring the Spring sea­son.

Aus­tra­li­an Me­dia Ltd.: Eas­ter Tra­di­ti­ons. easterbunnys.net (04/2017).

Bildcollage von dreidimensionalem Pappmaché Hasen. Erstellt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Wuss­ten Sie, dass nicht je­der Hase die Eig­nung zum Os­ter­ha­sen be­sitzt? Zum Bei­spiel wird da­von aus­ge­gan­gen, dass aus­schließ­lich Ramm­ler den Os­ter­ha­sen­be­ruf er­ler­nen dür­fen. Dies geht auf meh­re­re Au­gen­zeu­gen­be­rich­te zu­rück, in de­nen be­stä­tigt wird, dass die Ei­er­bo­ten bei der Ar­beit eine Flie­ge um den Hals tra­gen.

A poll of my Twit­ter fol­lo­wers reve­als that 81% of the peo­p­le who re­pli­ed be­lie­ve the Eas­ter Bun­ny to be male, ba­sed most­ly on de­pic­tions whe­re it’s wea­ring a bow­tie.

So­ni­ak, Matt: Whe­re Did The Eas­ter Bun­ny Come From? mentalfloss.com (04/2017).

Au­ßer­dem ist heu­te noch un­klar, wo die Eier des Os­ter­ha­sen her­kom­men. Geht man nach den Ge­brü­dern Grimm, muss der Hase die Os­ter­ei­er am Os­ter­sonn­tag an Ort und Stel­le selbst le­gen.

os­ter­ha­se, m. hase, der nach dem kin­der­glau­ben die os­ter­ei­er legt.

Deut­sches Wör­ter­buch von Ja­cob und Wil­helm Grimm. 16 Bde. in 32 Teil­bän­den. Leip­zig 1854 - 1961. Quel­len­ver­zeich­nis Leip­zig 1971. woerterbuchnetz.de (PDF) (04/2017).

Bild von einem aus Papier gebastelten Osterhasen, der mit seiner Kiepe durch den Wald läuft. Foto von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinEin männ­li­ches Säu­ge­tier, das bun­te Eier legt? Wenn dies eine wei­te­re Vor­aus­set­zung da­für wäre, um Os­ter­ha­se zu wer­den, wür­den wohl je­des Jahr vie­le Os­ter­nes­ter auf der Welt leer blei­ben. Doch wo­her kommt ei­gent­lich die­ser Irr­glau­be? Es wa­ren wohl ame­ri­ka­ni­sche Ma­ler mit deut­schen Wur­zeln, die im 18. Jahr­hun­dert den Os­ter­ha­sen Eier le­gen lie­ßen. Der Grund da­für war, dass die Künst­ler nicht wuss­ten, wie sie ei­nen Ha­sen dar­stel­len sol­len, der ei­nen Korb mit Ei­ern trägt.

One of the pro­blems that the ear­ly penn­syl­va­ni­an ger­man ar­tists had, was how do you de­pict a hare, car­ry­ing a bas­ket of eggs.

CBS Sun­day Mor­ning: The real sto­ry of the Eas­ter Bun­ny. youtube.com (04/2017).

Picture of the Easter bunny who is running through the Bavarian forest and delivering Easter eggs. Crafted by Veronika Vetter Bavarian Fine ArtistZu­sam­men­fas­send lässt sich also sa­gen, dass Os­ter­ha­sen be­son­ders star­ke männ­li­che Ha­sen mit Flie­ge sind, die ei­nen Korb mit Os­ter­ei­ern auf dem Rü­cken tra­gen. Hin­ge­gen wei­ter­hin un­er­forscht ist, war­um die­ser Tier­be­ruf über­haupt ent­stand und wo­her die gan­zen Os­ter­ei­er kom­men. Au­ßer­dem ist völ­lig un­klar, ob die Ha­sen für ihre Ar­beit ent­lohnt wer­den. Auf Grund­la­ge die­ser In­for­ma­tio­nen habe ich ei­nen Os­ter­ha­sen für eine voll­stän­di­ge Os­ter­de­ko aus Pa­pier ge­bas­telt.

Wie alle Mo­ti­ve die­ser Bas­tel­se­rie passt auch mein Pa­pier­ha­se per­fekt zum Früh­ling. Beim Kre­ieren der Fi­gur be­rück­sich­tig­te ich je­doch, dass Os­ter­ha­sen kei­nen bi­bli­schen Be­zug ha­ben. Aus die­sem Grund wirkt mein Lang­ohr eher de­zent und na­tur­nah. Da­durch kann der Kunst­ha­se auf­grund sei­ner sym­bo­li­schen Tra­di­ti­on den­noch pro­blem­los ein Teil ei­nes re­li­giö­sen Os­ter­ar­ran­ge­ments sein.

