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Indische Holzstempel - Erfahrungsbericht

Stem­pel sind et­was ge­schichts­träch­ti­ges, schon in der An­ti­ke wur­de bei den al­ten Grie­chen, mit­hil­fe von Tonstem­peln (Dis­kos von Phais­tos), ge­stem­pelt. Et­was spä­ter, fand auch au­ßer­halb Eu­ro­pas, eine gro­ße Stem­pel­kunst­be­we­gung statt. In In­di­en be­nutz­te man Holzstem­pel, wel­che sich auf ver­schie­dens­te Un­ter­grün­de stem­peln lie­ßen.

Im 12 Jahr­hun­dert, noch 350 Jah­re vor Er­fin­dung des Buch­drucks, wäh­rend­des­sen man hier­zu­lan­de mit Ei­sen­stem­peln, christ­li­che In­schrif­ten stem­pel­te (Prü­fe­nin­ger Wei­hein­schrift), nutz­te man im in­di­schen Bun­des­staat Ra­jasthan, wel­cher zu gro­ßen Tei­len aus der Wüs­te Thar be­steht, die Stem­pel­kunst künst­le­risch.  Auf länd­li­chen Han­dels­stra­ßen durch Ra­jasthan, wa­ren die Stem­pel zu die­ser Zeit, ne­ben Wol­le, ein be­deu­ten­des Tausch­mit­tel. Über die Händ­ler ge­lang­ten die Stem­pel quer durch Asi­en und in­di­sche Holzstem­pel er­lang­ten Ruhm.

In die­sem Ar­ti­kel ha­ben wir für Sie hand­ge­mach­te in­di­sche Stem­pel ge­tes­tet. Wir be­wer­ten ob­jek­tiv, ob sich die­se Im­port­pro­duk­te zum Ein­satz für den se­mi­pro­fes­sio­nel­len Bast­ler eig­nen und wo even­tu­ell Schwä­chen, im Ge­gen­satz zu in­dus­tri­ell her­ge­stell­ten Stem­peln vor­lie­gen.

Bild von indischen Holzstempeln

Handgemachte versus industrielle Holzstempel

Bild eines SheeshamholzstempelIn­di­sche Holzstem­pel be­stehen aus Shee­sham­holz. Die­ses Holz ist dun­kel und hat eine mitt­le­re Dich­te. Die Mo­ti­ve der Stem­pel wer­den von Hand ge­zeich­net und in das Holz ge­mei­ßelt. Shee­sham­holz (Dal­ber­gia sis­soo) ist ein Edel­holz, wird nach­hal­tig pro­du­ziert (Auf­fors­tung) und steht nicht un­ter Schutz. In­dus­tri­ell her­ge­stell­te Stem­pel be­stehen in der Re­gel aus Bu­che, auf die­se eine Schaumstoff- und Gum­mi­schicht auf­klebt wird. In das Gum­mi wird mit­hil­fe ei­nes La­sers, com­pu­ter­ge­steu­ert das je­wei­li­ge Mo­tiv ein­ge­brannt.

  • Die in­di­schen Holzstem­pel sind leich­ter als in­dus­tri­ell her­ge­stell­te Stem­pel. Das Shee­sham­holz ist äu­ßerst gut ver­ar­bei­tet und split­ter­frei, also pro­blem­los für Kin­der ge­eig­net.
  • Als ech­tes Na­tur­pro­dukt, rie­chen die hand­ge­mach­ten Holzstem­pel sehr gut und lie­gen sehr gut in der Hand.

Stärken und Schwächen von indischen Holzstempeln

Die größ­te Stär­ke von in­di­schen Holzstem­peln ist der Un­ter­grund Stoff und Ser­vi­et­ten.

Bild von Holzstempeln auf Stoff

  • Auf Bas­tel­stoff wer­den die Mo­ti­ve gleich­mä­ßig über­tra­gen. Das Holz kann in die Fa­sern ein­sin­ken und die Far­be sehr gut über­tra­gen.
  • Bei in­dus­tri­ell her­ge­stell­ten Stem­peln ist die Druck­flä­che da­für oft­mals nicht tief ge­nug.

