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Bananenpapier - was ist das?

Eine gro­ße, krum­me und gel­be Ba­na­ne be­inhal­tet eine Viel­zahl an Nähr­stof­fen und schmeckt zu je­der Jah­res­zeit. Nach dem Ge­nuss der sü­ßen Süd­frucht bleibt nur noch die Scha­le zu­rück. Die­se soll­ten Sie auf­grund der ver­wen­de­ten Pes­ti­zi­de eher nicht es­sen. Im Ide­al­fall wird die Ba­na­nen­scha­le kom­pos­tiert und da­mit wie­der zur Erde, denn dar­aus lässt sich nichts mehr ma­chen. Hin­ge­gen aus den Stäm­men der Ba­na­nen­pflan­zen wird nun schon seit ei­ni­ger Zeit Pa­pier her­ge­stellt. Ba­na­nen­pa­pier (eng­lisch Bana­na Pa­per) ist ein ex­tra­va­gan­tes Öko­pa­pier, wel­ches vor al­lem in Ent­wick­lungs­län­dern noch in rei­ner Hand­ar­beit her­ge­stellt wird.

Bild von drei Bananen aus BananenpapierVor al­lem für Bast­ler und Künst­ler bie­ten die au­ßer­ge­wöhn­li­chen Ei­gen­schaf­ten die­ses Werk­stoffs neue Her­aus­for­de­run­gen. In die­sem Ar­ti­kel er­fah­ren Sie zum ei­nen wo, und wie das hoch­wer­ti­ge Ba­na­nen­pa­pier her­ge­stellt wird und zum an­de­ren, wel­che Mög­lich­kei­ten sich für Sie er­öff­nen, soll­ten Sie das hand­ge­schöpf­te Pa­pier in Ihr Re­per­toire mit auf­neh­men.

Die Entwicklung des Bananenpapiers

Bild von Papieraffe der Bananenpapier hält
In un­se­ren Brei­ten­gra­den ist Pa­pier ein Werk­stoff, der sehr güns­tig und vor al­lem im­mer ver­füg­bar ist. Die Qua­li­tät der Pa­pier­sor­ten, die im Ein­zel­han­del zu fin­den sind, ist im­mer spit­zen­mä­ßig. Dies liegt zum ei­nen dar­an, dass Deutsch­land den Roh­stoff Holz durch die un­zäh­li­gen Forst­be­trie­be selbst her­stellt und zum an­de­ren über die nö­ti­ge In­dus­trie zur Pa­pier­her­stel­lung ver­fügt. Das ver­hält­nis­mä­ßig klei­ne Deutsch­land be­legt im welt­wei­ten Ver­gleich Platz 4, was die Pa­pier­pro­duk­ti­on be­trifft.

[...] ist die deut­sche Pa­pier­in­dus­trie die Nr. 1 in Eu­ro­pa, die Nr. 4 welt­weit [...].

Ver­band Deut­scher Pa­pier­fa­bri­ken e.V.: 625 Jah­re Pa­pier­in­dus­trie. vdp-online.de (08/2015).

In den meis­ten Schwellen- und Ent­wick­lungs­län­dern wie bei­spiels­wei­se In­do­ne­si­en, Ne­pal, den Phil­ip­pi­nen oder Sam­bia ist Pa­pier ein Lu­xus­pro­dukt, wel­ches auf­grund der feh­len­den Forst­wirt­schaft im­por­tiert wer­den muss.

Bild von Bananenpapier Es ist des­halb sehr teu­er und da­durch der Ad­mi­nis­tra­ti­on und Ver­wal­tung vor­ent­hal­ten. Durch die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung aber auch durch die ver­mehr­ten Bil­dungs­an­ge­bo­te steigt der Be­darf an Pa­pier in die­sen Län­dern im­mer stär­ker an. Die Lö­sung die­ser Mi­se­re ist Ba­na­nen­pa­pier, wel­ches meist in klei­nen Hand­werks­be­trie­ben di­rekt ne­ben den Ba­na­nen­plan­ta­gen her­ge­stellt wird.

Bananenpapier ist Umweltpapier par excellence

Wuss­ten Sie, dass jede Ba­na­nen­pflan­ze im Jahr nur ei­nen gro­ßen Strauch mit Früch­ten, den so­ge­nann­ten Frucht­stand, trägt?

Every year each tree pro­du­ces just one big bunch of bana­nas.