Picture of two Easter bunnies who are sitting in the hay. Created by Veronika Vetter Bavarian Fine Artist

Mein selbst ge­bas­tel­ter Os­ter­ha­se ist 12 Zen­ti­me­ter hoch und hat eine aus Pa­pier nach­emp­fun­de­ne Kie­pe auf dem Rü­cken. Auf­grund der Wat­te und der ein­ge­setz­ten Papp­ma­ché Tech­nik ver­fügt die Os­ter­de­ko über eine ein­zig­ar­ti­ge Hap­tik. In der fol­gen­den Bild­an­lei­tung sage ich Ih­nen nun, wie ich das knuf­fi­ge Häs­chen ge­bas­telt habe.

Bastelanleitung für Osterhase

Auf­grund der bes­se­ren Über­sicht habe ich mich da­für ent­schie­den, die An­lei­tung auf­zu­tei­len. Des­halb er­klä­re ich zu­erst nur, wie ich die Ha­sen­fi­gur mo­del­liert habe.

Bild von gewöhnlichem Zeitungspapier aus Bayern für die Pappmaché TechnikFür die be­son­de­re Papp­ma­ché Tech­nik ver­wen­de­te ich ganz ge­wöhn­li­ches Zei­tungs­pa­pier, Kleis­ter und Mo­del­lier­pas­te. Des Wei­te­ren ist ein kur­zer Koch­vor­gang von­nö­ten, wes­halb ich eben­falls ei­nen Koch­topf und ein Sieb zur Hil­fe nahm. Um das Häs­chen schön zu ver­zie­ren, ka­men au­ßer­dem ver­schie­de­ne Acryl­far­ben und han­dels­üb­li­che wei­ße Wat­te zum Ein­satz. Die Ha­sen­au­gen habe ich aus Fimo Mo­del­lier­mas­se an­ge­fer­tigt, Sie könn­ten da­für al­ler­dings auch schwar­ze Knöp­fe neh­men.

  • Au­ßer­dem soll­ten Sie sich eine Sche­re, ei­ni­ge Dot­ting­tools und viel flüs­si­gen Kle­ber als Bas­tel­werk­zeu­ge zu­recht­le­gen.

Im ers­ten Bas­tel­schritt nahm ich ei­nen Koch­topf zur Hand, der über ein Fas­sungs­ver­mö­gen von drei Li­tern ver­füg­te, und füll­te die­sen mit Zei­tungs­pa­pier­schnip­seln auf.

Collage mit Anleitungsschritten: Zeitungspapier für Pappmaché Technik kochen. Bild von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Di­rekt im An­schluss gab ich so viel kla­res Was­ser in den Topf, bis das Pa­pier dar­in schwim­men konn­te.

  • Dar­auf­hin brach­te ich das Was­ser zum Ko­chen. Hin­weis: Durch die­sen Vor­gang wird das Zei­tungs­pa­pier nicht nur ge­schmei­dig weich, son­dern es ver­liert au­ßer­dem die Farb­pig­men­te.

Nach we­ni­gen Mi­nu­ten schüt­te­te ich das hei­ße Was­ser über ein Sieb ab und ließ den Fa­ser­brei erst ein­mal ab­trop­fen.

Bild von leckerem gekochtem Zeitungspapier für PapierliebhaberAls die Mas­se ab­ge­kühlt war, drück­te ich mit mei­nen Hän­den kräf­tig das Rest­was­ser aus dem Brei. Da­nach leg­te ich das aus­ge­koch­te Pa­pier vor mich auf mei­ne Ar­beits­flä­che. Nun gab ich ei­nen Ess­löf­fel des Kleis­ter­pul­vers über den Pa­pier­hau­fen und ver­meng­te dar­auf­fol­gend die bei­den Kom­po­nen­ten mit­ein­an­der. So­bald mein Pa­pier­teig beim Kne­ten nicht mehr aus­ein­an­der­fiel, hat­te er die rich­ti­ge Kon­sis­tenz für die Wei­ter­be­ar­bei­tung.

Tipp: Sie sind nach die­sen Bas­tel­schrit­ten be­reits völ­lig er­schöpft und be­nö­ti­gen eine Pau­se? Dann ge­ben Sie den Pa­pier­teig in ei­nen Ge­frier­beu­tel und le­gen Sie das Gan­ze in den Kühl­schrank. Mein Selbst­test er­gab, dass die Mas­se so bis zu fünf Tage lang auf­be­wahrt wer­den kann.

