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Pumps: Damenschuhe aus Papier basteln – Anleitung

Dominante Frauen mit Ausstrahlung tragen Pumps. Kein Wunder, schließlich wurden geschlossene Halbschuhe mit hohem Absatz eigentlich für männliche Fürsten entworfen. Aus diesem Grund werden Pumps im Englischen auch Hofschuhe (court shoes) genannt. Je höher an den königlichen Höfen der Renaissance der gesellschaftliche Stand eines Mannes war, umso höher durften seine Schuhabsätze sein.

Bild von teuflischer Domina aus Fimo mit hochhackigem Damenschuh aus Papier. Gebastelt von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinWer dem Hochadel angehörte, der konnte somit High Heels tragen, vor denen selbst New Yorker Drag Queens kreischend davonlaufen würden. Hingegen die Füße der Adelsdamen waren seinerzeit mit hohen absatzlosen Plateauschuhen mit durchgehender Sohle geschmückt. Wenn ein spätmittelalterlicher König mit seiner Frau einen Spaziergang machte, war es demzufolge nichts Ungewöhnliches, dass Diener ihre Majestäten für einen sicheren Gang stützen mussten.

The true precursors the Pumps/Court Shoe came from the medieval fashion traditions of the wealthy class of rulers and politicians in Renaissance countries […]. At one point of history, pattens and chopines were so big that wearer had to use help of the servants to walk in them.

Anonymous: History of Pumps/Court Shoes. shoeshistoryfacts.com (02/2017).

Pumps zwingen zu einer aufrechten Körperhaltung und lassen den Träger dadurch selbstbewusst auftreten.

Frauen, die Pumps tragen gelten als sexuell attraktiv und angriffslustig.

Kröll, Fabian: Pumps: Zeitloser Klassiker. erdbeerlounge.de (02/2017).

Collage of Military Pumps out of Paper. Crafted by Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Artist

Dass Pumps erfunden wurden, um Männerkörpern zu schmeicheln wird auch daran ersichtlich, dass vor allem Frauen mit einer eher knabenhaften V-Figur Schuhe mit Absatz tragen sollten. Durch die steile Fußstellung in diesen Schuhen wird die Beinlinie verlängert, was galant von den breiten Schultern und der schmalen Hüfte ablenkt. Für die Herren der Schöpfung waren Pumps zudem Nutzschuhe. Denn mit keinem anderen Schuhwerk konnte man zu Pferde treffsicherer mit Pfeil und Bogen schießen.

The heel helped soldiers’ feet stay put in the stirrups while they shot their bow and arrows.

BuzzFeedYellow: The History Of High Heels. youtube.com (02/2017).

Picture of women shoes for Bushcraft. Created by Veronika Vetter Fine ArtistIm Zeitalter der Aufklärung reduzierte sich die Absatzhöhe und beide Geschlechter trugen Pumps. Währenddessen die Herren den breiten Blockabsatz bevorzugten, waren Damenschuhe mit Pfennigabsätzen bestückt. Vor allem der eitle Sonnenkönig Ludwig XIV. kombinierte gerne weiße Strümpfe mit schneidigen Pumps, die eine rote Sohle und einen roten Absatz hatten. Und damit geistlose Fashion Victims seinen skurrilen Modestil nicht einfach kopierten, durften in Frankreich ausschließlich Mitglieder seines Hofes ebenfalls Schuhe mit roten Absätzen tragen.

In the 1670s, Louis XIV issued an edict that only members of his court were allowed to wear red heels.

Kremer, William: Why did men stop wearing high heels? bbc.com (02/2017).

Bild von sexy Domina aus Modelliermasse zusammen mit Pumps. Hoher Absatz zum Eier treten. Gebastelt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art KünstlerinWährend der Französischen Revolution hängte man mit den Adligen auch gleich Schuhe mit Absatz an den Nagel. Erst als Mitte des 19. Jahrhunderts Shopping zum Hobby wohlhabender Frauen wurde, gab es wieder eine Nachfrage nach Pumps. Die neuen Modelle waren allerdings wesentlich femininer und nur noch für zarte Frauenfüße gemacht. Seitdem haben sich Pumps zur beliebtesten Frauenschuhform aller Zeiten entwickelt.

For almost forty years, heels were not to be found in fashionable Western footwear. By the mid-1800s […] cities such as Paris and New York ushered in an age of promenading, café-going, and window-shopping. […] The high heel, which reappeared at this time, was now seen as a distinctly feminine form of footwear.

Cobban, Anne: High Stepping. allaboutshoes.ca (02/2017).

Bild von Stöckelschuhen mit Camouflagemuster. Selbst gebastelt von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinDie Geschichte der Pumps hat mich beim Basteln sehr beeinflusst. Meine hohen Papierschuhe sollten sehr autoritär und hochmütig sein sowie Sex-Appeal ausstrahlen. Am liebsten wäre es mir, wenn sich devote Fußfetischisten beim Anblick der tyrannischen Damenschuhe vor Schreck das Safeword in Erinnerung rufen würden. Dies wollte ich zum einen dadurch erreichen, indem ich die Pumps mit dem Camouflagemuster der US-Marines (MARPAT Woodland) bemalte. Zum anderen reizte ich die mögliche Absatzhöhe mit neun Zentimetern voll aus. Ab einem Absatz von zehn Zentimetern werden Damenschuhe bekanntlich als Stilettos oder High Heels bezeichnet.

Pumps mit Camouflagemuster aus Papier. Gebastelt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Meine Pumps aus Papier sind 16 Zentimeter lang, 6,5 Zentimeter breit und 13 Zentimeter hoch. Damit Sie diese schicken Schühchen auch bald Ihr Eigen nennen können, erzähle ich Ihnen nun Schritt für Schritt, wie ich meine Exemplare hergestellt habe.