Ein mit­tel­mä­ßi­ges Er­geb­nis lässt sich auf Pa­pier er­zie­len.

Indischer Holzstempel auf PapierAuf Pa­pier über­tra­gen sich die Mo­ti­ve nicht gleich­mä­ßig bei fes­tem Un­ter­grund. Dies liegt dar­an, dass die in­di­schen Hand­wer­ker die Druck­flä­che nicht so chir­ur­gisch gleich­mä­ßig, wie ein La­ser schnit­zen kön­nen. Wenn der Stem­pel also nicht ein­sin­ken kann, wer­den die leich­ten Un­eben­hei­ten sicht­bar, was sich bei de­tail­lier­ten Stem­pel­mo­ti­ven be­son­ders zeigt. Wie Sie auf dem Bild se­hen, ist ein Stem­peln den­noch pro­blem­los mög­lich, je­doch nicht so kom­for­ta­bel wie bei in­dus­tri­el­len Stem­peln.

Für Embossing-Technik sind hand­ge­mach­te Stem­pel nicht ge­eig­net.

Bild von Embossing Technik mit indischen HolzstempelnWeil die Far­be des Stem­pel­kis­sens auf Pa­pier nicht rich­tig über­tra­gen wird, ist Embossing-Technik mit den in­di­schen Holzstem­peln nur man­gel­haft mög­lich. Hier ha­ben mit Schaum­stoff ge­pols­ter­te Gum­mistem­pel ganz ein­deu­tig die Nase vor­ne.  Für die­se Ein­satz­ge­bie­te, in Ver­bin­dung mit ei­nem Stem­pel­kis­sen, sind die Holzstem­pel na­tür­lich auch nicht ge­macht wor­den, je­doch woll­ten wir die Ein­satz­taug­lich­keit für Bast­ler her­aus­fin­den.

Mit Absicht falsch verwendet - Einsatzgebiete und Reinigung

In­di­sche Holzstem­pel wer­den für ein per­fek­tes Er­geb­nis ei­gent­lich nach fol­gen­der Rei­hen­fol­ge be­nutzt:

  1. Acryl- oder Tex­til­far­be wird mit ei­nem Schwamm auf­ge­nom­men.
  2. Über den Schwamm wird die Far­be groß­zü­gig auf die Holzstem­pel über­tra­gen.
  3. Der mit Far­be be­netz­te Stem­pel wird auf das Ma­te­ri­al ge­drückt.

Be­vor eine neue Far­be ver­wen­det wird, wird die Far­be mit Spül­mit­tel un­ter flie­ßen­dem Was­ser, mit ei­ner al­ten Zahn­bürs­te, ab­ge­wa­schen.

Preisleistung, Fazit und Bewertung

Die Preis­leis­tung der in­di­schen Holzstem­pel ist gut. Klei­ne­re Stem­pel kos­ten zir­ka 4,00 Euro und sehr gro­ße un­ge­fähr 20,00 Euro. Da­mit sind die hand­ge­fer­tig­ten Stem­pel im durch­schnitt so­gar et­was güns­ti­ger als in­dus­tri­ell ge­fer­tig­te Stem­pel.

Uns ha­ben die Stem­pel gut ge­fal­len, es ist ein völ­lig an­de­res Fee­ling da­mit zu ar­bei­ten. Wer mit Holzstem­peln auf Pa­pier ar­bei­ten möch­te, soll­te auf eine wei­che Bas­tel­un­ter­la­ge ach­ten. Ich den­ke je­doch nicht das in­di­sche Holzstem­pel zum Stan­dard­re­per­toire ei­nes Pa­pier­bast­lers ge­hö­ren müs­sen, wer je­doch schon viel aus­pro­biert hat, kann mit die­sem Zu­be­hör, neue Er­fah­run­gen ma­chen.

Aus un­se­rer Sicht als Pa­pier­bast­ler be­wer­ten wir die in­di­schen Holzstem­pel mit der Schul­no­te 2,66.