Ko­ep­pel, Dan: Pa­per from Bana­nas. youtube.com (08/2015).

Bei der Ern­te wird da­bei nicht nur der Frucht­stand ent­fernt, son­dern der Bau­er schlägt mit ei­ner Ma­che­te den kom­plet­ten obe­ren Teil der Pflan­ze (Schein­stamm) samt Blät­ter ab. Der un­te­re Stamm der Ba­na­nen­stau­de bleibt ste­hen, aus ihm wach­sen im nächs­ten Jahr wie­der neue Ba­na­nen. Die ge­ern­te­ten Früch­te kom­men zu uns, doch was pas­siert mit dem Schein­stamm? Frü­her ist die­ser ein­fach ver­rot­tet, heut­zu­ta­ge dient er als Roh­stoff für Ba­na­nen­pa­pier.

Ba­na­nen­pa­pier und Ba­na­nen­fa­sern

  • Ba­na­nen­fa­sern: Der Schein­stamm wird in der Mit­te ge­teilt. Mit ei­ner Art Ho­bel wer­den da­nach die ein­zel­nen Pflan­zen­fa­sern bis zur Rin­de her­aus­ge­schabt. An­schlie­ßend trock­nen die Fa­sern in der Son­ne.

They are dry­ing it in the cent­re of the vil­la­ge, whe­re the sun is the stron­gest.

On­e­Pla­net­Ca­fe: Bana­na Pa­per in Zam­bia. youtube.com (08/2015).

Aus den ge­trock­ne­ten Fa­sern wer­den Kör­be und Ta­schen so­wie Ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al ge­floch­ten.

  • Ba­na­nen­pa­pier: Die üb­rig ge­blie­be­ne Rin­de mit klei­nen Fa­ser­res­ten wird un­ge­fähr 12 Stun­den in der Son­ne ge­trock­net. An­schlie­ßend wird das Gan­ze in sau­be­rem Was­ser ge­kocht, bis dar­aus Zell­stoff ent­stan­den ist. Der Ei­gen­saft des Schein­stamms ist da­bei so kleb­rig, dass eine wei­te­re Zu­ga­be von Kle­ber nicht nö­tig ist. Zu gu­ter Letzt wird der Zell­stoff mit ei­nem Sieb ab­ge­schöpft, in eine Pa­pier­form ge­presst und zum Trock­nen ge­legt. Der Her­stel­lungs­pro­zess ist also ähn­lich wie beim tra­di­tio­nel­len Wa­shi Pa­pier.

Da­mit ist die Bananenpapier-Herstellung nach­hal­tig und öko­lo­gisch. Es wer­den kei­ne Bäu­me ge­fällt und das ge­ern­te­te Pro­dukt wird voll­stän­dig ver­wer­tet.

Die Eigenschaften von Bananenpapier

Bild von beigem Bananenpapier

Ech­tes Ba­na­nen­pa­pier ist in der Ori­gi­nal­far­be Beige. Der Farb­ton ent­spricht un­ge­fähr der Far­be ei­ner ge­schäl­ten Ba­na­ne. Durch die lan­gen Fa­ser­res­te an der In­nen­sei­te der Rin­de ist das Pa­pier mit un­ter­schied­li­chen Li­ni­en durch­zo­gen. Eine Pa­pier­sei­te ist sehr rau, die an­de­re sam­tig weich. Des Wei­te­ren ist Ba­na­nen­pa­pier was­ser­ab­wei­send und schwer ent­flamm­bar.

Stanzen und Lochen von Bananenpapier ist nicht möglichDas hand­ge­schöpf­te Pa­pier ist in ei­ner ge­rin­gen Farb­aus­wahl er­hält­lich. Zum Fär­ben wer­den na­tür­li­che Farb­stof­fe wie In­di­go oder Hen­na ver­wen­det. Trotz der Fa­sern lässt sich auf Ba­na­nen­pa­pier sehr gut schrei­ben und ma­len. Beim Lo­chen und Schnei­den hat das Spe­zi­al­pa­pier je­doch De­fi­zi­te. So franst das Pa­pier bei­spiels­wei­se aus, wenn es mit ei­nem Mo­tiv­lo­cher be­ar­bei­tet wird.

Basteln mit Bananenpapier - unsere Erfahrung

Auf­grund der äu­ße­ren Be­schaf­fen­heit ist Ba­na­nen­pa­pier per­fekt, um Bas­tel­mo­ti­ve ent­we­der zu ver­pa­cken oder zu ver­klei­den.