Pumps aus Papier basteln

Bild vom Kleben der Innensohle eines Pumps aus PapierAbgesehen von der Zwischensohle aus Moosgummi, verwendete ich für das gesamte Konstrukt des Damenschuhs Tonpapier. Für die Verzierungen nahm ich zudem ein braunes Satinband zur Hilfe. Hingegen das grüne Camouflagemuster malte ich mit unterschiedlichen Acrylfarben auf. Als Werkzeuge sollten Sie sich außerdem eine Schere, ein Falzbeil samt Lineal, etwas flüssigen Kleber, einen Eyelet-Setter, ein gewöhnliches Feuerzeug und meine DIN A4 Bastelschablonen (#1 /#2 /#3 /#4 /#5 /#6) zurechtlegen.

Hinweis: Selbst die dünnste Stelle des Damenschuhs hat eine Grammatur von 260 g/m², was daran liegt, dass ich sämtliche Einzelteile der Schablonen verstärkt habe. Dazu fertigte ich jedes Element stets zweimal aus Tonpapier an. Anschließend klebte ich alle identischen Stücke symmetrisch aufeinander.

Collage mit Anleitungsschritten: Basteln von grünen Pumps. Schuhquartier und Einlass. Erstellt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Ich begann mit der Innensohle von Schablone #1. Nach dem Verstärken malte ich am Fersenbereich die Schuhgröße 37 als optionales Gimmick auf.

  • Dazu fertigte ich die Stempelvorlage der Schablone an und legte diese auf die Tonpapiersohle. Im Anschluss nahm ich ein Make-up Schwämmchen sowie ein Stempelkissen zur Hand und fuhr damit über die kleinen Aussparungen.
  • Als Nächstes bastelte ich die Seiten des Pumps, die auch als Quartier bezeichnet werden. Dafür fertigte ich die beiden Elemente von Schablone #2 jeweils zweimal aus Tonpapier an. Wichtig: Vor dem Verstärken stanzte ich in zwei der vier Einzelteile kleine Löcher (siehe Schablone) mithilfe meines Eyelet-Setters ein.
  • Nachdem ich die Knick- und Klebelinien der beiden präparierten Seitenelemente gefalzt hatte, klebte ich diese links und rechts an der Sohle fest. Hinweis: Damit sich beide Einzelteile auch exakt gegenüberlagen, legte ich nochmals die Sohlenvorlage von Schablone #1 auf die Tonpapiersohle, um die beiden hinteren Klebepunkte leichter ausfindig machen zu können.

Die Rückseite des Pumps wird auch Einlass genannt und befindet sich auf Schablone #3. Auch hier stanzte ich vor dem Verstärken zehn kleine Löcher in die obere Tonpapierseite. Nach dem Falzen knickte ich das Element leicht in der Mitte und verschloss damit im Anschluss den hinteren Sohlenbereich.

Maskuline Damenschuhe durch breite Schuhspitze

Damit meine Pumps nicht allzu feminin aussehen, habe ich das sogenannte Schuhblatt und die Vorderkappe verhältnismäßig breit gestaltet. Die Elemente dafür befinden sich auf Schablone #4. Zuallererst fertigte ich wieder sämtliche Einzelteile der Bastelvorlage aus Tonpapier an. Daraufhin stanzte ich in die Außenseite des Schuhblatts sechs kleine Löcher ein und verstärkte erst einmal nur dieses Element.

  • Wichtig: Nach dem Falzen der Knick- und Klebelinien brachte ich nur die innere Verstärkung der Vorderkappe am bereits fertiggestellten Schuhblatt an.

Bild von breiter Spitze eines PapierpumpsDieses Konstrukt klebte ich dann gleich darauf vorne an der Innensohle fest. Mit der übrig gebliebenen Außenseite der Vorderkappe verkleidete ich nun sämtliche Klebelaschen der Schuhspitze. Tipp: Um die relativ scharfe Papierkante am Übergang zwischen Schuhblatt und Vorderkappe abzumildern, fuhr ich einige Male mit einem feinen Schleifpapier (Körnung 1000) darüber.

Military Pumps haben massiven Trichterabsatz

Das Basteln des Schuhabsatzes ist der schwierigste Teil des gesamten Motivs. Direkt beim Zurechtschneiden der Einzelteile von Schablone #5 musste ich darauf achten, dass beim trichterförmigen Element die Außenseite gleichzeitig die Laufsohle ist.

Collage mit Anleitungsschritten: Hohen Absatz für Papierschuhe basteln. Erstellt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Dementsprechend verwendete ich für dieses Stück, ein mit punkten geprägtes braunes Tonpapier.

Bild vom Schuheinlass grüner Damenpumps aus PapierAn der Unterseite des trichterförmigen Einzelteils klebte ich daraufhin das kleine sternförmige Element fest. Dabei war es wichtig, dass die braune Laufsohle nach außen zeigte. Für die Absatzrückseite brachte ich im Anschluss das größte Teil von Schablone #5 an der bisherigen Absatzkonstruktion an. Den damit fertiggestellten Trichterabsatz befestigte ich dann mit voranstehenden Klebelaschen unten an der Innensohle.

  • Zu guter Letzt kaschierte ich noch die unschönen Zacken, indem ich den Verkleidungsbogen hinten über die Verbindungsstelle zwischen Absatz und Schuheinlass klebte.

Bild von Unterseite eines grünen PapierpumpsAuch wenn der Absatzschuh nun schon als solches zu erkennen war, fehlten noch Teile der Laufsohle. Diese befinden sich auf Schablone #6. Beide Elemente der Vorlage fertigte ich einmal aus Moosgummi und einmal aus meinem geprägten Tonpapier an. Zuallererst klebte ich meine beiden Moosgummizwischensohlen unten auf die Innensohle und auf den Absatzboden. Abschließend verkleidete ich das Ganze mit dem gepunkteten Tonpapier.

