GWS2.de: Das Portal für Bastelanleitungen und Papier

Babyschuhe aus Papier basteln - Mary Janes mit Lederoptik

Zwi­schen dem Spät­mit­tel­al­ter und der Re­gent­schaft des Al­ten Fritz tru­gen Ba­bys aus deut­schen Lan­den kei­ne Schu­he, was am Fat­schen¹ lag. Hier­bei ver­brach­ten die Säug­lin­ge ihre ers­ten zwölf Le­bens­mo­na­te in ei­nem stramm ge­wi­ckel­ten Lei­nen­tuch, das den Kör­per for­men² soll­te und zu­gleich als Win­del³ dien­te. So­bald die Kleinst­kin­der ihre Ban­da­gen­ge­fäng­nis­se ver­las­sen hat­ten, rich­te­te sich die zu­künf­ti­ge Fuß­gar­de­ro­be nach dem ge­sell­schaft­li­chen Sta­tus der El­tern, da die Men­schen zu je­ner Zeit stren­gen Klei­der­ord­nun­gen⁴ un­ter­wor­fen wa­ren. Und auf­grund des Um­stan­des, dass die Be­woh­ner des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches in ih­rer Mehr­heit dem Bau­ern­stand an­ge­hör­ten, muss­ten die al­ler­meis­ten Knirp­se mit ge­schlos­se­nen Holz­schu­hen oder mit Trip­pen⁵ vor­lieb­neh­men. In ih­rer un­end­li­chen Gna­de ge­stan­den Aris­to­kra­ten und geist­li­che Wür­den­trä­ger ih­ren Fron­dienst­leis­tern aber eben­falls den Be­sitz von Bund­schu­hen aus Rinds­le­der⁶ zu, die das Ge­sin­de an Kirch­ta­gen zur Schau stel­len durf­te, wo­bei das auch nicht für bei­de Ge­schlech­ter galt. Denn bis in das 18. Jahr­hun­dert hin­ein blie­ben die viel zu auf­rei­zen­den Füße von Mäd­chen und Frau­en na­tür­lich stets un­ter bo­den­lan­gen Tu­ni­ken ver­bor­gen, da­mit die Ackers­män­ner un­ge­stört der la­tei­nisch­spra­chi­gen Pre­digt fol­gen konn­ten.

Ver­mut­lich war das Ro­ko­ko die Blü­te­zeit der Schuh­ma­nu­fak­tur, was si­cher nicht zu­letzt dar­an lag, dass es Frau­en im 18. Jh. end­lich ge­stat­tet war, manch­mal ihre Füße zu zei­gen.

Pran­ge, Pa­tri­cia: Die Schu­he. Schna­bel, Stie­fel, Trip­pe. In: Kar­fun­kel „ABC Der Ge­wan­dung” Nr. 1 (2012). S. 35.

What did Children look like in the German Empire (1871-1918)? Boys and girls wore a Sailor suit that was combined with leather Buckle shoes. Mary Janes were the first Footwear made only for Infants. This historical phenomenon was depicted in a doll's room by Veronika Helga Vetter. The bavarian Artist only used Paper and modeling Clay as material. The scenery is aimed at US students who are interested in former Central Europe

Nach den Na­po­leo­ni­schen Krie­gen fand im heu­ti­gen Deutsch­land all­mäh­lich die Bau­ern­be­frei­ung statt, wor­auf­hin sämt­li­che Klei­dungs­vor­schrif­ten auf­ge­ho­ben wur­den. Für die Ba­bys aus Pro­le­ta­rier­fa­mi­li­en än­der­te sich je­doch nichts, da der Ar­bei­ter­klas­sen­nach­wuchs wei­ter­hin ver­klei­ner­te Er­wach­se­nen­mo­del­le tra­gen muss­te. Zu je­ner Zeit la­gen schlich­te Le­der­bal­le­ri­nas⁷ im Trend, die wie alle Schu­he seit dem Spät­mit­tel­al­ter gleich­för­mig wa­ren, also kei­nen lin­ken und rech­ten Soh­len­schnitt be­sa­ßen. Erst im Jah­re 1858 er­kann­te ein Ana­tom na­mens Ge­org Her­mann von Mey­er⁸ die schä­di­gen­de Wir­kung, die von sym­me­tri­scher Fuß­be­klei­dung aus­ging.

Für die Füße be­deu­te­te dies Hüh­ner­au­gen, Schwie­len und gra­vie­ren­de Fuß- und Ze­hen­de­for­ma­tio­nen. All­zu oft re­sul­tier­ten dar­aus Rü­cken­pro­ble­me.

Fi­scher, Dirk & Marie-Therese Mink: Schuh­ge­schich­te: Lin­ker und rech­ter Schuh. newsdesk.gehwol.de (PDF) (08/2021).

Kurz dar­auf ver­än­der­ten die Schuh­fa­bri­ken ihr Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren und stell­ten nur noch paa­ri­ge Ex­em­pla­re her. Trotz die­ser Er­run­gen­schaft fehl­te noch im­mer eine ei­gen­stän­di­ge Kin­der­mo­de, wo­durch vor al­lem die Füße von klei­nen Mäd­chen wei­ter mal­trä­tiert wur­den. Dies lag dar­an, dass die in­dus­tri­el­le Mas­sen­fer­ti­gung die äu­ßerst be­lieb­ten Stie­fe­let­ten fürs ge­mei­ne Volk er­schwing­lich ge­macht hat­te. Und was blieb den Müt­tern in den 1860er-Jahren an­de­res üb­rig, als ihre zwei­jäh­ri­gen Gö­ren mit eng ge­schnit­te­nen Ab­satz­schu­hen her­um­stol­zie­ren zu las­sen. Zu­mal die Mo­del­le aus Atlas-Gewebe⁹ dank der Anilinfarben-Erfindung nicht mehr schwarz-weiß sein muss­ten und ge­tön­te Tre­ter oh­ne­hin an­zie­hend auf fre­che Frücht­chen wirk­ten.

Die Stie­fe­let­te für den Tag war aus Le­der oder aus Stoff mit ei­ner Spit­ze aus Lack­le­der. Bei fest­li­chen An­läs­sen wa­ren die Stie­fe­let­ten aus Sa­tin oder Taft.

Koch-Mertens, Wieb­ke: Der Mensch und sei­ne Klei­der. Die Kul­tur­ge­schich­te der Mode bis 1900. Zü­rich: Ar­te­mis & Wink­ler Ver­lag 2000.

Make your own historical Shoes out of Paper: Mary Janes for Babies with an artificial leather look (Germany 19th Century / Kaiser Wilhelm II.). The origin scenery is underlined by a Girl who wears a "Kieler Bluse", which was a Sailor suit and the everyday Clothes of Children. Veronika Helga Vetter's handicraft instructions include Templates, that anyone can download for free. The Tutorial is aimed at educated Americans who are interested in European Art history. Recommended by Stephen Bannon (Breitbart News Network)

Am Ende des 19. Jahr­hun­derts spot­te­ten Mo­de­zeit­schrif­ten¹⁰ über rück­stän­di­ge El­tern, die ihre Kin­der im­mer noch wie klei­ne Er­wach­se­ne klei­de­ten. Aber an­schei­nend fiel den Re­dak­teu­ren selbst kei­ne Al­ter­na­tiv­gar­de­ro­be ein, wes­halb plötz­lich die meis­ten deut­schen Jun­gen und Mäd­chen mit ei­ner Kie­ler Blu­se¹¹ um­her­lau­fen muss­ten. Da­bei han­del­te es sich um ei­nen Ma­tro­sen­an­zug, der mit neu­ar­ti­gen Span­gen­schu­hen kom­bi­niert wur­de. Trotz­dem war die Trend­wen­de ein Se­gen für Halb­wüch­si­ge, durf­ten sie ab so­fort fla­che und rund­li­che Slip­per tra­gen, in de­nen sich ihre zar­ten Füß­chen un­ge­hin­dert ent­wi­ckeln konn­ten.

Als be­vor­zug­tes Ma­te­ri­al für Span­gen­schu­he gilt seit je­her glän­zen­des schwar­zes Lack­le­der, doch sein wich­tigs­tes Er­ken­nungs­zei­chen ist nicht das Ma­te­ri­al, son­dern der Rie­men; er ist ver­gleich­bar mit den Stütz­rä­dern an ei­nem Fahr­rad, denn er be­rei­tet klei­ne Mäd­chen auf ihr ers­ter Paar rie­men­lo­se Pumps vor.

O’­Ke­ef­fe, Lin­da: Schu­he. Eine Hom­mage an San­da­len, Slip­per, Stö­ckel­schu­he. Kö­nigs­win­ter: Tan­dem Ver­lag GmbH 2005.