Bild von Gutscheinheft aus BananenpapierUn­se­re Bast­le­rin Vro­ni hat ihre Base­cap aus Pa­pier bei­spiels­wei­se mit ge­färb­tem Ba­na­nen­pa­pier ver­klei­det. Die Müt­ze ist da­mit schon ein­mal ge­gen feuch­tes Wet­ter ge­schützt. Im Ge­gen­satz zu ein­far­bi­gem Ton­pa­pier, wel­ches ohne wei­te­re Ver­ar­bei­tung oft­mals sehr lang­wei­lig aus­sieht, bie­tet Ba­na­nen­pa­pier dem Be­trach­ter ein auf­re­gen­des und wech­sel­haf­tes Pa­pier­mus­ter.

Ech­tes Ba­na­nen­pa­pier ist mit ei­ner Gram­ma­tur von 60 g/m² sehr dünn und da­durch auch leicht trans­pa­rent. Aus die­sem Grund ist es auch sehr gut für fi­li­gra­ne Origami-Motive ge­eig­net.

Fazit und Kauftipps

Bild von Gutscheinen aus PapierWenn Sie das Pa­pier nicht ge­ra­de über ein­hei­mi­sche Händ­ler über Platt­for­men wie Etsy er­wer­ben, ist das Ba­na­nen­pa­pier meis­tens aus der „Ers­ten Welt”. Aus­tra­li­en und Cos­ta Rica sind da­bei die Haupt­ex­port­na­tio­nen. Wich­tig: Es gibt eben­falls re­cy­cel­tes Ba­na­nen­pa­pier. Hier sind ne­ben den o. g. Ba­na­nen­fa­sern eben­falls Alt­pa­pier und so­gar or­ga­ni­sche Res­te von Kaf­fee­sträu­chern oder Ta­bak­pflan­zen ent­hal­ten. Die­se Va­ri­an­te gibt es sehr preis­wert in 100-Blatt-Päckchen als Al­ter­na­ti­ve zu Dru­cker­pa­pier. Ein Bo­gen rei­nes Ba­na­nen­pa­pier mit ei­ner Grö­ße von 70 x 105 Zen­ti­me­tern kos­tet hin­ge­gen zwi­schen 3,00 und 4,00 Euro. Le­sen Sie also ge­nau die Pro­dukt­be­schrei­bung bei der Be­stel­lung.

Für uns ist das Ba­na­nen­pa­pier ein wei­te­res Stil­mit­tel, um Mo­ti­ven noch eine Be­son­der­heit zu ver­lei­hen. Vor al­lem je­doch, wenn Sie als Bast­ler im­mer auf der Su­che nach öko­lo­gisch nach­hal­ti­gen Pa­pie­ren sind, ist Ba­na­nen­pa­pier eine sehr gute Wahl. In Ne­pal ist die Nach­fra­ge der Be­völ­ke­rung nach dem preis­güns­ti­gen Pa­pier in­zwi­schen so groß, dass die jähr­lich ge­ern­te­ten Ba­na­nen­pflan­zen nicht mehr zur Be­frie­di­gung des Mark­tes aus­rei­chen.

Bana­na pa­per is high in mar­ket. I’m un­ab­le to ful­fill the mar­ket de­mand [...].

Kan­tipur TV: Bana­na Pa­per. youtube.com (08/2015).

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Lederpapier - was ist das?

Un­ter Le­der­pa­pier (eng­lisch faux lea­ther pa­per) ver­steht man eine Pa­pier­sor­te, de­ren Ober­flä­che zum ei­nen wie Le­der aus­sieht und die zum an­de­ren man­che Ei­gen­schaf­ten der ge­gerb­ten Tier­haut teilt. In die­sem Ar­ti­kel er­fah­ren Sie, war­um Le­der­pa­pier so be­son­ders ist, was Sie da­mit al­les ma­chen kön­nen und wor­auf Sie beim Kauf un­be­dingt ach­ten soll­ten.

Bild von Lederpapier in drei unterschiedlichen Farben
Le­der­pa­pier ist in un­ter­schied­li­chen, er­di­gen Far­ben er­hält­lich. Durch die auf­wen­di­ge Her­stel­lung und die Ma­te­ri­al­ei­gen­schaf­ten, die bei Bast­lern sehr be­leibt sind, ist Le­der­pa­pier ein Edel­pa­pier und be­fin­det sich da­her in der ge­ho­be­nen Preis­ka­te­go­rie.