Große Schuhmacherkunst durch feine Ziernähte

Zur Veredelung der Papierschuhe nahm ich ein dunkelbraunes Satinband zur Hilfe. Als Erstes verkleidete ich damit sämtliche Übergangskanten. Dadurch bekam der Absatzboden und der gesamte Sohlenbereich eine markante Silhouette. Als weitere Besonderheit schnitt ich mir aus dem Satinband eine feine Ziernaht zurecht. Das dünne Band zog ich daraufhin einmal ringsum durch die gestanzten Löcher in der Nähe der Schaftabschlusskante. Die Enden der Naht klebte ich in den hinteren Löchern des Einlasses fest.

  • Tipp: Beim Schneiden des Satinbands fiel mir auf, dass der Stoff zum Ausfransen neigt. Deshalb verödete ich das Band zunächst mithilfe der Flamme eines Feuerzeugs, bevor ich es am Papierschuh befestigte.

Picture of beautiful ladies high heel with Camouflage pattern for ball crushingNach dem Veredeln meines Absatzschuhs malte ich ein Camouflagemuster auf. Aufgrund dessen, dass meine Pumps eine dunkelgrüne Außenseite hatten, musste ich mir lediglich schwarze, braune und beigefarbene Acrylfarbe zurechtlegen. Nach dem Bemalen legte ich mein Bastelmotiv für circa zwei Stunden zum Trocknen. Tipp: Um die Farben mit dem Papier und dem Satinband verschmelzen zu lassen, besprühte ich meine Schühchen als Finish noch mit einem matten Acryllack.

Fazit: Das Basteln von Schuhen befeuert weibliches Verlangen

Meine dominanten Damenschuhe sind ein mittelschweres Motiv. Zum Anfertigen eines Paares benötigte ich gut und gerne sechs Stunden reine Bastelzeit. Ich finde es schade, dass Ursula von der Leyen während ihrer Amtszeit als Verteidigungsministerin im Kabinett Merkel III nie solche Pumps getragen hat.

Bild von Tarnfleck Pumps mit hohem Absatz. Gebastelt von Veronika Vetter Fine Art KünstlerinWie ist es bei Ihnen? Schauen Sie sich auch manchmal einfach nur so Ihre Schuhe an? Mir geht es bei meinen sechs Paar Pumps so. Fast noch wie neu liegen meine Absatzschuhe im Originalkarton auf einem Schrank. Obwohl ich wenig Gelegenheit habe meine wertvollsten Besitztümer auszuführen, könnte ich ständig neue Pumps kaufen. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber als ich beim Entwerfen dieser Papierschuhe war, flogen echte Military Pumps aus Leder wie von Geisterhand in den Warenkorb meines Lieblingsonlineshops. Sie nicht zu kaufen war wohl das Schwerste, was ich bis zu diesem Zeitpunkt tun musste. Vor allem da mein Schuhkontingent noch lange nicht ausgereizt ist.

So fand eine britische Studie heraus, dass eine durchschnittliche, erwachsene Frau nicht mehr als 40 Paar Schuhe besitzt.

Sascha: Schuhe zum Ausmalen – Rätselspiele für Kinder. gws2.de (02/2017).

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Kamin aus Papier basteln – Anleitung

Kennen Sie den entscheidenden Unterschied zwischen dem großen bösen Wolf und dem Weihnachtsmann? Letzterer lässt sich auch durch ein Feuer im Kaminofen nicht davon abhalten, über den Schornstein in ein Haus zu gelangen. So können selbst die drei kleinen Schweinchen jedes Jahr an Heiligabend ihre Socken am Kamin aufhängen, um vom Weihnachtsmann beschenkt zu werden, ohne dabei ihr Schutzfeuer löschen zu müssen.

Santa Claus is real and the fire in a stove will not prevent him delivering presents.

Bagan, Sue: Is Santa Claus Real? woodburningstoveslimited.com (12/2016).

Bild von Weihnachtsstern auf Kamin aus Papier. Gebastelt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art KünstlerinWissen Sie eigentlich, warum die Menschen in angelsächsischen Ländern an Weihnachten Socken an den Kamin hängen? Vor langer Zeit soll es einmal einen armen, britischen Witwer gegeben haben, der drei heiratsfähige Töchter hatte. Weder war es dem guten Mann möglich seine Kindlein ausreichend zu versorgen, noch konnte er eine Mitgift für zukünftige Schwiegersöhne bezahlen. Der Legende nach stieg deshalb eines Nachts der Heilige Sankt Nikolaus in das Haus des Witwers ein und erblickte daraufhin Socken, welche die Töchter am Abend zum Trocknen aufgehängt hatten.

Diese füllte der freundliche Weißbart kurzerhand mit Goldmünzen auf. Von da an stellten die Töchter jedes Jahr in derselben Nacht Kekse und Milch vor die Tür, um ihrem Retter in der Not zu danken.

Diese bemerkten die nun gut versorgten Töchter am nächsten Morgen und dankten Sankt Nikolaus damit, indem sie jedes Jahr in der besagten Nacht Kekse und Milch zu dessen Stärkung vor die Tür stellten.

Vetter, Veronika: Socken aus Papier für den Nikolaus basteln. gws2.de (12/2016).

Collage von Socken für den Weihnachtsmann am Kamin mit Backsteinmuster. Erstellt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Im Jahre 1822 griff der Amerikaner Clement Clarke Moore diese alte Geschichte auf und schrieb seiner Familie ein Gedicht namens “A Visit from St. Nicholas”.

When all through the house not a creature was stirring, not even a mouse; the stockings were hung by the chimney with care, in hopes that St. Nicholas soon would be there.

Marshall, Nancy H.: The Poem. nightbeforechristmas.biz (12/2016).

Ein Jahr später wurde das lyrische Werk am 23. Dezember unter dem Namen “The Night Before Christmas” in New Yorker Zeitungen veröffentlicht. Dadurch gewann der Brauch seine Socken an Weihnachten an den Kaminofen zu hängen auch außerhalb des Britischen Weltreichs an Bedeutung.