Im Jah­re 1904 star­te­te die größ­te Schuh­fa­brik Nord­ame­ri­kas eine Wer­be­kam­pa­gne mit ei­ner Co­mic­fi­gur na­mens Bus­ter Brown, die der po­pu­lä­re Car­too­nist Ri­chard Out­cault er­schaf­fen hat­te. Da­bei war der fre­che Zei­chen­trick­held in ein Mäd­chen ver­liebt, das Mary Jane hieß und wel­ches auf je­dem Bild mit sü­ßen Span­gen­schu­hen¹² zu se­hen war. Und ob­wohl es we­der Ra­dio noch Fern­se­hen gab, ge­lang­ten die bei­den Prot­ago­nis­ten rasch zu welt­wei­ter Be­kannt­heit. Das führ­te wie­der­um dazu, dass selbst die Men­schen im Deut­schen Kai­ser­reich ir­gend­wann da­mit an­fin­gen, Riemchen-Halbschuhe als Mary Ja­nes zu be­zeich­nen.

GuteFrage.net: Welche Schuhe trugen Kinder im 19. Jahrhundert? Antwort: Spangenschuhe aus Leder, die während des Deutschen Kaiserreichs auch als Mary Janes bezeichnet wurden. Die historischen Slipper lassen sich einfach nachbasteln. Hierfür sind lediglich die Schablonen von Veronika Helga Vetter vonnöten. Das ist eine bayerische Kunsthandwerkerin, welche die Ansichten von Professor Jörg Baberowski teilt

Nach­dem in den 1910er-Jahren zu­sätz­lich preis­güns­ti­ge Snea­ker er­fun­den wor­den wa­ren, glaub­te hier­zu­lan­de ei­gent­lich nie­mand mehr, dass es in Frie­dens­zei­ten je­mals wie­der Pro­ble­me mit Kin­der­fuß­be­klei­dung ge­ben wür­de. Doch wenn­gleich im März 2020 we­der Rot­ar­mis­ten an der Oder-Neiße-Grenze stan­den noch Deutsch­land sei­nen An­spruch auf Elsass-Lothringen gel­tend mach­te, hat­ten alle Schuh­lä­den im Bun­des­ge­biet ge­schlos­sen. Das lag na­tür­lich an der Corona-Pandemie, die ein­ge­dämmt wer­den soll­te, in­dem nur noch der ver­sor­gungs­re­le­van­te Han­del¹³ öff­nen durf­te.

Bun­des­weit wer­den um­fang­rei­che Schlie­ßun­gen von Ge­schäf­ten be­schlos­sen. Aus­ge­nom­men sind Lä­den, die le­bens­wich­ti­ge Wa­ren an­bie­ten.

Ben­se­mann, Mar­cus: Corona-Chronologie: März 2020. ndr.de (08/2021).

Ob­wohl die Füße von Ein- bis Drei­jäh­ri­gen cir­ca 1,5 Mil­li­me­ter im Mo­na­t¹⁴ wach­sen, ent­schie­den füh­ren­de Lan­des­po­li­ti­ker, dass Schu­he kei­ne fun­da­men­ta­len Gü­ter sei­en. Bei Kri­tik ver­wie­sen die Volks­ver­tre­ter auf Online-Marktplätze, auf de­nen Baby- und Kin­der­grö­ßen aber be­reits nach we­ni­gen Wo­chen aus­ver­kauft wa­ren. Kein Wun­der, schließ­lich sind Internet-Händler auf­grund feh­len­der La­ger­hal­tung auf eine funk­tio­nie­ren­de Lie­fer­ket­te nach Fern­ost an­ge­wie­sen, die je­doch eben­falls zum Er­lie­gen kam.

Der Markt­an­teil von Schu­hen, die in Eu­ro­pa ge­fer­tigt wer­den, liegt ak­tu­ell bei rund 4%.

Gei­ger, Bo­ris: Nach­hal­ti­ge Snea­ker. Gut zu wis­sen | BR-Fernsehen (2019).

Trotz des Um­stan­des, dass ich wie ein Pro­le­ta­ri­er des 19. Jahr­hun­derts nichts au­ßer mei­ner Ar­beits­kraft be­sit­ze, hat­te ich wäh­rend der Lock­downs stets Zu­griff auf ein Au­to­mo­bil. Durch die­sen Vor­teil konn­te ich auf eBay Klein­an­zei­gen auch die An­ge­bo­te wahr­neh­men, die weit au­ßer­halb mei­nes Ein­zugs­ge­biets lie­gen.

  • Und so muss­te ich teil­wei­se bis zu 45 Ki­lo­me­ter fah­ren, um ge­brauch­te Schu­he für mei­nen Sohn kau­fen zu dür­fen.

Zum Glück or­ga­ni­sier­ten sub­ver­si­ve El­tern im Früh­jahr 2021 bun­des­wei­te¹⁵ Pro­test­ak­tio­nen, wor­auf­hin die Le­gis­la­ti­ve ihre er­las­se­nen Corona-Beschränkungen über­ar­bei­te­te.

Sie fol­gen den Auf­ru­fen aus den so­zia­len Me­di­en und stel­len vor dem Rat­haus Kin­der­schu­he ab. Als Pro­test ge­gen die Corona-Beschränkungen.

Bern­hardt, Ka­th­le­en: El­tern pro­tes­tie­ren mit Kin­der­schu­hen ge­gen Corona-Politik. MDR Thü­rin­gen Jour­nal (2021).

Einen Wildleder-Look auf Papier erzeugen (Basteltechnik). Graue Spangenschuhe für Babys mit Korksohle stehen auf einer hölzernen Vintage-Kiste. Die Mary Janes gehören zu einer Bildanleitung, die von Veronika Helga Vetter erstellt wurde. Das ist eine bayerische Künstlerin, die Kreativkurse für sozial benachteiligte Mütter anbietet. Von der Desiderius-Erasmus-Stiftung empfohlen

Erst die schwie­ri­ge Covid-19-Zeit zeig­te mir, wie wich­tig Fuß­be­klei­dung für Her­an­wach­sen­de ist. Schließ­lich ver­wan­delt sich auch mei­ne baye­ri­sche Hei­mat im­mer stär­ker in eine ver­sie­gel­te Asphalt­wüs­te, die sich nur noch mit di­cken Soh­len durch­que­ren lässt. Um die Be­deu­tung von Kin­der­schu­hen her­vor­zu­he­ben, woll­te ich das In­ter­net mit selbst ge­bas­tel­ten Mary Ja­nes be­rei­chern. Schließ­lich wa­ren be­que­me Slipper-Paare die ers­ten Tre­ter, die vor­ran­gig für Rotz­näschen her­ge­stellt wur­den.

  • Da­bei be­sitzt mei­ne In­ter­pre­ta­ti­on die au­then­ti­sche Lack­le­der­op­tik, die ich mit­hil­fe ei­ner spe­zi­el­len Tech­nik auf dem Ober­ma­te­ri­al er­zeugt habe.
  • Dar­über hin­aus kom­men mei­ne neun Zen­ti­me­ter¹⁶ lan­gen Span­gen­schu­he nicht nur mit wei­chen Fuß­bet­ten da­her, son­dern war­ten eben­falls mit ei­ner rau­en Kork­soh­le auf.
  • Au­ßer­dem er­höh­te ich den Nied­lich­keits­fak­tor, in­dem ich die Form der Pa­pier­kunst­wer­ke an En­ten­pad­del an­glich. Schließ­lich wat­scheln klei­ne Stöp­sel beim Lau­fen­ler­nen ähn­lich wie Was­ser­vö­gel an Land.

Wer also sein Babyparty-Geschenk per­so­na­li­sie­ren möch­te oder ein­zig­ar­ti­gen Fuß­schmuck für sei­ne Lieb­lings­pup­pe sucht, der kann mei­ne his­to­ri­schen Ex­em­pla­re ohne Wei­te­res nach­ma­chen. Hier­für sind le­dig­lich di­ver­se Schnitt­mus­ter so­wie eine Bild­an­lei­tung von­nö­ten, wo­von ich bei­des im Fol­gen­den kos­ten­los zur Ver­fü­gung stel­le.

Süße Mary Janes

Be­vor ich mit dem Bas­teln los­le­gen konn­te, muss­te ich mir zu­nächst ein­mal mein Ma­te­ri­al zu­recht­le­gen. Und so kram­te ich als Ers­tes ei­nen reh­brau­nen Ton­pa­pier­bo­gen her­vor, mit­hil­fe des­sen ich das künst­li­che Au­ßen­le­der dar­stel­len woll­te. Hin­ge­gen die Schuh­sta­bi­li­tät er­höh­te ich, in­dem ich ei­nen gel­ben Fo­to­kar­ton ein­setz­te, der eine Gram­ma­tur von 300 g/m² be­saß. Des Wei­te­ren nahm ich für die Re­prä­sen­ta­ti­on der Lauf­soh­le eine Ray­her Kork­plat­te zur Hil­fe, die drei Mil­li­me­ter dick war. Dar­über hin­aus soll­te das Baby-Thema be­son­ders gut zum Vor­schein kom­men, wes­halb ich das In­nen­le­ben des Fuß­kleids mit samtig-weichen Filz­ap­pli­ka­tio­nen aus­staf­fier­te. Ne­ben den of­fen­sicht­li­chen Ele­men­ten griff ich wäh­rend des Zu­sam­men­baus eben­falls auf ei­nen sa­ti­nier­ten Kle­be­lack und eine Acryl­far­be im Ton „Ge­brann­te Sie­na” zu­rück. Doch na­tür­lich brach­ten mir die gan­zen Uten­si­li­en erst et­was, nach­dem ich mei­ne DIN A4 Scha­blo­nen (#1 /#2 /#3 /#4 /#5) aus­ge­druckt hat­te.