Ist in Lederpapier wirklich Leder?

Bild von hellbraunem LederpapierLe­der­pa­pier ist je nach Ma­se­rung und Far­be auch als Ei­dech­sen­pa­pier oder Krokohaut-Papier be­kannt. In den heu­ti­gen Pa­pier­sor­ten be­fin­den sich je­doch kei­ner­lei Tier­häu­te, we­der von der Kuh noch von der Ei­dech­se oder dem Kro­ko­dil. Der Name geht wahr­schein­lich auf eine längst ver­gan­ge­ne Zeit zu­rück, in der Pa­pier­fa­bri­ken vor al­lem Pap­pe aus Le­der­ab­fäl­len (Le­der­pap­pe) her­ge­stellt ha­ben.

Die heu­ti­ge Her­stel­lung von Le­der­pa­pier ba­siert auf fes­tem Kar­ton­pa­pier.

  • Um das Kar­ton­pa­pier bieg­sam und ge­schmei­dig wie Le­der zu ma­chen, wird ein Ge­misch aus Gly­ce­rin und Was­ser in das Pa­pier ein­mas­siert. Au­ßer­dem färbt sich das Kar­ton­pa­pier da­durch dunk­ler.

It’s ran re­al­ly dark now. It star­ted to be more ben­dy.

sheenad29: Sheena’s Faux Lea­ther Tech­ni­que. youtube.com (03/2015).

  • Im An­schluss wird das nas­se Pa­pier fest zu­sam­men­ge­knüllt und di­rekt da­nach wie­der glatt ge­zo­gen. Durch die­se Maß­nah­me sind vie­le klei­ne Fal­ten ins Kar­ton­pa­pier ge­kom­men.

[...] gent­ly crump­le it into a loo­se ball. [...] Un­crump­le the card­stock and lay it flat.

Strong, Mi­cha­el: Too­led Pa­per Lea­ther. scrapbooking.com (03/2015).

Das Pa­pier sieht von der Fer­ne be­reits aus wie ech­tes Le­der. Durch das Gly­ce­rin fühlt es sich au­ßer­dem schon sehr weich an.

Bild von braunem und gemustertem Lederpapier

Es gibt Le­der­pa­pier, wel­ches mit Auf­dru­cken wie Schmet­ter­lin­gen oder Blu­men ver­ziert ist. Da­bei wird das nas­se Pa­pier ein­fach mit ei­nem der­ar­ti­gen Stem­pel­mo­tiv durch eine Pres­se ge­las­sen. Die in Le­der ty­pi­schen Schat­tie­run­gen kom­men durch Stem­pel­far­be zu­stan­de, die in der Re­gel gleich in meh­re­ren, un­ter­schied­li­chen Farb­tö­nen auf­ge­tra­gen wird. Im An­schluss wer­den die ein­zel­nen Bö­gen ge­trock­net.

  • Da­mit das Le­der­pa­pier was­ser­ab­wei­send wird und schön glänzt, wird es zu gu­ter Letzt mit ei­nem Glanz­lack ver­sie­gelt.

Basteln mit Lederpapier

Bild von kleinen Taschen aus LederpapierDie fle­xi­ble und raue Ober­flä­che er­in­nert ein we­nig an hand­ge­schöpf­tes Pa­pier. Auf­grund der be­son­de­ren Be­hand­lung und weil es Le­der­pa­pier erst ab ei­ner Gram­ma­tur von 120 g/m² gibt, ist das Spe­zi­al­pa­pier je­doch we­sent­lich riss­fes­ter. Durch die­se Be­schaf­fen­heit eig­net sich Le­der­pa­pier be­son­ders als Buch­ein­band oder als Schutz­hül­le für Etuis und Bo­xen.

  • Selbst­ver­ständ­lich kann Le­der­pa­pier ge­nau­so ge­schnit­ten und ge­klebt wer­den wie je­des an­de­re Pa­pier auch.
  • Beim Be­ma­len und Bes­tem­peln gibt das Le­deri­mi­tat die ver­wen­de­ten Far­ben je­doch nur stark ver­än­dert wie­der.