Bild von Künstlerin Veronika Vetter mit ihrem Werk

Damit der Weihnachtsmann kommen, und etwas in aufgehängte Socken hineinlegen kann, benötigt ein Haus einen Kamin und einen Schornstein. Vielleicht waren die Kelten vor der Christianisierung deshalb so kriegerisch, da sie weder das eine noch das andere besaßen. Lange Zeit lebten die Menschen in ebenen Hütten, in deren Mitte Tag und Nacht ein offenes Feuer brannte. Im Strohdach war ein kleines Loch, um den Rauch abziehen zu lassen. Im Winter und wenn es regnete, wurden die Holzhütten allerdings komplett verschlossen, wodurch sich diese in stickige Räucherkammern verwandelten.

Saxon huts did not have chimneys. They had fire pits in the center of the room and a hole in the roof […]. In the winter, then, people lived and worked in smoke-filled rooms, […].

Woodbury, Sarah: The Invention of the Chimney. sarahwoodbury.com (12/2016).

Bild von Fimo Weihnachtsmann auf einem Kamin mit Socken. Gebastelt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art KünstlerinImmer wenn es etwas zu verschenken gibt, ist der Adel nicht weit. Vielleicht begann deshalb der britische Hochadel spätestens im 12. Jahrhundert damit, seine Schlösser mit Kaminöfen (englisch stoves) und Schornsteinen (englisch chimneys) auszustatten. Bis weit in das 16. Jahrhundert hinein blieben diese simplen Ausstattungsmerkmale allerdings der Oberschicht vorenthalten. Wer unter Elisabeth I. ein reicher Kaufmann war oder dem niederen Adel angehörte, dem wurden als besondere Ehre oftmals weibliche Gäste einquartiert. Die Bedingung dafür war allerdings, dass das Herrenhaus über Räume verfügte, in denen ein warmer Kamin mit Anschluss zu einem Schornstein stand.

The origin of chimneys, designed to carry smoke out of the dwelling, remains unclear, but it is unlikely that chimneys were constructed in Europe prior to the twelfth century. […] Chimneys were widely adopted by the upper-classes during Tudor England. Under Queen Elizabeth I female guests might be sent to neighbors who could afford rooms with chimneys.

Butler, Orville R.: Smoke Gets in Your Eye: The Development of the House Chimney. ultimatehistoryproject.com (12/2016).

Der gemeine Pöbel lebte indessen weiterhin in stinkenden Räucherkammern.

Bild von beleuchtetem Papierkamin. Gebastelt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art KünstlerinDass die Entwicklung bis zu vollständig beheizten Häusern jahrhundertelang dauern musste, wird jedem klar, der auch heutzutage noch mit einem Holzkaminofen heizt. Denn wer einfach Holzscheite und Zeitungspapier in seinem Ofen anzündet, der sieht nach wenigen Minuten so aus wie Knecht Ruprecht. Am wichtigsten ist nämlich, dass der Kamin zieht. Das geschieht allerdings nur, wenn die Luft im Schornstein wärmer und damit leichter als die Außenluft ist. Hingegen bei zu starkem Auftrieb verbrennt das Feuerholz in kürzester Zeit, ohne dabei die Raumtemperatur nachhaltig zu steigern.

When the air controls are open fully and the door is closed, the new fuel will ignite within two to three minutes.

fireplacespecialist: How to increase the efficiency of your woodburning stove. youtube.com (12/2016).

Diese Schwierigkeiten bereitet mein Kamin aus Papier nicht. Der macht zwar auch nicht warm, sorgt aber mit der richtigen elektrischen Beleuchtung für eine absolut heimelige Raumatmosphäre.

Bild von Kamin aus Papier basteln. Geschaffen von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Mein Papierkamin ist 26,5 Zentimeter lang, 18,5 Zentimeter breit und 26,5 Zentimeter hoch. Zu den Besonderheiten des prächtigen Stücks zählt nicht nur eine ansprechende Holzoptik, sondern auch ein Backsteinmuster. Dieses sieht zum einen sehr elementar aus und fühlt sich zum anderen genauso rau wie Naturstein an.

Kamin basteln – die Grundform

Bild von braunen TonpapierplattenFür das stämmige Grundgerüst des dreidimensionalen Kaminofens verwendete ich Tonpapier in fünf verschiedenen Farben. Zum Auffüllen der Hohlräume nahm ich des Weiteren gewöhnliches Styropor zur Hilfe. Das Backsteinmuster kam durch Modellierpaste, Malerkrepp und eine geringe Auswahl an Acrylfarben zustande. Als Werkzeuge sollten Sie sich zudem

Bild vom Verstärken des Tonpapierseine Schere, ein scharfes Bastelmesser, verschiedene Pinsel, einen Spachtel, ein Falzbeil samt Lineal, einen Bastelkleber auf Wasserbasis und einen flüssigen Haushaltskleber zurechtlegen. Die Bauteile des Kamins befinden sich auf meinen DIN A4 Bastelschablonen (#1 /#2 /#3 /#4 /#5 /#6 /#7 /#8 /#9 /#10 /#11 /#12 /#13 /#14 /#15 /#16 /#17 /#18 /#19 /#20 /#21 /#22 /#23 /#24 /#25 /#26).

Hinweis: Ich habe sämtliche Tonpapierelemente der Schablonen doppelt angefertigt und identische Einzelteile symmetrisch aufeinandergeklebt. Diese Verstärkung saugt nicht nur Bastelflüssigkeiten besser auf, sondern trägt auch ungemein zur Stabilität des offenen Kamins bei.

Bild von weißer Bodenplatte aus Papier für einen offenen KaminIch begann mit der Bodenplatte, auf welcher der Kamin später steht. Aufgrund der Größe musste ich dafür diverse Schablonen zunächst verlängern. Dazu schnitt ich Schablone #1 und Schablone #2 zurecht und klebte beide Vorlagen an der Markierung A mithilfe von Klebeband aneinander. Aus dem daraus entstandenen Element fertigte ich mir gleich darauf die Bodenplatte aus zwei Lagen weißem Tonpapier an.

  • Direkt im Anschluss nahm ich ein scharfes Bastelmesser zur Hilfe und schnitt die Einschnitte (siehe Schablonen) zum Einstecken der Kaminwände frei.