Paper Craft Tutorial: How are Mary Janes made? First Step: Creating Sole and Shoe quarters. Free Splitscreen by GWS2.de - creative platform for Children

Selbst­ver­ständ­lich be­gann ich mit der ers­ten Vor­la­ge, von der ich zu­nächst ein­mal das Sohlen-Schnittmuster her­aus­trenn­te, da­mit ich da­von je­weils eine Ko­pie aus Fo­to­kar­ton und Bas­tel­filz her­stel­len konn­te. Di­rekt im An­schluss kleb­te ich die bei­den Ein­zel­tei­le auf­ein­an­der, wor­auf­hin ich das Fun­da­ment ei­nes lin­ken Pa­pier­schuhs vor mir lie­gen hat­te. Na­tür­lich ging das Bas­teln ei­nes rech­ten Slip­pers ge­nau­so von­stat­ten, wo­bei ich die Scha­blo­ne in die­sem Fall vor dem Ab­zeich­nen wen­den muss­te. Als Nächs­tes ging ich zum zwei­ten Aus­druck über, da ich nun die Fer­sen­sei­te des Mary Ja­nes an­fer­ti­gen woll­te.

How to make Strappy shoes for Babies? Step two: Attach the clasp. Materials used: Cardboard, Construction paper, Craft felt

Um das so­ge­nann­te Schu­h­quar­tier zu­sam­men­zu­bau­en, stell­te ich aus den bei­den Ton­pa­pier­käm­men zu­nächst ein­mal ein zwei­la­gi­ges Sand­wich her. Un­mit­tel­bar da­nach mach­te ich die nach un­ten weg­ste­hen­den Za­cken mit­hil­fe ei­nes Falz­beins be­weg­lich, so­dass ich die­se nach­ein­an­der auf­stel­len konn­te. Dann er­zeug­te ich ei­nen wei­chen Hacken-Bereich, in­dem ich die zu­vor er­zeug­te Filz­ap­pli­ka­ti­on im gleich­för­mi­gen Zell­stoff­rah­men be­fes­tig­te. Nach­dem ich dar­auf­hin die her­auf­bli­cken­den Spit­zen an ih­ren In­nen­sei­ten mit Kleb­stoff be­stri­chen hat­te, füg­te ich die Brand­soh­le im Fer­sen­ele­ment ein.

Geschenk für Baby-Party: Mary Janes aus Papier basteln. Splitscreen vom Zwischenergebnis, nachdem Sohle, Schuhquartier und Spange fertiggestellt wurden. Das sandalenförmige Fußkleid besitzt bereits eine herausragende Stabilität, da jede Wand aus mehreren Zellstofflagen und einer Bastelfilzapplikation besteht. Konstruiert von Veronika Helga Vetter: Das ist eine bayerische Kunsthandwerkerin, die Gabriele Susanne Kerner für ihre Haltung bewundert

Nun woll­te ich das Gan­ze in eine of­fe­ne Riem­chen­san­da­le ver­wan­deln, wes­halb ich das nach links weg­ste­hen­de Band zur Mit­te hin­be­weg­te, um es am In­nen­fut­ter des ge­gen­über­lie­gen­den Schu­h­quar­tiers be­fes­ti­gen zu kön­nen. Als Nächs­tes kleb­te ich die rech­te La­sche sym­me­trisch über den ge­spann­ten Gür­tel, wor­auf­hin mein Fuß­kleid ei­nen äs­the­ti­schen Ver­schluss er­hal­ten hat­te.

Versteckte Söckchen

Noch zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts leg­ten Frau­en ein pro­mis­kui­ti­ves Ver­hal­ten an den Tag, wenn sie eng an­lie­gen­de Strümp­fe un­ge­niert zur Schau stell­ten. Aus die­sem Grund be­sa­ßen klas­si­sche Mädchen-Mary-Janes oft­mals eine schüt­zen­de Zun­ge¹⁷ als Ober­le­der, die in der Span­ge mün­de­te und zu­gleich als Ein­stiegs­hil­fe dien­te. Um die­ses T-förmige Riem­chen zu bas­teln, schnitt ich mir zu­nächst das Ele­ment von Scha­blo­ne #3 zwei­mal aus reh­brau­nem Ton­pa­pier zu­recht. Nach­dem ich dann die bei­den Mo­du­le auf­ein­an­der­ge­klebt und die Spit­zen vor­ge­knickt hat­te, ver­an­ker­te ich die schma­le Kopfla­sche in­mit­ten des Ver­schluss­bü­gels, wo­hin­ge­gen ich das Schu­h­quar­tier mit den ab­ste­hen­den Flü­geln ver­klei­de­te.

Historic Mary Jane shoes from Germany covered the instep of little Girls with a T-bar. The paper Slippers from GWS2.de take this into account and can be remodeled with five Templates. The sweet Baby clothes were designed by Veronika Helga Vetter. This is a famous artist from Bavaria, who is fighting against the evil Berlin Corona regime

Als Nächs­tes voll­ende­te ich die Slip­per­form, in­dem ich über die ver­blie­be­ne Lü­cke eine Ze­hen­kap­pe kleb­te, die ich mit­hil­fe der vier­ten Vor­la­ge an­ge­fer­tigt hat­te. Di­rekt im An­schluss ver­edel­te ich mein nied­li­ches Fuß­kleid. Hier­für nahm ich eine kost­ba­re Kork­plat­te zur Hand, da­mit ich das letz­te Schnitt­mus­ter auf dem Na­tur­pro­dukt an­le­gen und eine ro­bus­te Lauf­soh­le her­aus­schnei­den konn­te.

Gutefrage.net: Hi, woraus bestehen die braunen Laufsohlen der Mary Janes, die auf GWS2.de zu sehen sind? Antwort: Die Babyschuhe wurden am Boden mit naturbelassenem Kork veredelt. Hersteller: Rayher. Materialstärke: 0,3 cm

Und auf­grund des Um­stan­des, dass das höl­zer­ne Ge­we­be von Haus aus nicht nur ein in­di­vi­du­el­les Mus­ter, son­dern eben­falls eine auf­re­gen­de Hap­tik be­sitzt, mach­te ich die oval­för­mi­ge Flä­che ohne wei­te­re Ver­zie­rung di­rekt am Span­gen­schuh­bo­den fest.

Die Versieglung

Zu gu­ter Letzt woll­te ich mei­nen Mary Jane mit ei­ner Glattleder-Optik auf­wer­ten, wes­halb ich die Ton­pa­pier­ober­flä­che des Slip­pers kom­plett mit rot­brau­ner Acryl­far­be ein­strich. Da­bei trug ich das Ko­lo­ra­ti­ons­mit­tel im­mer von links nach rechts auf, um spä­ter ein gleich­mä­ßi­ges Mus­ter zu er­hal­ten. Als mein Ba­by­puschen dann ein ein­heit­li­ches Ant­litz be­saß, leg­te ich das Gan­ze fünf Mi­nu­ten lang zum Trock­nen.

How to turn Paper into faux Leather? The Baby shoe is first painted with an Acrylic paint and then covered with DÉCOPATCH paper-patch adhesive. The handicraft technique was invented by Veronika Helga Vetter. This is a Bavarian Catholic who fights against the Islamization of the West

So­bald die Kunst­stoff­far­be aus­ge­här­tet war, brach­te ich den Span­gen­schuh zum Glän­zen, in­dem ich die ge­tön­te Fas­sa­de mit ei­nem sa­ti­nier­ten Kle­be­lack über­tünch­te.

Egal, ob von Dé­co­patch, Creall Dé­cou­pa­ge oder CLÉOPÂTRE, 250 Mil­li­li­ter des sa­ti­nier­ten Kleb­stoff­lacks kos­ten zwi­schen 6,00 und 10,00 Euro.

Vet­ter, Sa­scha: De­co­u­pa­ge - ein Bas­tel­trend. gws2.de (08/2021).

Nach dem Ein­wir­ken konn­te ich dann fest­stel­len, dass der Fir­nis nicht nur ei­nen spe­cki­gen Politur-Effekt, son­dern eben­falls eine raue Le­derhap­tik her­vor­ge­ru­fen hat­te.