Collage mit Anleitungsschritten: Gekochtes Zeitungspapier zu einem Teig kneten

Im nächs­ten Schritt form­te ich mir aus dem Pa­pier­teig ei­nen Ke­gel für den Kör­per und eine ova­le Ku­gel für den Kopf.

Dar­auf­hin bau­te ich mei­nen Papp­ma­ché Ha­sen zu­sam­men. Ich ging da­bei ge­nau so wie ein Kind vor, wel­ches am Strand sitzt und aus nas­sem Sand eine Burg baut. Ne­ben den Pfo­ten und dem Schwänz­chen be­kam mein Häs­chen na­tür­lich auch zwei gleich­lan­ge Oh­ren. Als ich mei­ne Fi­gur fer­tig­ge­stellt hat­te, muss­te die­se hart wer­den. Ei­nen mei­ner Pa­pier­ha­sen ließ ich des­halb bei Zim­mer­tem­pe­ra­tur trock­nen und stell­te da­bei fest, dass die­ser Vor­gang fünf Tage in An­spruch nahm.

  • Hin­weis: Ei­nen an­de­ren Ha­sen gab ich wie­der­um bei 80 Grad Cel­si­us in den Back­ofen. Mit die­ser Me­tho­de konn­te ich be­reits nach vier Stun­den mit der Os­ter­de­ko wei­ter­ar­bei­ten.

Der Osterhase erhält sein Frühlingsfell

Als die Fi­gur aus­ge­här­tet war, be­strich ich sie kom­plett mit Mo­del­lier­pas­te. Dar­auf­hin stell­te ich den da­durch weiß ko­lo­rier­ten und ge­eb­ne­ten Ha­sen bei Zim­mer­tem­pe­ra­tur für eine Stun­de zum Trock­nen.

Collage mit Anleitungsschritten: Weiches Fell auf selbst gebastelten Osterhasen kleben. Idee von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

So­bald die Mo­del­lier­pas­te fest war, be­mal­te ich das Lang­ohr voll­stän­dig mit brau­nen Acryl­far­ben. Alle Stel­len, die an ei­nem Ha­sen weiß sind, spar­te ich da­bei al­ler­dings aus.

  • Ich ließ die feuch­te Far­be eine Stun­de lang trock­nen und ver­klei­de­te da­nach das wei­ße Ge­sicht, den Bauch und das Schwänz­chen mit han­dels­üb­li­cher Wat­te.

Bild von dem braunen Auge eines OsterhasenFür die bei­den Au­gen an den Sei­ten des Kop­fes fer­tig­te ich mir im An­schluss zwei Halb­ku­geln aus schwar­zer Fimo Mo­del­lier­mas­se an. Nach­dem die­se ge­ba­cken wa­ren, kleb­te ich die bei­den Knopf­au­gen mit viel flüs­si­gem Kle­ber auf die Wat­te. Gleich da­nach mal­te ich auf bei­den Sei­ten die Re­gen­bo­gen­haut samt Pu­pil­le mit­hil­fe von Acryl­far­ben auf. Hin­weis: Au­ßer­dem ak­zen­tu­ier­te ich noch die Spit­ze der Pföt­chen mit schwar­zer Far­be. Nach die­sem letz­ten Fein­schliff war mein flau­schi­ges Zei­tungs­pa­pier­häs­chen fer­tig­ge­stellt.

Kernige Hasenmänner tragen Rucksack bei der Arbeit

Zum Bas­teln der ge­räu­mi­gen Kie­pe in Wei­den­ru­ten­op­tik ver­wen­de­te ich gel­bes und hell­brau­nes Ton­pa­pier. Als Bas­tel­werk­zeu­ge soll­ten Sie sich zu­dem eine Sche­re, ei­nen wei­ßen Kle­ber auf Was­ser­ba­sis, ein Falz­beil samt Li­ne­al, ei­nen ge­wöhn­li­chen Bas­tel­kle­ber, Acryl­far­ben und mei­ne DIN A4 Bas­tel­scha­blo­ne zu­recht­le­gen.

Collage mit Anleitungsschritten: Geräumige Kiepe aus Papier basteln

Zu­al­ler­erst fer­tig­te ich sämt­li­che Ele­men­te der Scha­blo­ne ein­mal aus gel­bem und ein­mal aus hell­brau­nem Ton­pa­pier an. Di­rekt im An­schluss kleb­te ich die iden­ti­schen Ein­zel­tei­le so zu­sam­men, dass die gel­be Sei­te nach au­ßen zeig­te.