Bild von braunen, tragenden Seitenwände aus PapierAls Nächstes fertigte ich von Schablone #3 die tragenden Seitenwände an. Immer wenn ich nach dem Verstärken und Falzen ein Wandelement fertiggestellt hatte, steckte ich es in die weiße Bodenplatte. Die Klebelaschen der Wände bestrich ich darauffolgend mit Kleber und knickte diese auf der Bodenplattenrückseite um. Somit waren die tragenden Wände fest im Boden verankert.

  • Im nächsten Schritt bastelte ich das innere Mauerwerk, welches ich am Ende mit einer Backsteinoptik versah. Dazu fertigte ich zunächst einmal alle Einzelteile der Schablonen #4 – #6 aus hellgrauem Tonpapier an.

Collage vom Basteln des Mauerwerks für einen Papierkamin. Erstellt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Mit den Teilen von Schablone #4 verstärkte ich von innen die tragenden Seitenwände. Das Element von Schablone #5 klebte ich vorne in die Mitte, und als ich mit der grauen Rückwand von Schablone #6 die beiden Seitenpfeiler verband, sah das Ganze bereits wie eine kleine, massive Burg aus.

Damit aus der flachen Bodenplatte eine stabile, dreidimensionale Marmorplatte wurde, musste ich zunächst einmal die Seitenverkleidungen von Schablone #7 und Schablone #8 aus weißem Tonpapier anfertigen. Hinweis: Bei manchen Einzelteilen war es nötig, die Vorlagen aufgrund der Überlänge zu verlängern. Nachdem ich die Verkleidungen an der Bodenplatte angeklebt hatte, schnitt ich mir eine Styroporplatte zurecht, die exakt den Hohlraum des gesamten Kaminbodens auffüllte.

  • Wichtig: Bei diesem Schritt gewann ich die Erkenntnis, dass mein flüssiger Haushaltskleber das Styropor zum Schmelzen brachte. Deshalb musste ich hierfür auf weißen Bastelkleber auf Wasserbasis zurückgreifen.

Um die Marmorplatte abzuschließen, verlängerte ich Schablone #9 mit Schablone #10 an der Markierung D. Aus der daraus entstandenen Vorlage fertigte ich mir anschließend die untere Bodenverkleidung aus weißem Tonpapier an. Diese klebte ich dann einfach auf die Styroporplatte.

Decke des Kaminofens – mehr als eine Abstellfläche

Bild vom Verankern der oberen Wandklebelaschen am ersten DeckenelementBeim Entwerfen des Kamins habe ich mich teilweise am Dativius-Victor-Bogen orientiert, was meiner Meinung nach an der Kaminofendecke besonders zum Vorschein kommt. Um auch die oberen Klebelaschen der Wände verankern zu können, fertigte ich Schablone #11 und Schablone #12 an. Nach dem Verlängern, Falzen und Einschneiden, fädelte ich das Element über die Wandklebelaschen und befestigte diese daran. Hinweis: Die Außenlaschen an den Seiten klappte ich nach innen ein und verklebte diese mit sich selbst.

Collage vom Aufbau der Kaminofendecke aus Papier. Angelehnt an ein altrömisches Tor. Erstellt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Als Nächstes verkleidete ich die Klebelaschen der aufgestellten Oberseite. Dazu verlängerte ich Schablone #13 mit Schablone #14. Aus der Vorlage schnitt ich mir dann ein großes Tonpapierelement zurecht, welches ich oben auf den Kamin klebte. Gleich danach dichtete ich die aufgestellte Abdeckung innen an den Seiten mit Styroporstreifen ab. Auch die Deckenmitte beklebte ich mit zwei Streifen aus Styropor, die genauso hoch wie die Seitenstreifen waren.

  • Auf das Styropor klebte ich im Anschluss das Einzelteil, welches ich aus der Schablone #15 und Schablone #16 angefertigt hatte. Wichtig: Beim Einschneiden der Stecklinien war ich sehr vorsichtig und gewissenhaft, damit die Marmorblende auch kerzengerade steht.
  • Besagte Blende befindet sich auf Schablone #17. Währenddessen ich die langen Seiten zunächst verlängern musste, klebte ich die kurzen Seiten nach dem Falzen einfach in die Einschnitte am Boden.

Bild vom Verankern der MarmorblendeAuch im zweiten Stockwerk dichtete ich wieder die Seitenwände und die Mitte mit Styroporstreifen ab. Um auch die oberen Klebelaschen der Marmorblende verankern zu können, verlängerte ich Schablone #18 mit Schablone #19. Nach dem Präparieren fädelte ich den Boden des letzten Stockes über die Klebelaschen und befestigte diese daran. Die Außenlaschen knickte ich wieder nach innen und verklebte diese mit sich selbst.

Zum Aufbauen des dritten Kaminstockwerks wiederholte ich die vorangegangenen Bastelschritte erneut.

Collage vom Aufbauen des obersten Kaminstockwerks. Angefertigt von Veronika Vetter Fine Art Künstlerin

Die letzten Schablonen stellen folgende Elemente bereit:

  • #20/#21: Bodenplatte zur Verkleidung der oberen Klebelinien.
  • #22/#23: Schräge Seitenverkleidung des obersten Stockwerks.
  • Nach diesen Schablonen habe ich sämtliche Hohlräume in der Kamindecke mit Styropor aufgefüllt.
  • #25/#26: Oberste Deckenplatte, um das Styropor zu verkleiden.

Backsteinoptik aus Papier erzeugen – so geht’s

Bild eines abgeklebten Steinmusters im PapierkaminAuch als mein Papierkamin schon als solcher zu erkennen war, ließ ich den Bauhelm noch auf, denn das Einziehen der roten Backsteinwand erforderte einen Spachtel und Modellierpaste. Zunächst klebte ich allerdings wie ein Malerlehrling im ersten Lehrjahr die graue Steinwand mühevoll ab. Dafür nahm ich handelsüblichen Malerkrepp zur Hilfe. Wichtig: Auf die Rückwand des Kamins klebte ich ebenfalls ein Backsteinmuster auf.