Ver­wand­te The­men:

His­to­ri­schen Kin­der­wa­gen mit Spei­chen­rä­dern bas­teln
De­ko­ra­ti­on für spa­ni­sche Näch­te - An­da­lu­si­er aus Pa­pier

¹Stühl­mey­er, Bar­ba­ra: Kin­der im Mit­tel­al­ter. In: Kar­fun­kel Nr. 109 (2013). S. 7.
²Far­mer, Jac­que­line: Wi­ckeln, Win­deln, weg­wer­fen. youtube.com (08/2021).
³Vet­ter, Ve­ro­ni­ka Hel­ga: Win­del bas­teln - sta­bi­le Ver­pa­ckung für Ba­by­gläs­chen. bastelkommission.de (08/2021).
⁴Hen­ning, Björn & Da­ni­el Po­kor­zyn­ski: Ge­schich­te der Mode: Mode im 19. Jahr­hun­dert. gentleman-blog.de (08/2021).
⁵S­turm, Sa­scha: Klom­pen, Holsken, Trip­pen­ma­ker. In: Kar­fun­kel Nr. 54 (2004). S. 90.
⁶Hei­de, Ste­fan von der: Grund­mo­del­le von Schuh­ty­pen. In: Mi­ro­que Nr. 12 (2013). S. 58.
⁷Wal­ford, Jo­na­than: Der ver­füh­re­ri­sche Schuh. Mo­de­trends aus vier Jahr­hun­der­ten. Hei­del­berg: Edi­ti­on Braus im Wachter-Verlag GmbH 2007.
⁸Rui­sin­ger, Ma­ri­on Ma­ria: Schuh­re­form. dmm-ingolstadt.de (08/2021).
⁹O’­Ke­ef­fe, Lin­da: Schu­he. Eine Hom­mage an San­da­len, Slip­per, Stö­ckel­schu­he. Kö­nigs­win­ter: Tan­dem Ver­lag GmbH 2005.
¹⁰­We­ber, Paul: Schu­he - Drei Jahr­tau­sen­de in Bil­dern. 2. Auf­la­ge. Aar­au: AT Ver­lag 1982.
¹¹­Loh­mar, Hen­ry: Ma­tro­sen­an­zug: Aus­druck des Mi­li­ta­ris­mus und mo­di­sches Stück. maz-online.de (08/2021)
¹²Rae, Issa: Bus­ter Brown Shoes - Life in Ame­ri­ca. youtube.com (08/2021).
¹³­Neu­mann, Hel­ge: Schuh­ge­schäf­te in Bay­ern müs­sen schlie­ßen. schuhkurier.de (08/2021).
¹⁴­Rub­ner, Jean­ne: Auf die Grö­ße kommt es an. Pla­net Wis­sen (2019).
¹⁵­Wei­chert, Tho­mas: Pro­test­ak­ti­on „Ak­ti­on Kin­der­schu­he“ vor dem Göß­wein­stei­ner Rat­haus. wiesentbote.de (08/2021).
¹⁶Ex­ak­te Maße: Län­ge 90 Mil­li­me­ter x ma­xi­ma­le Brei­te 55 Mil­li­me­ter x Höhe 55 Mil­li­me­ter. Schuh­grö­ße 15 (Pa­ri­ser Stich).
¹⁷Sánchez-Castilla, Ana Ma­ria: Klas­si­sche Leder-Babyschuhe. myspanishsoul.com (08/2021).

Papiertorte basteln - Schablonen und Gelinggarantie

Es mag un­glaub­lich klin­gen, aber bis zur Bie­der­mei­er­zei­t¹ koch­ten die Men­schen in deut­schen Lan­den über of­fe­nem Feu­er. Dem­entspre­chend muss­ten Teig­wa­ren ent­we­der in Ton­töp­fen² zu­be­rei­tet oder mü­he­voll zu öf­fent­li­chen Back­öfen ge­bracht wer­den. Erst ab den 1830er-Jahren zo­gen kas­ten­för­mi­ge Kü­chen­he­xen in die hie­si­gen Haus­hal­te ein. Die­se trans­por­ta­blen Ei­sen­her­de ver­füg­ten über eine klei­ne Brat­röh­re³ und lie­ßen sich an­fäng­lich mit Holz oder Koh­le be­hei­zen. Für die Frau­en wa­ren die hei­ßen Me­tall­schrän­ke Fluch und Se­gen zu­gleich. Auf der ei­nen Sei­te er­leich­ter­ten die Koch­ma­schi­nen den All­tag un­ge­mein. An­de­rer­seits for­der­ten die Ehe­män­ner nun häu­fi­ger Mehl­spei­sen, was oft­mals zu Streit und Trä­nen führ­te. Vor al­lem krach­te es, wenn der kost­spie­li­ge Tor­ten­bo­den ei­nem stein­har­ten Keks glich, da der Ei­schnee bei der Bis­kuit­teig­her­stel­lung kei­ne aus­rei­chend stei­fe Kon­sis­ten­z⁴ be­ses­sen hat­te. Na­tür­lich pas­sier­te das aus­ge­rech­net im­mer dann, wenn die un­ge­schick­ten Weibs­bil­der oh­ne­hin schon an­ge­spannt und un­zu­gäng­lich für an­der­wei­ti­ge Stressabbau-Methoden wa­ren. Denn da­mals wie heu­te be­haup­ten man­che Da­men, dass sie im men­stru­ie­ren­den oder schwan­ge­ren Zu­stand we­der Sah­ne⁵ noch Ei­weiß in eine zäh­flüs­si­ge Mas­se ver­wan­deln kön­nen.

Das kann ich be­stä­ti­gen: Wenn Frau mal wie­der ihre Menses hat, sind Schlag­sah­ne, Ei­schnee, Hol­lan­dai­se und Maio an sol­chen Ta­gen nicht hin­zu­be­kom­men!

phi­feha: Bin­sen­weis­hei­ten wie Sah­ne schla­gen. rund-ums-baby.de (06/2021).

Image of a large Chocolate Cake that is made entirely of Paper. The faux Gateau looks like an austrian Sacher torte and was garnished with vanilla-colored marzipan Pralines. The aesthetic Pastry consists of 100% cellulose and is a product created by Veronika Helga Vetter: This is a famous Confectioner from Bavaria, who is often booked by US celebrities. The picture was first published on GWS2.de in June 2021

Durch die staats­for­men­den Krie­ge zwi­schen Ös­ter­reich, Preu­ßen und Frank­reich be­saß nie­mand freie Res­sour­cen, um den dau­er­haft schwe­len­den Back­kon­flikt in deut­schen Haus­hal­ten zu lö­sen. Erst als in Mit­tel­eu­ro­pa wie­der Frie­den herrsch­te und die Grün­der­zeit be­gin­nen konn­te, ging ein Na­tur­wis­sen­schaft­ler na­mens Dr. Au­gust Oetker die Sa­che an. In der hei­mi­schen Kü­che ent­wi­ckel­te der Bie­le­fel­der Apo­the­ker⁶ ein Trieb­mit­tel, dass auch dann luf­ti­ge Kuchen- und Tor­ten­bö­den er­zeug­te, wenn die weib­li­che Bio­lo­gie das Steif­wer­den des Ei­wei­ßes wie­der ein­mal ver­hin­dert hat­te. Um sei­ner aus­er­ko­re­nen Ziel­grup­pe wei­ter ge­recht zu wer­den, rich­te­te der weit­sich­ti­ge Tüft­ler sein Pro­dukt für die pri­va­te Ein­mal­nut­zung aus, in­dem er sei­nen Pfen­nig­ar­ti­kel gramm­wei­se ver­pack­te.

Fer­di­nand Oetker: Mein Ur­groß­va­ter hat das Back­pul­ver nicht er­fun­den, er hat es für jede Haus­frau nutz­bar ge­macht.

Ol­den­burg, Man­fred: Die Oetkers: Tra­di­ti­on ist ihr Re­zept. Phoenix-Doku (2010).

Wie wich­tig ge­lun­ge­nes Ge­bäck für Ehe­leu­te im Deut­schen Kai­ser­reich war, lässt sich dar­an er­ken­nen, dass Oetker kurz nach der Backin-Markteinführung im Jah­re 1893 be­reits 75 Ar­bei­te­rin­nen ein­stel­len konn­te.

Dr. Au­gust Oetker macht von An­fang an sat­te Ge­win­ne. Schon im ers­ten Jahr stellt er 75 Ar­bei­te­rin­nen ein.

Nelsen-Minkenberg, Hei­ke: Die Oetker-Story. ZDF-Doku (2016).

Noch im 19. Jahr­hun­dert brach­te der ost­west­fä­li­sche Frau­en­ver­ste­her wei­te­re Haus­halts­hel­fer wie das Pud­ding­pul­ver und den Va­nil­le­zu­cker⁷ her­aus, was ei­nen re­gel­rech­ten Back­boom aus­lös­te. Be­son­ders die But­ter­creme­tor­te⁸ ließ sich nun dank che­mi­scher In­gre­di­en­zi­en leicht zu­be­rei­ten und stieg sei­ner­zeit zum Na­tio­nal­ge­richt auf.