Vorteile des Edelpapiers

Bild von Kuh aus Lederpapier gebasteltMit Le­der­pa­pier ha­ben Bast­ler eine ve­ga­ne Al­ter­na­ti­ve, um ex­klu­si­ve Din­ge in Le­der­op­tik her­zu­stel­len. Durch die un­ter­schied­li­chen Far­ben sind Sie beim Ge­stal­ten auch we­nig ein­ge­schränkt. Dank der ro­bus­ten Ober­flä­che ist es eben­so mög­lich, Ge­brauchs­ge­gen­stän­de zu bas­teln, die nicht so schnell ab­nut­zen. Das Pa­pier ist zu­dem ge­ruchs­neu­tral und fühlt sich beim Ar­bei­ten sehr an­ge­nehm an.

Preise und Fazit

Ein Bo­gen Le­der­pa­pier mit ei­ner Gram­ma­tur von 150 g/m² und ei­ner Ab­mes­sung von 23 x 33 Zen­ti­me­tern, also et­was grö­ßer als DIN A4, kos­tet zir­ka 1,60 Euro. Da­durch ist die­ses Edel­pa­pier nur für ganz be­son­de­re Bas­tel­mo­ti­ve zu emp­feh­len. Wenn Sie be­reits wis­sen, in wel­cher Far­be Ihr zu­künf­ti­ges Mo­tiv ein­mal er­strah­len soll, ach­ten Sie dar­auf nur ein­far­bi­ge Sets zu kau­fen, um Geld zu spa­ren.

Uns ge­fällt am Le­der­pa­pier die Struk­tur am bes­ten. Wenn man auf das Pa­pier blickt, kann man sich schon rich­tig vor­stel­len, ei­nen Schuh oder eine Hand­ta­sche dar­aus zu bas­teln.

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Büttenpapier zum Basteln

Als Mit­te des 15. Jahr­hun­derts der Buch­druck von Jo­han­nes Gu­ten­berg er­fun­den war, ging es dar­um, ein pas­sen­des Pa­pier für die Dru­cker­pres­sen zu fin­den. Das ver­wen­de­te Pa­pier muss­te weich sein, um von den me­tal­li­schen Buch­sta­ben nicht zer­ris­sen zu wer­den. Au­ßer­dem muss­te es gut und schnell Tin­te auf­sau­gen. Die Wahl fiel schnell auf Büt­ten­pa­pier, wel­ches be­reits seit dem 12. Jahr­hun­dert im abend­län­di­schen Raum her­ge­stellt wird. Über 300 Jah­re, bis im 19. Jahr­hun­dert die in­dus­tri­el­le Pa­pier­her­stel­lung be­gann, war Büt­ten­pa­pier das am meis­ten ver­wen­de­te Pa­pier für Druckerzeug­nis­se. Heu­te wird das Pa­pier, wel­ches sei­nen Na­men ei­ner höl­zer­nen Wan­ne (Büt­te) ver­dankt, fast nur noch von Künst­lern und Bast­lern ver­wen­det. Was es mit die­sem ge­schichts­träch­ti­gen Pa­pier auf sich hat und war­um es vor al­lem bei Krea­ti­ven so be­liebt ist, dass er­fah­ren Sie nun.

Bild von zwei Bögen Büttenpapier
Die­ses wei­che, leicht bräun­li­che Pa­pier wur­den be­reits im 12. Jahr­hun­dert in Büt­ten her­ge­stellt.

Besonderheiten von Büttenpapier

Nahaufnahme auf Büttenpapier

Büt­ten­pa­pier ist ein hand­ge­schöpf­tes Pa­pier aus Ha­dern. Ha­der war frü­her das Wort für ab­ge­ris­se­nen Stoff (Lum­pen). Da­bei ist es egal, aus was der Stoff ist. Büt­ten­pa­pier be­steht in der Re­gel aus ei­nem Mix aus Lei­nen, Baum­wol­le oder Hanf. Büt­ten­pa­pier ist also holz­frei­es Pa­pier und ist da­durch we­sent­lich län­ger halt­bar als nor­ma­les Pa­pier aus Zell­stoff. Durch die Ha­dern ist es lang­fa­se­rig und fühlt sich sehr sam­tig an.