Als Nächstes bestrich ich die einzelnen Backsteine großzügig mit Modellierpaste und ließ das Ganze anschließend für eine Stunde trocknen.

Collage mit Anleitung, die zeigt, wie ein Backsteinmuster auf Papier dargestellt wird. Erstell von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Sobald die Modellierpaste angetrocknet war, begann ich mit den Malerarbeiten. Zunächst bemalte ich die Wände mit roter Acrylfarbe. Direkt im Anschluss setzte ich mit schwarzer Acrylfarbe Akzente. Den Anstrich ließ ich für circa 15 Minuten trocknen, ehe ich den Malerkrepp abnahm und mich daraufhin prächtige Backsteinwände anstrahlten.

Noble Nussbaumholzoptik und Veredelung der Marmorplatte

Um die tragenden Seitenwände und die Kaminofendecke mit einer Holzoptik zu versehen, schnitt ich zunächst einmal braune Tonpapierstreifen in unterschiedlichen Breiten zurecht. Im Anschluss bestrich ich eine Außenwand nach der anderen mit weißem Bastelkleber auf Wasserbasis und legte meine Tonpapierstreifen auf. Als die Papierholzstücke aufgeklebt waren, bestrich ich diese großzügig von oben mit dem Bastelkleber, sodass diese von beiden Seiten benetzt waren. Danach legte ich den Kamin für circa 30 Minuten zum Trocknen.

  • Zu guter Letzt bemalte ich meine Holzstücke mit dunkelbrauner Acrylfarbe. Gleich darauf zog ich zudem noch eine Maserung mithilfe von schwarzer Acrylfarbe ein. Hinweis: Als Kontrast gestaltete ich die Zwischenbalken um die Marmorblende etwas dunkler.

Nach diesen Schritten ist der Papierkamin sehr feucht, weshalb ich das Motiv für 24 Stunden zum Trocknen stellen musste, bis ich die Marmorplatte am Boden vollenden konnte.

Collage mit Anleitung, die zeigt, wie eine Marmoroptik auf Papier dargestellt wird. Erstellt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Am nächsten Tag erzeugte ich auf allen weißen Flächen des Kamins eine Marmoroptik. Dazu mischte ich zunächst weiße Acrylfarbe mit silberner Acrylfarbe im Verhältnis 10:1. Damit grundierte ich zuallererst die Marmorplatten.

  • Als Nächstes zog ich eine Maserung auf die Flächen ein. Dafür mischte ich weiße Acrylfarbe mit silberner Acrylfarbe im Verhältnis 8:1.
  • Im letzten Schritt malte ich mithilfe eines Holzspießes kleine Risse auf. Die dafür nötige dunkelgraue Farbe mischte ich mir wieder aus weißer und silberner Acrylfarbe im Verhältnis 3:1. Außerdem akzentuierte ich die Flächen noch mit weißen Highlights.

Als mir das Marmormuster endgültig gefiel, musste der Kamin noch einmal für zwei Stunden gut trocknen. Danach konnte ich endlich meine Socken für den Weihnachtsmann daran aufhängen.

Fazit zum stilvollen Adventskamin aus Papier

Picture of Santa Claus Stove with Firewood. Crafted by Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine ArtistBis der Kamin in dieser Form vor mir stand, vergingen gut und gerne drei Wochen, die ich mit Zeichnungen und Modellbauten verbrachte. Das Basteln selbst nahm drei Tage in Anspruch. Günter Loose könnte der Text für das Lied “Marmor, Stein und Eisen bricht” beim Lieben vor solch einem Kamin eingefallen sein. Für mich ist dieser kleine Kamin eine geniale Adventsdekoration und ein kleiner Trost, bis ich mir irgendwann einen echten, prasselnden Kaminofen in mein Zuhause einbauen lassen kann.

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Eule basteln – so geht’s

Wer eine Eule basteln möchte, der muss sich erst einmal überlegen, welche Art es denn sein soll. Alleine in Europa gibt es 13 Eulenarten, die alle eine eigene spezielle Charakteristik besitzen. Da gibt es zum Beispiel die besonders possierliche Zwergohreule, die einschüchternde Sperbereule und den skeptischen Steinkauz. Wer wie ich jedoch – die Eule – basteln möchte, der entscheidet sich zwangsläufig für einen mystischen und majestätischen Uhu (englisch European eagle owl). In der folgenden Bildanleitung erkläre ich Ihnen, warum das so ist und wie ich meinen imposanten Uhu gebastelt habe.

Bild von bayerischer Papiereule, die auf einem Ast sitztFürchten Sie sich vor Schlangen, Fledermäusen und Krähen? Dann sollten Sie die Nähe von Uhus suchen, denn alles was in Horrorfilmen Angst erzeugt, wird von den Raubvögeln gejagt und ratzeputz aufgefressen. Generell sind Uhus unerschrockene Eulen, die weder die Nacht noch den Menschen fürchten und ausgewachsen keine Fressfeinde haben. Besonders fasziniert mich an Uhus, dass diese echte Familienvögel sind. Sobald sich ein Paar gefunden hat, bleibt es ein Leben lang zusammen.

Hat sich ein Uhu Paar während der Balz gefunden, bleiben sie ein Leben lang zusammen.

Brodowski, Gerhard: Der Uhu. brodowski-fotografie.de (11/2016).

Bild von selbst gebastelter Eule, die auf einem braunen Papierast sitztZudem sind Junguhus nach dem Verlassen des Nestes nicht gleich auf sich alleine gestellt. Rund drei Monate suchen die Großvögel noch den regelmäßigen Kontakt zu ihren Geschwistern und Eltern. Bei diesen Familientreffen plaudern die Uhus dann über die vergangenen Geschehnisse, während sie einen kleinen Imbiss zu sich nehmen. Generell sind diese Eulen sehr verfressen und ständig auf der Suche nach Beute. Eine vierköpfige Uhufamilie bestehend aus zwei Eltern und zwei Jungvögeln verschlingt im Jahr circa 200 Kilogramm Fleisch.