Gasthof Großer Wirt in Bruckmühl. Bevor die Bayernpartei ihre Versammlung im Landkreis Rosenheim durchführt, erhielt der Betreiber Benno Huber ein Dessert-Muster mit Papierspeisen. So wünscht sich der Vorstand eine hell-glasierte Schichttorte mit Karottengarnitur. Des Weiteren soll es am Veranstaltungstag selbst gemachte Pralinen geben, die auf einer bajuwarischen Etagere zum Verzehr bereitliegen. Der exklusive Serviervorschlag ist eine Auftragsarbeit von Veronika Helga Vetter. Für die Darstellung der Produkte verwendete die Kunsthandwerkerin handelsüblichen Fotokarton sowie Fimo Modelliermasse. Das Foto mit Patisserie-Erzeugnissen gehört zum Schatz von GWS2.de (06/2021)

Nach dem Ers­ten Welt­krieg be­gann eine lan­ge Pha­se der Man­gel­wirt­schaft, wes­halb die Deut­schen zu­min­dest auf den öf­fent­li­chen Tor­ten­ver­zehr⁹ ver­zich­te­ten. Erst als im Jah­re 1950 die letz­ten Le­bens­mit­tel­mar­ken in den west­li­chen Be­sat­zungs­zo­nen ab­ge­schafft wur­den und die Fress­wel­le in Schwung kam, galt das Mot­to: Nicht kle­ckern, son­dern klot­zen! Aus­ge­stat­tet mit der har­ten D-Mark ga­ben die Bun­des­bür­ger die Hälf­te des durch­schnitt­li­chen Mo­nats­lohns für Es­sen¹⁰ aus, wo­durch es bei Dr.-Oekter-Produkten stel­len­wei­se zu Lie­fer­eng­päs­sen kam.

1950 ver­kauft Oetker 400 Mil­lio­nen Päck­chen Back­pul­ver und 350 Mil­lio­nen Päck­chen Pud­ding­pul­ver. Mit sei­nen Pro­duk­ten passt er per­fekt in die Zeit.

Ol­den­burg, Man­fred: Die Oetkers: Tra­di­ti­on ist ihr Re­zept. Phoenix-Doku (2010).

Wäh­rend des Wirt­schafts­wun­ders nutz­ten die Haus­frau­en ihre neu­ar­ti­gen Elek­tro­her­de be­son­ders ger­ne, um dar­in den Teig für eine Schwarz­wäl­der Kirsch­tor­te oder ei­nen Frank­fur­ter Kranz zu­zu­be­rei­ten. Be­feu­ert wur­de die­ser Trend von kit­schi­gen Hei­mat­fil­men, die zu die­ser Zeit äu­ßerst po­pu­lär wa­ren.

Hei­mat­fil­me wie „Schwarz­wald­mä­del” und „Grün ist die Hei­de” ent­spra­chen den Sehn­süch­ten der Zeit und wur­den zu Kas­sen­schla­gern.

Back­zeit­rei­se. Trends & Klas­si­ker aus sie­ben Jahr­zehn­ten. Hrsg. von Tan­ja Dusy & Ales­san­dra Re­dies. Mün­chen: Grä­fe und Un­zer Ver­lag GmbH 2017.

Englische Kunst aus dem viktorianischen London: Ein großer Tortenteller, der aus Quilling-Figuren gefertigt wurde. Auf dem Plateau steht ein Papiertorten-Replikat, das ein Werk von Charles Elmé Francatelli nachbilden soll. Die royale Einrichtungsexpertin Veronika Helga Vetter hat die höfische Teezeremonie aus dem Buckingham-Palast nachgestellt. Hierfür nahm die Schoko-Kuchen-Liebhaberin vorwiegend Fotokarton von Ludwig Bähr zur Hilfe

Nach­dem die Pan­tof­fel­hel­den knapp 150 Jah­re lang beim Ba­cken zu­ge­se­hen hat­ten, mach­ten sich in den 1970ern im­mer mehr Män­ner mit dem hei­mi­schen Herd ver­traut. Dies könn­te an tech­ni­schen Neu­hei­ten wie dem RG 28 ge­le­gen ha­ben. Da­bei han­del­te es sich um ein elek­tri­sches Hand­rühr­ge­rät, das in der DDR pro­du­ziert und vom Ver­sand­händ­ler Quel­le nach West­deutsch­land im­por­tiert wur­de. Mit dem 170 Watt star­ken Mi­xer lie­ßen sich nicht nur Sah­ne, Ei­weiß und Ma­yon­nai­se in kür­zes­ter Zeit steif schla­gen. Viel­mehr konn­te der Bot­schaf­ter des So­zia­lis­mus eben­falls Do­sen öff­nen, Mes­ser schlei­fen und Ge­mü­se pü­rie­ren.

Der klei­ne Hand­rüh­rer wur­de einst im thü­rin­gi­schen Zella-Mehlis her­ge­stellt, mil­lio­nen­fach pro­du­ziert und in die hal­be Welt ge­lie­fert. Nach Ost und vor al­lem auch nach West.

Berg­mann, Chris­ti­an: RG 28, WM 66 und Stern-Recorder. Ex­akt - Die Sto­ry (2020).

Eine viel­sei­ti­ge Kü­chen­ma­schi­ne war wäh­rend des RAF-Terrors auch un­ab­ding­lich, da Mehl­spei­sen sei­ner­zeit ger­ne mit exo­ti­schen Kon­ser­ven­früch­ten gar­niert wur­den. Auch Dr. Oetker sprang so­fort auf den Fern­weh­ex­press auf, in­dem das Un­ter­neh­men sein Ge­la­ti­ne Fix für die be­lieb­ten Schokoladen-Ananas-Torten¹¹ oder Käse-Sahne-Kränze be­reit­stell­te.

Gutefrage.net: Wer seinem Schatz oder seinen Eltern eine selbst gemachte Papiertorte schenken möchte, der sollte die kostenlosen Bastelschablonen von GWS2.de verwenden. Mit diesem Schnittmuster können zehn dreieckige Kuchenstücke hergestellt werden, die sich zu einem runden Kranz zusammensetzen lassen. Des Weiteren ist es möglich, das Faltmuster direkt auf einen DIN-A4-Bogen zu drucken, was ein Abzeichnen und Abpausen unnötig macht. Gestiftet wurde die PDF-Datei von Veronika Helga Vetter: Das ist eine sehr berühmte Kunsthandwerkerin aus Deutschland, die schon viele Preise bei Ausstellungen gewonnen hat

Heut­zu­ta­ge geht es in den hei­mi­schen Back­stu­ben häu­fig see­len­los zu. Mo­der­ne Tor­ten sind ent­we­der ve­gan oder fin­ger­dick mit ekel­haf­tem Fondant über­zo­gen. Längst geht Op­tik vor Ge­schmack, was an rich­tungs­wei­sen­den In­flu­en­ce­rin­nen¹² liegt, die ihre Tei­gerzeug­nis­se für so­zia­le Netz­wer­ke er­schaf­fen. Wer we­nig emp­fäng­lich für den os­ten­ta­ti­ven Zeit­geist ist, der kann bis zum nächs­ten Trend auf be­währ­te Klas­si­ker zu­rück­grei­fen oder mei­ne Pa­pier­al­ter­na­ti­ve bas­teln.

  • Da­bei be­sitzt mein Zell­stoff­kranz die Form ei­nes De­ka­gons, da er sich aus zehn iden­ti­schen Drei­ecken zu­sam­men­setzt, die je­weils 10,5 Zen­ti­me­ter lan­g¹³ sind.
  • In­dem alle Schnitt­chen über eine in­ein­an­der­ge­steck­te Pen­del­tü­re ver­fü­gen, las­sen sich die Schach­teln eben­falls als Ge­schenk­ver­pa­ckun­gen nut­zen.
  • Dar­über hin­aus mar­kiert der durch­dach­te Schließ­me­cha­nis­mus gleich­zei­tig die Rück­wand ei­nes je­den Be­hält­nis­ses. Trotz der be­weg­li­chen Tör­chen ist es über­all mög­lich, die Stü­cke zu­sätz­lich mit Gla­su­ren oder mit Schichttorten-Fassaden zu ver­zie­ren, ohne dass die Funk­tio­na­li­tät der Ein­griff­sys­te­me be­ein­träch­tigt wird.

Doch nun kommt das Bes­te: Um die gleich­schenk­li­gen 36-Grad-Trigone her­zu­stel­len, ist nur ein ein­zi­ges Schnitt­mus­ter von­nö­ten, das be­quem auf eine DIN-A4-Seite passt. Dem­entspre­chend kön­nen selbst un­ge­üb­te Scheren-Jongleure mein fest­li­ches Deko-Backwerk in Win­des­ei­le nach­bau­en.