Jeder kann Büttenpapier herstellen

Bild von weichem BüttenpapierMen­schen konn­ten Büt­ten­pa­pier be­reits vor fast 1000 Jah­ren her­stel­len, des­halb ist es heut­zu­ta­ge mög­lich, dass je­der sei­nen ei­ge­nen Werk­stoff her­stel­len kann. Dazu wer­den die Ha­dern in Was­ser so lan­ge ge­stampft, bis sich alle Fa­sern auf­ge­trennt ha­ben und die Büt­te voll mit ei­nem Ein­zel­fa­ser­brei ist. Wäh­rend des Stamp­fens, wird im­mer wie­der fri­sches Was­ser nach­ge­gos­sen, um den Weiß­grad des Pa­piers zu er­hö­hen.

  • Im An­schluss wird das Gan­ze mit ei­nem fei­nen Sieb ab­ge­schöpft, zwi­schen zwei Filz­mat­ten ge­legt und ge­presst, bis der Groß­teil des Was­sers ent­fernt ist.
  • Da­nach wer­den die ein­zel­nen Pa­pier­bö­gen zum Trock­nen an der Wä­sche­lei­ne auf­ge­han­gen.
  • Zu gu­ter Letzt wird das Büt­ten­pa­pier glatt ge­bü­gelt und mit ei­nem Leim ver­sie­gelt. Frü­her ver­wen­de­te man da­für Tier­leim (Ge­la­ti­ne), heu­te wer­den Di­sper­si­ons­kleb­stof­fe ver­wen­det.

Auf­grund der vie­len eu­ro­päi­schen Krie­ge zwi­schen dem 18. und dem 19. Jahr­hun­dert gab es ei­nen Ha­dern­man­gel. Dar­auf­hin wur­de 1851 in Eng­land der Zell­stoff von Hugh Bur­gess und Charles Watt er­fun­den und der Grund­stein für die in­dus­tri­el­le Pa­pier­her­stel­lung ge­legt.

In 1851 he and Watt de­ve­lo­ped a pro­cess in which pulp­wood was cut into small chips [...].

The Edi­tors of En­cy­clopæ­dia Bri­tan­ni­ca: Hugh Bur­gess. britannica.com (02/2015).

Basteln mit Büttenpapier

Bild von Lesezeichen aus Büttenpapier
Wie je­der Stoff lässt auch Büt­ten­pa­pier sich sehr schlecht schnei­den und rei­ßen. Für Pa­pier­bast­ler ist es also kein ge­eig­ne­tes Ba­sis­ma­te­ri­al. Die Stär­ken lie­gen ganz klar in der De­ko­ra­ti­on. Des Wei­te­ren lässt sich Büt­ten­pa­pier nur mit flüs­si­gem Kle­ber voll­stän­dig auf ei­nen an­de­ren Un­ter­grund ver­kle­ben.

  • Be­son­ders ge­eig­net ist die­ses Spe­zi­al­pa­pier, um De­ko­ra­ti­ons­tech­ni­ken in Sze­ne zu set­zen. Bei dem Le­se­zei­chen ha­ben wir zum ei­nen mit in­di­schen Holzstem­peln ge­ar­bei­tet. Die Stem­pel tau­chen tief in die Pa­pier­struk­tur ein und hin­ter­las­sen ein her­vor­ra­gen­des Mus­ter.
  • Au­ßer­dem ha­ben wir eine Bü­gel­tech­nik mit Wachs­mal­krei­de auf das Büt­ten­pa­pier ge­brannt. Durch die lan­gen Fa­sern ent­steht so­mit ein sehr ver­we­ge­nes Mus­ter.
  • Ge­ne­rell sind die Rän­der der Pa­pier­bö­gen aus­ge­franst, so­dass sich mit Büt­ten­pa­pier ein rus­ti­ka­ler Look der Bas­tel­mo­ti­ve her­stel­len lässt.

Preise und Fazit

Bild von Glücksschweinchen aus BüttenpapierBüt­ten­pa­pier ist nicht nur ein Name, son­dern ein Qua­li­täts­merk­mal. Hand­ge­schöpf­tes Pa­pier, aus 100% Ha­dern, mit ei­ner Gram­ma­tur von 130 g/m² und ei­ner Ab­mes­sung von 50 x 70 Zen­ti­me­tern kos­tet zir­ka 9,00 Euro. Bei ei­nem solch teu­rem Pa­pier, soll­ten Sie als Bast­ler also schon vor der Be­stel­lung wis­sen, wel­ches Mo­tiv Büt­ten­pa­pier ein­mal ver­edeln soll.

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