So eine Uhufamilie frisst immerhin rund 200 Kilogramm im Jahr.

Hinz, Joachim: Uhus – Neubürger ohne Lebensraum? youtube.com (11/2016).

Uhus sind bei der Jagd allerdings nicht besonders wählerisch, selbst Igel und kleinere Eulenarten gehören zu ihrem Speiseplan.

Bild einer majestätischen Eule im WaldAufgrund des selbstbewussten Auftretens des Uhus und seiner imposanten Erscheinung hatten die Menschen lange Zeit große Angst vor diesem tollkühnen Zeitgenossen. Nach dem Märchen “Die Eule” fand das erste Aufeinandertreffen zwischen Uhu und Homo sapiens ein tragisches Ende. Der mysteriöse Vogel erschrak die Einwohner einer kleinen Stadt dermaßen, dass sie ihn als Ungeheuer bezeichneten, gegen das selbst der tapferste Mann nichts ausrichten konnte.

Nun war keiner mehr übrig, der sich in die Gefahr hätte begeben wollen. »Das Ungeheuer,« sagten sie, »hat den stärksten Mann, der unter uns zu finden war, durch sein Gnappen und Anhauchen allein vergiftet und tödlich verwundet […].

Grimm, Jacob und Wilhelm: Kinder- und Hausmärchen. München: Wilhelm Heyne Verlag 1977.

Collage vom besonderen Gefieder des Uhus gebastelt von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Am Ende der Geschichte wussten sich die Stadtbewohner nicht mehr anders zu helfen, als den Uhu in einer Scheune, in der er sich versteckte, einzusperren und das Gebäude niederzubrennen.

Bild von den Augen eines UhusWohl aus diesem Grund blieb dem Uhu nichts anderes übrig, als sich bei anderen menschlichen Außenseitern wie Zauberern und Hexen aufzuhalten. Besonders im Frühmittelalter wurden Eulen immer mit etwas Mystischem und Bösem verbunden. Lange Zeit dachte man, dass Dämonen die Gestalt dieser Vögel annehmen, um in der Nacht unbemerkt Hexen aufzusuchen. Die enge Verbindung zwischen Magiern und Eulenvögeln wurde demnach auch des Öfteren in Filmen gezeigt. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Eule Archimedes aus dem Disneyfilm “Merlin und Mim”.

The owl has always been associated with death, sorcery and the dark side of life. In the Middle Ages, demons or familiars in the forms of owls or crows […].

Mastin, Luke: Witchcraft Terms and Tools – Animals. witchcraftandwitches.com (11/2016).

Bild von der Rückseite eines Bubos aus Papier auf einem AstAuch heutzutage gibt es auf der Erde noch Regionen, in denen Eulen keine gern gesehenen Gäste sind. In Malawi beispielsweise werden Eulen als das Böse geächtet. Sollte sich einmal ein Vogel in einer Scheune einnisten, muss der Besitzer diesen umgehend loswerden, um nicht als Hexendoktor aus der Dorfgemeinschaft verbannt zu werden.

Any Malawian who is known to have Barn Owls living in their quarters is considered to be a Witch Doctor or practicing witchcraft.

Born Free Foundation: Barn owls and witchcraft. bornfree.org.uk (11/2016).

Wie Sie sehen, sind Eulen unheimlich facettenreich. Dies habe ich versucht, in meinem selbst gebastelten Uhu widerzuspiegeln.

Bild von selbst gebastelter Eule aus Papier von Veronika Vetter (DAoCFrEak) Fine Art Künstlerin

Mein gravitätisches Federvieh sitzt auf einem Ast aus Pappmaché und ist 27 Zentimeter lang, 17 Zentimeter breit und 26 Zentimeter hoch.

Bastelanleitung für Eule

Bild von Element für die EulenaugenFür den anmutigen Flattermann verwendete ich Tonpapier in den Farben Weiß und Schwarz. Außerdem kamen drei unterschiedliche Brauntöne sowie zwei Grautöne dieser Papiersorte zum Einsatz. Die beiden großen Eulenaugen modellierte ich aus Fimo Modelliermasse. Zudem nahm ich für den Ast und die Füße den Karton einer leeren Küchenrolle, Zeitungspapier, Kleister und Wasser zur Hilfe.

Das Camouflagemuster der Flügel erzeugte ich mit Wassermalfarben. Den dichten Federbauch bemalte ich hingegen mit schwarzer, brauner und goldener Acrylfarbe. Als Werkzeuge sollten Sie sich außerdem eine Schere, viel flüssigen Kleber, ein Falzbeil samt Lineal, ein Pinselset und meine DIN A4 Bastelschablonen (#1 /#2 /#3 /#4 /#5 /#6) zurechtlegen.

Bild von Grundgerüst von Eulenkopf aus PapierIch begann mit der Vorderseite des runden Kopfes und damit mit Schablone #1. Hinweis: Alle Einzelteile der Schablonen habe ich immer zweimal angefertigt und aufeinandergeklebt. Diese Technik garantiert, dass die Eule am Ende besonders stabil ist. Nachdem ich also alle Elemente von Schablone #1 dementsprechend angefertigt hatte, falzte ich zunächst sämtliche Knick- und Klebelinien.

Bild von vier Bastelelemente für den EulenkörperIm Anschluss wölbte ich die beiden Augenscheiben leicht trichterförmig und fixierte das Ganze mit Kleber. Daraufhin klebte ich diese beiden Augenhöhlen an der gezackten Klebelinie des mittleren Kehlenelements fest. Danach brachte ich zwischen den Augen den Hinterkopfstreifen von Schablone #2 an. Zu guter Letzt klebte ich die restlichen vier Halselemente der beiden Schablonen sowie die großen Augenbrauen an und hatte damit das Grundgerüst des Eulenkopfes bereits fertiggestellt.