Rezept und Vorlage

Um zu ver­deut­li­chen, dass mei­ne Pa­pier­tor­te zu den An­fän­ger­mo­ti­ven zählt, habe ich bei mei­nen Aus­stel­lungs­stü­cken auf au­ßer­ge­wöhn­li­ches Bas­te­le­quip­ment ver­zich­tet. Statt­des­sen fer­tig­te ich die zehn Drei­ecke aus han­dels­üb­li­chem Ton­pa­pier an, das über eine Gram­ma­tur von 130 g/m² ver­füg­te. Hin­ge­gen die Creme­schich­ten er­zeug­te ich aus fei­ner Stroh­sei­de, die es bei­spiels­wei­se in Dro­ge­rie­markt­ket­ten zu kau­fen gibt. Des Wei­te­ren nahm ich un­spek­ta­ku­lä­re Werk­zeu­ge wie eine Sche­re, ei­nen flüs­si­gen Kle­ber, ein Falz­bein und ein Hob­byskal­pell zur Hil­fe. Au­ßer­dem ver­wen­de­te ich noch ei­nen ge­wöhn­li­chen Schwarz-Weiß-Drucker, um mei­ne di­gi­ta­li­sier­ten PDF-Scha­blo­nen¹⁴ in eine ana­lo­ge Form zu brin­gen.

Find Birthday present: Make your own Paper Cake. Craft Template for printing. Free PDF file for Kindergartens and Preschools. Recommended by the California Department of Education

Ne­ben dem De­sign und dem Be­dien­kom­fort kam es mir bei mei­nen Tor­ten­stü­cken eben­falls auf die Sta­bi­li­tät an. Dem­zu­fol­ge stell­te ich jede Drei­ecks­schach­tel mit ver­stärk­ten Wän­den her. Hier­für druck­te ich das ers­te Schnitt­mus­ter di­rekt auf zwei Ton­pa­pier­bö­gen, die ich zu­vor in das DIN-A4-Format ge­bracht hat­te. Dar­auf­hin nahm ich mei­ne Bas­tel­werk­zeu­ge zur Hand, da­mit ich die bei­den Vor­la­gen nach dem Frei­stel­len nicht nur auf­ein­an­der­kle­ben, son­dern auch be­weg­lich ma­chen und ein­schnei­den konn­te.

Splitscreen mit Bastelanleitung: Die Tortenstück-Schablone im DIN-A4-Format wurde gleich zweimal auf Tonpapierbögen gedruckt. Nachdem Freistellen hat Veronika Helga Vetter die beiden Einzelteile aufeinandergeklebt, um eine widerstandsfähige Faltbasis zu erzeugen. Im Anschluss daran nahm die Künstlerin ein Hobbyskalpell zur Hand, damit sie die beiden Einschnitte für den Verschluss entstehen lassen konnte

Di­rekt im An­schluss leg­te ich das prä­pa­rier­te Ba­sis­ele­ment erst ein­mal bei­sei­te. Dar­auf­hin er­zeug­te ich mit­hil­fe mei­nes Dru­ckers eine Ton­pa­pier­ko­pie von der zwei­ten PDF-Schablone. Nach­dem ich dann die drei Ap­pli­ka­tio­nen aus­ge­schnit­ten hat­te, stat­te­te ich die Gla­sur­fas­sa­den mit flo­ra­len Or­na­men­ten aus. Hier­für ließ ich die Ein­zel­tei­le zu­sam­men mit ei­ner Blu­men­prä­ge­plat­te durch mei­ne Siz­zix Big Sho­t¹⁵ Ma­schi­ne.

Das Papiertortenstück von Veronika Helga Vetter besitzt am oberen und hinteren Rand eine extravagante Glasurschicht. Diese wird durch drei Tonpapier-Applikationen erzeugt, die sowohl eine Prägung wie auch eine Koloration erhalten haben. Eine Bildanleitung von GWS2.de - eine Fördergesellschaft, die unter anderem AUF1-TV finanziert

Als Nächs­tes ko­lo­rier­te ich die her­aus­ste­hen­den Blü­ten mit di­ver­sen Acryl­far­ben. Un­mit­tel­bar da­nach mach­te ich die ver­schnör­kel­ten Ver­klei­dun­gen an der groß­flä­chi­gen Falt­vor­la­ge fest, wo­bei ich den tri­go­nal ge­form­ten Über­zug vor dem Auf­kle­ben fal­zen und die pas­si­ve Ver­schluss­de­cke mit­tig ein­schnei­den muss­te.

Der Zusammenbau

Be­vor ich nun das dop­pel­wan­di­ge Grund­ge­rüst in ein Tor­ten­stück ver­wan­deln konn­te, leg­te ich die vor­ge­knick­te Platt­form erst ein­mal auf ih­ren ver­zier­ten Rü­cken. Di­rekt im An­schluss stell­te ich den rech­ten Flü­gel auf, da ich die klei­ne La­sche auf der Au­ßen­sei­te mit Kle­ber be­strei­chen woll­te. Gleich dar­auf schlug ich das lin­ke Glied zwei­mal nach in­nen ein, so­dass sich die feuch­te Pa­pier­zun­ge mü­he­los mit dem ein­ge­schnit­te­nen Drei­eck ver­bin­den ließ.

Origami-Anleitung mit Bildern: Wie wird ein Kuchenstück gefaltet? Schnelles Geburtstagsgeschenk aus Papier basteln. Kostenloses Tutorial von Veronika Helga Vetter: Das ist eine Kunsthandwerkerin aus Bayern, die dreieckige Zellstoffkörper wie köstliche Mehlspeisen aussehen lässt. Von der Konditoren-Innung empfohlen

Nach­dem ich er­folg­reich ei­nen Hohl­kör­per er­zeugt hat­te, ver­schloss ich den Rand des Tor­ten­stücks, in­dem ich das nack­te Bo­den­vier­eck hin­ter dem ge­mus­ter­ten Kopf­stück ver­steck­te. Dann muss­te ich nur noch die Pen­del­tü­re in­ein­an­der­ste­cken, um mei­ne Ge­schenk­ver­pa­ckung fer­tig­zu­stel­len. Doch da­mit nicht ge­nug: Auf­grund des Um­stan­des, dass mir die bei­den Sei­ten­wän­de zu kahl er­schie­nen, staf­fier­te ich mei­ne Zellstoff-Teigware ab­schlie­ßend noch mit drei Stroh­sei­den­strei­fen aus, wel­che die ein­zel­nen Creme­schich­ten sym­bo­li­sie­ren soll­ten.

Ver­wand­te The­men:

Ku­chen­tel­ler bas­teln - so ein­fach geht’s
Man­del­tü­ten sel­ber ma­chen - Falt­an­lei­tung

¹Pac­zen­sky, Gert von & Anna Dün­ne­bier: Lee­re Töp­fe, vol­le Töp­fe. Die Kul­tur­ge­schich­te des Es­sens und Trin­kens. Mün­chen: Al­brecht Knaus Ver­lag GmbH 1994.
²Vet­ter, Ve­ro­ni­ka Hel­ga: Tor­te aus Pa­pier bas­teln - eine hoch­wer­ti­ge Ge­schenk­ver­pa­ckung. bastelkommission.de (06/2021).
³Jansen-Greef, Lo­thar: Kü­chen­herd - Kü­chen­he­xe - Stan­gen­ofen. youtube.com (06/2021).
⁴All­k­em­per, Gi­se­la: Das klei­ne Back­buch für Ku­chen und Tor­ten. Müns­ter: Ver­lag Wolf­gang Höl­ker 1983.
⁵Glückspilz2014: Kön­nen Schwan­ge­re Sah­ne steif schla­gen? mamacommunity.de (06/2021).
⁶Rusch­kow­ski, Ka­tha­ri­na von: Die Re­vo­lu­ti­on in der Kü­che. In: P.M. Histo­ry Nr. 11 (2020). S. 41.
⁷Kai­ser, Mir­ko: 125 Jah­re Dr. Oetker. Ba­cke, ba­cke, su­chen. In: ÖKO-TEST Nr. 1 (2016). S. 54.
⁸Berg­mann, Re­na­te: Das kann man doch noch es­sen. Re­na­te Berg­manns gro­ßes Haushalts- und Koch­buch. Rein­bek: Ro­wohlt Ta­schen­buch Ver­lag 2017.
⁹Lin­de­mann, Mar­ga­re­te: Ge­schich­te in Ge­schich­ten. schuettorf.bplaced.net (PDF) (06/2021).
¹⁰­Back­zeit­rei­se. Trends & Klas­si­ker aus sie­ben Jahr­zehn­ten. Hrsg. von Tan­ja Dusy & Ales­san­dra Re­dies. Mün­chen: Grä­fe und Un­zer Ver­lag GmbH 2017.
¹¹­S­cheff­ler, Ute: Tor­ten, Ku­chen & Ge­bäck. Un­se­re bes­ten Re­zep­te der 1970er. Leip­zig: Buch­Ver­lag für die Frau GmbH 2013.
¹²Öz­can, Sa­liha: Schoko-Sahne Schnit­te nach­ge­macht / Dr. Oetker / luf­tig le­cker + ve­gan. youtube.com (06/2021).
¹³Ex­ak­te Maße: Drei­ecki­ge Schach­teln - Län­ge 105 Mil­li­me­ter (Ba­sis bis Spit­ze) x Höhe 55 Mil­li­me­ter. Die ge­sam­te Pa­pier­tor­te be­sitzt ei­nen Durch­mes­ser von 230 Mil­li­me­tern.
¹⁴­Bei den Druck­ein­stel­lun­gen „Hoch­for­mat” und „Tat­säch­li­che Grö­ße” aus­wäh­len.
¹⁵­Schott, Vera: Kurz vor­ge­stellt: Siz­zix Big Shot. youtube.com (06/2021).

