Seitdem professionelle Fußballmannschaften nur noch aus kommutativen Jungstars wie Lamine Yamal und charismabefreiten Trainerfiguren wie Hansi Flick bestehen, hat dieser Sport merklich an Strahlkraft eingebüßt. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Darts in dieses Vakuum stößt? Wobei - warum eigentlich nicht? Schließlich lebt eine echte Breitensportart davon, die Gesellschaft widerzuspiegeln. Und eines ist unbestritten: Wenn in jedem dritten deutschen Haushalt¹ eine Dartscheibe hängt, dann sieht der durchschnittliche Spieler wohl tatsächlich in etwa so wie Ricardo „Pikachu” Pietreczko oder Gabriel „Gaga” Clemens aus. Aber warum haben Dartprofis eigentlich immer so skurrile Spitznamen? Nun, sie sind nur ein Teil des Charakters, den die Pfeilewerfer an der Oche verkörpern. Denn Darts-Turniere fesseln nicht, weil dort gesichtslose Trikotnummern in taktischen Formationen Dreiecke² bilden - sondern weil hier echte Typen auf der Bühne stehen. Und die können neben dem Zielen auch unterhalten.
Als im Jahr 1972 in der Londoner Wembley Arena erstmals ein Dartturnier vollständig im Fernsehen übertragen wurde, erwies sich Sieger Alan Evans als wahre Rampensau. Der Waliser wusste, dass es beim Darts nicht nur um Präzision, sondern auch um Show ging - und trug bei jedem Match stolz seinen weiß-roten Welsh Bobble Hat. Mit seinem kauzigen Charme und seinen launigen Interviews unterstrich er sein Image als bühnenreifer Entertainer.
Währenddessen eroberten zwei andere schillernde Figuren die Darts-Welt: Eric Bristow und Bobby George, die nicht nur mit ihrem Spiel, sondern auch mit skurrilen Outfits, ordinären Wortgefechten und dem medienwirksamen Exen von Lagerbier³ für Aufsehen sorgten. Darts war längst mehr als nur ein Kneipenspiel - es war Spektakel.
Trotz der enormen Reichweite - rund sieben Millionen Zuschauer verfolgten das „News of the World Darts Championship” im Jahr 1972 - gab es für den Sieger keinen einzigen Penny Preisgeld. Das Einzige, was „Evans the Arrow” erhielt, war eine Trophäe und jede Menge Ruhm. Erst gegen Ende der 1970er-Jahre konnten in Großbritannien einige wenige Dartprofis von ihrem Sport leben, während sich etwa 30.000 Hobbyspieler in Amateurligen organisierten. Zum Vergleich: Der Deutsche Dart-Verband (DDV) hatte 1983 gerade einmal 10.000 Mitglieder registriert - ein Beweis dafür, dass die Bonner Republik in Sachen Pfeilewerfen damals noch ein Entwicklungsland war.
Rund um die deutsche Wiedervereinigung flaute das öffentliche Interesse an Darts spürbar ab. Der Sport war zunehmend mit Wetten, Alkohol und einer teils rauen Kneipenkultur verknüpft - kein Image, mit dem sich große Sponsoren schmücken wollten. Die Folge: Immer weniger Turniere, immer mehr Absagen. Darts drohte, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.
Doch die Wende kam 1992, als 16 britische Profis⁴ mit der Unterstützung von Sport-Managern, einer PR-Agentur und dem Fernsehsender Sky eine Revolution wagten. Sie gründeten einen neuen internationalen Verband, den World Darts Council (WDC), mit einer klaren Mission: Darts sollte zurück ins Rampenlicht - und zwar nach dem Vorbild amerikanischer Wrestling- und Boxveranstaltungen. Statt verrauchter Hinterzimmer sollten charismatische Persönlichkeiten und der Eventcharakter wieder im Mittelpunkt stehen. Zudem wurde - zumindest während der Wettkämpfe - ein striktes Alkoholverbot für die Spieler eingeführt.
Später in Professional Darts Corporation (PDC) umbenannt, dominierte zunächst Phil Taylor fast jedes Verbandsturnier und machte sich unsterblich.
- Als die Darts-WM 2007 in das Londoner Alexandra Palace „Ally Pally“ verlegt wurde, begann eine neue goldene Ära.
- Wie in den 1970er-Jahren formierte sich eine publikumswirksame Profigruppe mit Spielern wie Michael van Gerwen, Peter Wright und Raymond van Barneveld, die Darts endgültig zum Spektakel machten.
- Die Strahlkraft dieses Booms reichte bis nach Deutschland und hinterließ besonders bei der Generation Z nachhaltigen Eindruck.
Immer mehr junge Talente wagten den Schritt in den Profisport, was spätestens mit der PDC Darts-WM 2025 sichtbar wurde: Erstmals gingen sechs deutsche Spieler an den Start und kämpften um einen Anteil des Rekord-Preisgeldes von 2,5 Millionen Pfund.