  • Nach­dem ich die Knick- und Kle­be­l­i­ni­en ge­falzt hat­te, setz­te ich den Korb Stück für Stück zu­sam­men.
  • Nun gab ich ei­nen Trop­fen flüs­si­gen Kle­ber auf die äu­ße­re Rü­cken­sei­te des Ruck­sacks und kleb­te die­sen ober­halb der Ha­sen­blu­me fest.

Bild von Hasenfigur, die einen gelben Rucksack trägt

Als Nächs­tes brach­te ich die Tra­ge­gur­te an. Dazu führ­te ich erst ei­nen Gurt um eine Vor­der­pfo­te. Tipp: Da­mit die Tra­ge­gur­te eng am Ha­sen­kör­per an­lie­gen, knick­te ich die­se auf dem Weg zum Korb ins­ge­samt drei­mal. Im An­schluss kleb­te ich die bei­den Gur­ten­den an der Korbau­ßen­sei­te fest. Dar­auf­fol­gend wie­der­hol­te ich die vor­an­ge­gan­ge­nen Schrit­te mit dem zwei­ten Gurt, so­dass mein Häs­chen den Ruck­sack auch ohne Kle­ber mit den Schul­tern tra­gen konn­te.

Zu gu­ter Letzt sorg­te ich für die Wei­den­ru­ten­op­tik. Dazu fer­tig­te ich mir zu­nächst ein­mal vie­le dün­ne Strei­fen aus gel­bem Ton­pa­pier an.

Collage mit Anleitungsschritten: Weidenrutenmuster aus Papier auf einer selbst gebastelten Kiepe erzeugen. Idee von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Di­rekt im An­schluss be­netz­te ich die ge­sam­te Au­ßen­sei­te des Korbs mit wei­ßem Kle­ber auf Was­ser­ba­sis.

  • Dar­auf­fol­gend leg­te ich mit­hil­fe der Pa­pier­strei­fen ein Ka­ro­mus­ter auf die kleb­ri­ge Korbau­ßen­sei­te.
  • An­schlie­ßend be­strich ich auch das Mus­ter mit dem wei­ßen Kle­ber und ließ das Gan­ze für 30 Mi­nu­ten trock­nen.

Ganz zum Schluss be­mal­te ich den kom­plet­ten Ruck­sack mit gel­ber Acryl­far­be. Für ei­nen ver­we­ge­nen Look zog ich au­ßer­dem noch brau­ne Strei­fen ein. Nach die­ser Ko­lo­ra­ti­on hat­te ich mei­ne Os­ter­ha­sen­fi­gur mit Kie­pe end­gül­tig fer­tig­ge­stellt.

Fazit: Deutsche lieben Osterhasen aus Schokolade

Bild von ausgestopften Hasen im Stroh. Bayerische Handwerkskunst von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinWenn Sie mei­nen Os­ter­ha­sen mit­hil­fe die­ser au­ßer­ge­wöhn­li­chen Papp­ma­ché Tech­nik nach­bas­teln möch­ten, dann müs­sen Sie nicht mit ge­stal­te­ri­schem Ta­lent ge­seg­net sein. Was Sie vor al­lem brau­chen, ist Zeit. Selbst wenn Sie den Trock­nungs­pro­zess mit Ih­rem Back­ofen be­schleu­ni­gen, dür­fen Sie gut und ger­ne zwei vol­le Tage ein­pla­nen, bis solch ein Os­ter­ha­se ein Teil Ih­rer voll­stän­di­gen Os­ter­de­ko sein kann. An mei­nen Pa­pier­häs­chen ge­fal­len mir vor al­lem die zum An­fas­sen ein­la­den­de Fell­op­tik und das hohe Ge­wicht. Durch den kom­pri­mier­ten Pa­pier­brei wie­gen mei­ne Os­ter­ha­sen je­weils 800 Gramm und sind so­mit eine be­son­ders sta­bi­le De­ko­ra­ti­on.

Bei der jahr­hun­der­te­lan­gen Ha­sen­ver­eh­rung im deutsch­spra­chi­gen Raum fra­ge ich mich, war­um der Ad­ler das Wap­pen­tier der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist. Der Ha­sen­kult wur­de üb­ri­gens wei­ter­ver­erbt, denn nir­gend­wo auf der Welt wer­den pro Kopf mehr Scho­ko­la­den­os­ter­ha­sen ver­speist als hier­zu­lan­de. Kein Wun­der, denn wer hat’s er­fun­den?

Smit­h­so­ni­an ma­ga­zi­ne re­ports that the cho­co­la­te bun­ny has exis­ted sin­ce the 19th cen­tu­ry when it was in­iti­al­ly crea­ted in Ger­ma­ny.

J. Tavi: A Histo­ry of Cho­co­la­te Bun­nies. foodimentary.com (04/2017).

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