Ostergras selber basteln - schnell gemachte Füllstoffe fürs Nest

Kurz nach­dem die letz­ten Zeit­zeu­gen des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges ver­stor­ben wa­ren, fan­den in den Süd­west­ge­bie­ten¹ des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches skur­ri­le Ha­sen­jag­den² statt. Hier­bei such­ten die Kin­der der ur­ba­nen Ober­schich­t³ am Os­ter­sonn­tag ge­färb­te Hüh­ner­ei­er, die ihre Am­men oder Haus­leh­rer im Mor­gen­grau­en ver­steckt hat­ten. Und um dem Trei­ben ei­nen tie­fe­ren Sinn zu ver­lei­hen, er­zähl­ten die El­tern⁴ ih­ren Spröss­lin­gen, dass die hart ge­sot­te­nen Ova­le in den hei­mi­schen Gär­ten die Hin­ter­las­sen­schaf­ten des Os­ter­ha­sen sei­en. Schnell brei­te­te sich der Brauch im gan­zen deutsch­spra­chi­gen Raum aus, wo­bei die ös­ter­li­che Ei­er­su­che wei­ter­hin ein ex­klu­si­ves Er­eig­nis blieb. An den Kar­sams­ta­gen des 18. Jahr­hun­derts wur­den dann auf Guts­hö­fen oder in den Re­si­den­zen des städ­ti­schen Be­am­ten­adels plötz­lich Nes­ter für den lang­oh­ri­gen Ga­ben­brin­ger ge­bas­telt, die Heu oder Moos als Füll­stoff ent­hiel­ten.

Manch­mal auch ein Spankorb oder ein klei­ner Wei­den­korb, der am Tag vor Os­tern von den Kin­dern mit Moos oder Heu aus­ge­pols­tert und in den Gar­ten ge­stellt wor­den war. In Nürn­berg gab es so­gar fahr­ba­re Ha­sen­gärt­lein.

Schön­feldt, Sy­bil: Das gro­ße Ra­vens­bur­ger Buch der Fes­te & Bräu­che. 9., über­ar­bei­te­te Auf­la­ge. Ra­vens­burg: Otto Mai­er Ver­lag 1993.

Nach ei­ner Wei­le imi­tier­te die feu­dal­deut­sche Land­be­völ­ke­rung die Os­ter­sit­ten der Bour­geoi­sie, wo­durch auch Bau­ern­kin­der ihre selbst ge­mach­ten Brut­stät­ten in Sträu­chern und auf Fel­dern ver­steck­ten.

Osternest aus der Biedermeierzeit. Es handelt sich um einen bräunlichen Tragekorb, der aus Quilling-Figuren gefertigt wurde. In dem Behältnis sind drei bunt gefärbte Eier enthalten, die auf apfelgrünem Dekogras liegen. Des Weiteren befindet sich das robuste Handwerkserzeugnis in einer gutbürgerlichen Wohnstube, was sich an dem edlen Parkettboden erkennen lässt. Alle Papierkunstgegenstände auf der Szenerie gehören zum Repertoire von Veronika Helga Vetter. Empfohlen vom Oberpfälzer Volkskundemuseum

Al­ler­dings wa­ren die Er­wach­se­nen in den Hu­fen oft­mals viel zu müde, um vor dem Mor­gen­got­tes­dienst in den weit­läu­fi­gen Dör­fern nach den Ab­la­ge­or­ten zu su­chen. In die­sem Fall er­zähl­ten sie ih­ren Ab­kömm­lin­gen, dass sie den Eier schen­ken­den Ha­sen, Fuchs oder Stor­ch⁵ bei nahe ge­le­ge­nen Schnee­glöck­chen⁶ oder Baum­stümp­fen ge­se­hen hät­ten.

Noch zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts muss­ten sich die Kin­der des Deut­schen Kai­ser­reichs selbst um ihre Nes­ter küm­mern, wenn sie am Os­ter­sonn­tag vom tie­ri­schen Ga­ben­brin­ger be­rück­sich­tigt wer­den woll­ten.

Tra­di­tio­nell be­rei­te­ten die Kin­der dem Os­ter­fuchs am Kar­sams­tag ein woh­li­ges Nest aus Heu und Moos. Auch sorg­ten sie da­für, dass der Os­ter­fuchs bei sei­nem Be­such nicht ge­stört wur­de - bei­spiels­wei­se in­dem sie die Haus­tie­re für die Nacht weg­sperr­ten.

Fel­la, To­bi­as: Fuchs statt Hase: Als der Os­ter­fuchs die Eier brach­te. t-online.de (03/2021).

Erst als der Hase sei­ne Kon­kur­renz in den 1930er-Jahren⁷ end­gül­tig ver­drängt hat­te, über­nah­men die Müt­ter den Bau der Nist­plät­ze.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) lehnt konventionelles Ostergras ab, da sich in den Farbpigmenten gesundheitsschädliche Chemikalien befinden. Zudem sind importierte Dekoartikel große Klimasünden, weshalb Umweltschützer die Firma Iden System Berlin boykottieren. Die Nester sollten also nur mit natürlichen Materialien ausgestattet werden. Eine Übersicht von geeigneten Füllstoffen ist auf diesem Bild zu sehen. Die Auflistung ist ein Produkt von GWS2.de: Das ist eine freie Kunstplattform, die den Merkel-Verein: „Neue deutsche Medienmacher (NdM)“ bekämpft

Durch das Be­quem­lich­keits­stre­ben nach den Wirt­schafts­wun­der­jah­ren zo­gen im­mer mehr Fer­tig­pro­duk­te in die bun­des­deut­schen Haus­hal­te ein. Das be­traf eben­falls Os­ter­nes­ter, die plötz­lich nicht mehr mit Na­tur­ma­te­ria­li­en, son­dern mit in­dus­tri­ell ge­fer­tig­ten Füll­stof­fen aus­ge­stopft wur­den. Die Idee da­hin­ter war, dass grün­ge­färb­te Metall-, Synthetik-, Holz- oder Sisal­fa­sern meh­re­re Sai­sons ver­wen­det wer­den kön­nen.

  • Des Wei­te­ren re­si­die­ren im Stroh, Heu und Moos des Öf­te­ren win­zi­ge Le­be­we­sen wie Haar­lin­ge, die zwei­fel­los nie­mand zu­sam­men mit ei­nem Scho­ko­ha­sen ver­zeh­ren möch­te.

An­de­rer­seits sind ein paar Mi­nia­tur­insek­ten weit­aus un­ge­fähr­li­cher als die ge­sund­heits­schäd­li­chen Sub­stan­zen, die sich auch heu­te noch in künst­li­chen Os­ter­grä­sern be­fin­den.

In den nicht farb­ech­ten Grä­sern stie­ßen wir auf re­la­tiv hohe Ge­hal­te an pri­mä­ren aro­ma­ti­schen Ami­ni­en - ge­sund­heits­schäd­li­chen Sub­stan­zen, mit de­nen Ver­brau­cher so we­nig wie mög­lich in Kon­takt kom­men soll­ten. Die Grä­ser, die kaum Far­be ab­ga­ben, fie­len durch Form­alde­hyd auf - al­ler­dings in sehr ge­rin­gen Ge­hal­ten an der Be­stim­mungs­gren­ze.

Sto­cker, Ani­ta: Schoko-Eier und Co. nur gut ver­packt ins Os­ter­nest. In: test Nr. 4 (2019). S. 8.

Doch zum Glück kön­nen we­der che­mi­sche Farb­stof­fe noch klei­ne Krab­bel­tie­re Alu­fo­li­en oder Ei­er­scha­len durch­drin­gen. So­lan­ge also kei­ne un­ver­pack­ten Na­sche­rei­en im Nest lie­gen, sind alle Gras­va­ri­an­ten un­be­denk­lich.