Bild vom Zusammenkleben der Einzelteile zu einem ZylinderDas Basteln des sechseckigen Eulenkörpers war sogar noch um einiges einfacher. Dazu fertigte ich mir alle Elemente der Schablone #3 und #4 in unterschiedlichen Brauntönen an. Die sechs Einzelteile klebte ich daraufhin zu einem dickbauchigen Zylinder zusammen. Danach war es endlich so weit und ich konnte Kopf und Körper miteinander verbinden.

Markantes Gefieder der Eule durch Schneidetechnik

Bild vom Bekleben der Augenpartie der Eule mit einem mehrfarbigen FransenmusterDamit mein Uhu lebendig aussieht, entschied ich mich für verschiedene Schneidetechniken um das Gefieder darzustellen. Für die Augenpartie schnitt ich mir aus meinen Tonpapierfarben zunächst Streifen zurecht. Die meisten davon waren 2,5 Zentimeter lang und ungefähr 1,5 Zentimeter breit. Mithilfe einer Schere schnitt ich meine Papierstreifen zur Hälfte ein und erzeugte schmale Fransen.

Einkleben der Fimo Augen in den Eulenkopf Mit den kleinen Elementen beklebte ich anschließend von außen nach innen die Augenhöhlen. Hinweis: Die weißen Papierstreifen unterhalb des Schnabels, den ich aus schwarzem Tonpapier anfertigte, waren ungefähr 4 Zentimeter lang. Auch die Rückseite meiner orangefarbenen Fimo Augen beklebte ich mit weißen Fransen, ehe ich diese mit viel flüssigem Kleber in den Augenhöhlen befestigte.

Bild von brauner Papiereule mit GefiederHingegen für den restlichen Kopf und den gesamten Eulenkörper schnitt ich mir kleine Schuppen zurecht. Ich entschied mich dazu die Kopfschuppen 0,5 Zentimeter breit zu schneiden, die Körperschuppen fertigte ich in einer Breite von 1,5 Zentimetern an. Wichtig: Besonders am Kopf und am Hals haben Uhus kein einheitliches Gefieder, ich achtete deshalb darauf, immer wieder andersfarbige Schuppen einzumischen.

Einzigartige Eulenflügel in Tarnfarben

Bild von fünf rehbraunen Tonpapierteilen für die EulenflügelDie gemusterten Flügel der Eule bestehen aus insgesamt fünf verstärkten Elementen, die sich auf den Schablonen #5 und #6 befinden. Sie bedecken sowohl die Seiten als auch den Rücken des Vogels. Nach dem Falzen der Einzelteile klebte ich diese zunächst an den seitlichen Klebelaschen zusammen, sodass das Flügelgerüst von alleine stehen konnte.

Im Anschluss nahm ich ein scharfes Bastelmesser und schnitt den Körper der Eule fünfmal ein (siehe Schablone #3 und #4). Daraufhin nahm ich mein Gerüst und klebte es in die Einschnitte. Im nächsten Schritt fertigte ich das Federkleid der Flügel an. Dazu schnitt ich mir aus weißem Tonpapier unterschiedlich große Federn aus. Die Papierfedern bemalte ich mit brauner, beigefarbener und schwarzer Wasserfarbe. Nach dem Trocknen schnitt ich diese mit der Schere fransig ein.

Bild vom Ankleben der Papierfedern an das Flügelgerüst der EuleAls Nächstes klebte ich meine Federn senkrecht auf das rehbraune Flügelgerüst. Hinweis: Den Übergang von Halspartie zum Flügel bedeckte ich mit vielen kleinen Federn, die ich nach demselben Prinzip angefertigt hatte. Mein Uhu war danach bereit für Schönheitskorrekturen. Zum einen verstärkte ich das Tarnmuster der Flügel mithilfe meiner Wasserfarben, um die Übergänge zwischen den einzelnen Federn zu verwischen. Zum anderen akzentuierte ich die Bauchschuppen mit goldener, schwarzer und brauner Acrylfarbe.

Selbst gebastelte Eule sitzt auf Ast aus Pappmaché

Bild vom Bemalen eines Astes aus PappmachéBisher war das Basteln meines Uhus wahrlich eine Si­sy­phus­ar­beit. Aus diesem Grund entschied ich mich dafür, die Füße und den Ast etwas gröber aus Pappmaché anzufertigen. Dazu rührte ich mir zunächst Kleister an und riss altes Zeitungspapier in kleine Stücke. Anschließend nahm ich einen Karton einer leeren Küchenrolle zur Hand und baute mir daraus einen Ast aus dem mit Kleister durchtränkten Zeitungspapier.

Bild von den Füßen eines Uhus, der auf einem Ast sitztZudem rollte ich mir ebenso sechs Würste für die Eulenfüße, die ich direkt auf dem Ast befestigte. Das Ganze ließ ich daraufhin für 24 Stunden gut austrocknen. Am nächsten Tag bemalte ich den Ast mit meinen Acrylfarben und ließ ihn nochmals für zwei Stunden trocknen. Zu guter Letzt ritzte ich die Füße mithilfe eines Bastelmessers an, sodass ich noch schwarze Tonpapierkrallen einkleben konnte. Danach war die Unterseite meines Bastelmotivs fertiggestellt und ich klebte den Körper des Uhus so auf den Ast, dass er genau auf den Füßen saß.

Fazit zum flauschigen Uhu aus Papier

Bild von einer Eule im HerbstlaubVom Reißbrett bis zum Uhu auf dem Ast habe ich circa zwei Wochen benötigt, wobei die reine Bastelzeit ungefähr drei Tage in Anspruch nahm. Mir ging es besonders darum, das wahnsinnig tolle Muster des Gefieders nachzubauen, was mir an meiner Eule wirklich sehr gut gefällt. Generell war der Entstehungsprozess dieses technisch anspruchsvollen Bastelmotivs sehr befriedigend für mich. Am Anfang war das fast nackte Küken, welches schlussendlich durch intensive Fürsorge langsam zum prächtigen Raubvogel herangewachsen ist.

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