2,5 Millionen Pfund Preisgeld (ca. 2,8 Mio. Euro) sind im Pott. Der Weltmeister bekommt 500.000 Pfund (ca. 580.000 Euro).
Raitt, Neil: Darts-WM 2025 im „Ally Pally“. bild.de (02/2025).
„Ich möchte mit Pfeilewerfen reich werden“, dachte sich Florian Hempel aus Dessau, als er 2017 mit seinen Mitbewohnern beim Vorglühen auf eine Dartscheibe warf. Was als Trinkspiel begann, entwickelte sich schnell zur Leidenschaft. Kurz darauf intensivierte der Wahlkölner sein Training - Profispieler feilen nach eigenen Angaben täglich zwei bis fünf Stunden⁵ an ihrer Wurftechnik. Der Fleiß zahlte sich aus: Nur zwei Jahre später gab Hempel sein Turnierdebüt und hat seither über 100.000 Pfund an Preisgeld eingespielt.
Hempel berichtet in einem Interview, dass in der Wohnung eine Dartsscheibe an der Wand gehangen habe. Er habe vor dem Feiern regelmäßig mit seinen Mitbewohnern ein paar Pfeile geworfen.
Müller, Miriam: 5 Facts zu Darts-Profi Florian Hempel: Freundin, Preisgeld, Beruf, Herkunft & Einlaufmusik. wettbasis.com (02/2025).
Noch ist Darts eine Sportart mit erstaunlich hoher Durchlässigkeit. Während es im Fußball Jahre in Nachwuchsleistungszentren braucht, um vielleicht Profi zu werden, genügen im Darts oft zwei Jahre intensives Training, um sich einen Platz auf der großen Bühne zu sichern. Wer regelmäßig ein 15- bis 18-Dart-Leg spielt, kann sich für die PDC-Qualifikationsturniere anmelden - und dort beginnt der Weg zu satten Preisgeldern. Also, warum noch zögern? Heute noch das Kündigungsschreiben aufsetzen und ran ans Brett - der Ally Pally wartet!
Dartscheibe ausdrucken
Ein typisches London Board hat einen Durchmesser von 17,75 Zoll, umfasst 20 Felder und insgesamt 82 Segmente. Wer dieses Wettkampfdesign⁶ aufs Papier bringen möchte, benötigt sieben DIN-A4-Seiten, die nach dem Ausschneiden mit Malerkrepp zusammengesetzt werden. Besitzer eines Farbdruckers erhalten die Einzelteile der Dartscheibe direkt in den klassischen Farben Schwarz, Weiß, Rot und Grün. Für eine längere Haltbarkeit des selbst gebauten Dartboards empfiehlt es sich, unsere PDF-Vorlage direkt auf weißes Universalpapier mit 160 g/m² zu drucken - ein langlebigeres und zugleich nachhaltigeres Material.
Nach dem Ausdrucken und Ausschneiden liegen sechs gleichschenklige Dreiecke mit einem Winkel von 54 Grad sowie ein kleines Kuchenstück (36 Grad) vor einem.
Der Zusammenbau klappt am besten, wenn die Dreiecke mit dem Aufdruck nach oben nacheinander auf umgedrehte Malerkreppstreifen gelegt werden. Damit alles an der richtigen Stelle sitzt, sind die Schablonen alphabetisch beschriftet.
- Ist die DIY-Dartscheibe zusammengesetzt, muss sie nur noch so aufgehängt werden, dass das Bullseye exakt auf 1,73 Metern Höhe sitzt.
Und dann kann es losgehen! Zwei Spieler werfen abwechselnd drei Spicker und versuchen, 501 Punkte herunterzuspielen. Bis etwa 170 Restpunkte bleibt die Triple 20 das Ziel - danach beginnt das Kopfrechnen.
Nico Ziemann: Es ist kein Rechnen. Es ist Vokabeln lernen.
Rieck, Sebastian: Dart-Sport boomt in Hamburg. Hamburg Journal | NDR (2025).
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¹Romatowski-Sohlbach, Richard W. von: Darts: Technik - Training - Methodik. 5. Auflage. Aachen: Meyer & Meyer Verlag 2015.
²Evra, Patrice: Guardiola ruined Football! youtube.com (02/2025).
³Finneran, Siobhan: Bullseyes and Beer: When Darts Hit Britain. youtube.com (02/2025).
⁴Durrant, Glen: Birth of the PDC - The Split In Darts. youtube.com (02/2025).
⁵Drumm, Marc: Gabriel Clemens bereitet sich auf anstehende Darts-WM vor. sportarena | SR (2023).
⁶Sport: Regeln – Technik – Taktik. Über 200 Sportarten. München: Dorling Kindersley 2008.