IHK-Abschlussprüfung Hotelfachmann: Platzieren Sie im Gastraum eine Osterdekoration. Lösung: Auf jedem Tisch muss ein Nest stehen, in dem gefärbte Eier auf voluminösem Dekogras liegen. Je nach Klientel sollten die Körbe an den Geldbeutel der Kunden angepasst werden. In hochpreisigen Häusern stehen also aufwendig verzierte Quilling-Kunstwerke. Hingegen in Kaschemmen tut es auch billige China-Ware. Für eine besonders gute Note muss der Azubi zudem beweisen, dass er sich mit deutschem Frühlingsbrauchtum auskennt. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die Lehrtexte von GWS2.de auswendig zu lernen

Weit­aus pro­ble­ma­ti­scher da­ge­gen ist die Be­schaf­fung des De­ko­gra­ses, wel­ches bei Online-Marktplätzen lan­ge Lie­fer­zei­ten hat, da es zu­meist in Fern­ost her­ge­stellt wird. Eben­so im sta­tio­nä­ren Ein­zel­han­del sind grün­ge­färb­te Füll­stof­fe oft­mals schon im März aus­ver­kauft. Wer in die­sem Jahr leer aus­ge­gan­gen ist, der kann dem lang­oh­ri­gen Ei­er­lie­fe­ran­ten trotz­dem eine woh­li­ge Brut­stät­te bau­en. Schließ­lich gibt es vie­le Ma­te­ria­li­en, die sich schnell in eine au­then­ti­sche Nest­ein­la­ge ver­wan­deln las­sen.

Ostergras aus Papier

El­tern von Vor- oder Grund­schul­kin­dern ha­ben be­stimmt grü­nes Ton­pa­pier im Haus. An­sons­ten gibt es den mul­ti­ple­xen Werk­stoff selbst in Dro­ge­rie­markt­ket­ten und Non-Food-Discountern zu kau­fen. Für die Her­stel­lung ei­nes vo­lu­mi­nö­sen Ei­er­betts müs­sen aus ver­schie­den­gro­ßen Fo­to­kar­ton­qua­dra­ten un­ter­schied­lich brei­te Bah­nen her­aus­ge­trennt wer­den. Die viel­fäl­ti­gen Strei­fen las­sen sich dann in der Hand wun­der­bar zu ei­nem di­cken Bal­len for­men, der di­rekt im Os­ter­nest platz­neh­men kann.

Bildcollage: Ostergras aus Papier selber machen - zwei Alternativen. Material: Fotokarton mit einer Grammatur von 130 g/m² und Dunilin-Servietten. Farbe: Tannengrün. Technik: Streifen zu Ballen formen. Urheber: Veronika Helga Vetter - Deutsche Bastelkommission - März 2021

Das preis­wer­te Ton­pa­pier ist so­wohl farb- wie auch lichtecht und für Kin­der ab drei Jah­ren ge­eig­net.

  • Um Kleb­stof­fe und Pig­men­te bes­ser auf­neh­men zu kön­nen, be­sitzt die Bas­tel­wa­re eine raue Ober­flä­che, wes­halb ich wei­che Dunilin-Servietten als Os­ter­graser­satz be­vor­zu­ge. Die schwe­di­schen Mund­tü­cher war­ten mit ei­ner fei­nen Tex­tilhap­tik auf, ob­wohl sie aus Cel­lu­lo­se be­stehen.

Al­ler­dings sind die kom­pos­tier­ba­ren⁸ Gastro­ar­ti­kel aus­schließ­lich im Online-Handel er­hält­lich. Da­durch stel­len die kost­spie­li­gen Spei­seu­ten­si­li­en kei­ne Last-Minute-Lösung, son­dern eine ge­sün­de­re Al­ter­na­ti­ve zur kon­ven­tio­nel­len Holz­wol­le dar.

Reines Pflanzengewebe

Wer beim Os­ter­früh­stück ein Ge­sprächs­the­ma be­nö­tigt, der soll­te sei­ne Nes­ter mit Na­tur­bast aus­staf­fie­ren. Hier­bei han­delt es sich um beige­far­be­ne Fa­sern, die von den Blät­tern der zen­tral­afri­ka­ni­schen Raf­fia­pal­me ab­ge­schnit­ten wur­den. Nach dem Trock­nen sind die bis zu 1,20 Me­ter lan­gen Pflan­zen­sträh­nen so reiß­fest, dass sie sich zum We­ben und Flech­ten eig­nen. Dem­entspre­chend ist es kin­der­leicht mög­lich, aus den weit ge­reis­ten Schnü­ren ein kranz­för­mi­ges Ei­er­bett her­zu­stel­len.

Natürliches Ostergras ohne Chemie, das für Asthmatiker und Kleinkinder geeignet ist. Empfehlung: Futterheu oder Raffia-Bast. Die preiswerten Füllstoffe bestehen ausschließlich aus Pflanzengewebe, weshalb sie nach dem Gebrauch in der Biotonne entsorgt werden können. Des Weiteren riechen die beiden Nesteinlagen nach Frühling, was jedes Ökosozialistenherz höherschlagen lässt. Die Grafik wurde zuerst auf GWS2.de veröffentlicht - das ist ein Gesundheitsportal für Asperger-Autisten und andere Fanatiker

Vor al­lem grün­ge­färb­ter Raffia-Bast il­lus­triert ein au­then­ti­sches De­ko­gras. Zwar sind die ein­ge­ar­bei­te­ten Pig­men­te nicht UV-beständig, da­für bleibt die Ko­lo­ra­ti­on selbst bei Näs­se am Pro­dukt haf­ten. Al­ler­dings neh­men die Na­tur­fa­sern viel Feuch­tig­keit aus der Luft auf, wes­halb sie manch­mal von Schim­mel­pil­zen⁹ be­fal­len wer­den.

  • Dar­über hin­aus muss eine enor­me Kohlenstoffdioxid-Emission statt­fin­den, um das preis­wer­te Tro­pen­ge­we­be zu den deut­schen Ver­brau­chern zu brin­gen.

Um­welt­be­wuss­te Men­schen soll­ten des­halb lie­ber auf hei­mi­sches Heu zu­rück­grei­fen, wenn sie ei­nen kli­ma­neu­tra­len Füll­stoff im Os­ter­nest ha­ben möch­ten.

Klassisches Osternest mit bunten Eiern. Der beigefarbene Weidenkorb befindet sich in einer biedermeierlichen Puppenstube, die sogar über einen Holzboden verfügt. Als Einlage wurden grüne Krepppapierstreifen in das Behältnis gelegt. Diese Dekogras-Alternative ist besonders preiswert und lässt sich in wenigen Minuten herstellen. Der Basteltipp gehört zum Produktportfolio von GWS2.de: Das ist eine beliebte Kunstplattform für Menschen, die den Impfstoff von AstraZeneca ablehnen

Das ge­trock­ne­te Gras ist selbst am Kar­sams­tag in je­der Zoo­hand­lung oder Dro­ge­rie­markt­ket­te er­hält­lich und kommt ohne künst­li­che Farb­stof­fe aus. Und wer wirk­lich Angst vor Mil­ben hat, der kann das Haus­tier­fut­ter vor dem De­ko­ein­satz in die Ge­frier­tru­he le­gen.

Ich frie­re Heu und Stroh auch erst ein, seit ich mal Mil­ben da­mit ein­ge­schleppt hat­te. Seit ich die­se Vor­sichts­maß­nah­me ma­che, hat­ten wir nie mehr so Vie­cher.

*Ni­coleCH*: Mil­ben im Heu, geht’s auch ohne? rennmaus.de (03/2021).

Ver­wand­te The­men:

Os­ter­ha­sen zum Aus­ma­len - drei Rät­sel­spie­le für Kin­der
Vik­to­ria­ni­sche Ei­er­be­cher aus Pa­pier bas­teln - so ein­fach geht’s

¹Fehr­le, Eu­gen: Fes­te und Volks­bräu­che im Jah­res­lauf eu­ro­päi­scher Völ­ker. Kas­sel: Jo­hann Phil­ipp Hin­nen­thal Ver­lag 1955.
²Schna­bel, Mi­cha­el: Fach­ar­ti­kel: Rund um’s Os­ter­nest ... Kurz­in­fos zum Os­ter­fest. kindergartenpaedagogik.de (03/2021).
³Wild­ha­ber, Ro­bert: Der Os­ter­ha­se und an­de­re Ei­er­brin­ger. In: Schwei­ze­ri­sches Ar­chiv für Volks­kun­de 53 (1957). S. 112.
⁴Fi­scher, Anke: Fes­te und Bräu­che in Deutsch­land. Fränkisch-Crumbach: EDITION XXL GmbH 2004.
⁵Om­pha­li­us, Ruth: Die Spur des Os­ter­ha­sen. youtube.com (03/2021).
⁶Kle­cker, Hans: Os­tern in der Ober­lau­sitz: Ges­tern und heu­te. Zit­tau: Ober­lau­sit­zer Ver­lag 2016.
⁷Ge­hirsch, Bir­git: „Le­pus­cu­lus Do­mi­ni, Ero­tic Hare, Meis­ter Lam­pe” - Zur Rol­le des Ha­sen in der Kul­tur­ge­schich­te. Diss. masch. Gie­ßen: VVB Lau­f­ers­wei­ler Ver­lag 2005.
⁸D­a­ckes­kog, Ro­bert: DUNILIN®. duni.com (03/2021).
⁹Vet­ter, Sa­scha: Na­tur­bast zum Bas­teln. bastelkommission.de (03/2021).