Ver­wand­te The­men:

Gute Bas­tel­un­ter­la­gen für Pa­pier­bast­ler

(Stem­pel freund­li­cher­wei­se zur Ver­fü­gung ge­stellt von bilasari.com)

Mein Name ist Sa­scha ali­as Ki­lo­byte und ich bin Blog­ger seit 2009. Als Lieb­ha­ber und Be­wun­de­rer der bil­den­den Küns­te pu­bli­zie­re ich hier seit 2011 An­lei­tun­gen und Er­fah­rungs­be­rich­te über die schö­nen Din­ge des Le­bens. Au­ßer­dem sor­ge ich für die Funk­tio­na­li­tät von GWS2.de. Ich mag Pin­gui­ne, die Wei­ma­rer Klas­sik, Quen­tin Ta­ran­ti­no und für ita­lie­ni­sches Es­sen mit ei­nem Glas Grau­bur­gun­der ma­che ich fast al­les.


Kategorie: Blog
  • Merida Mamoru sagt:

    Hi Sa­scha,

    das ist ja mal ein fun­dier­ter Fach­text, sieht man auch sel­ten.
    Wuss­test Du, dass man mit Stem­peln auch viel Schind­lu­der trei­ben kann?
    Habe mal in ei­nem Buch (Es muss nicht im­mer Ka­vi­ar sein) ei­nen Stempel-trick ge­se­hen wo je­mand ei­nen amt­li­chen Stem­pel mit­hil­fe ei­ner ge­koch­ten Kar­tof­fel ko­piert hat.
    Ich er­in­ne­re mich noch wie es ging: Man hal­biert eine frisch ge­koch­te Pell­kar­tof­fel und setzt die Schnitt­flä­che auf das Ori­gi­nal Stem­pel­do­ku­ment. Dann war­tet man, bis die Kar­tof­fel er­kal­tet ist. Als nächs­tes schnei­det man eine dün­ne Schei­be (1/2 cm) ab und er­wärmt die Rück­sei­te mit ei­ner Ker­ze, bis die Ober­flä­che feucht wird. Schließ­lich setzt man die Kar­tof­fel­schei­be auf die Ko­pie und war­tet wie­der bis sie er­kal­tet ist.

    Die künst­le­ri­sche Ver­wen­dung der Stem­pel sagt mir na­tür­lich viel mehr zu 😉

    LG
    Me­ri­da

  • Silvia sagt:

    Die Holzstem­pel se­hen sehr schön aus und ich kann mir gut vor­stel­len die­se in ver­bin­dung mit Lei­nen oder Baum­wol­le zu be­nut­zen. Was mich be­denk­lich stimmt weil die Stem­pel ja so preis­wert sind, ob die nicht von in­di­schen Kin­dern her­ge­stellt wer­den. Der Test ist sehr aus­führ­lich vie­len Dank.

    • Sandeep Johal sagt:

      Hal­lo Sil­via

      Wir ar­bei­ten bei bilasari.com mit ei­nem Stem­pel­ma­cher, der sei­nen ei­ge­nen La­den hat zu­sam­men un­ter https://www.youtube.com/watch?v=GcAU5z0Un14 kannst Du ihn mit sei­nem lei­der in­zwi­schen ver­stor­be­nen Va­ter bei der Stem­pel­her­stel­lung se­hen, wie er für Bilasari.com die Stem­pel an­fer­tigt.
      Ich kann na­tür­lich nur für un­se­ren Shop spre­chen.
      Ich habe die­ses Jahr in In­di­en ihn ex­tra ge­filmt, um be­le­gen zu kön­nen, daß wir kei­nen­falls Kin­der­ar­beit för­dern.

      Ich bin sel­ber in­di­scher Her­kunft und kann da­her weiß Gott eher viel­leicht hin­ter ei­ni­ge Ku­lis­sen bli­cken!

      Ge­ne­rell aber wenn Du Kin­der­ar­beit in In­di­en nicht un­ter­stüt­zen willst,dann kau­fe bit­te kei­nen Mar­mor aus In­di­en.

      Ge­ra­de in Ra­jasthan, mei­ner Er­fah­rung nach, wo der Mar­mor ab­ge­baut wird, wer­den die Kin­der bei den an­ge­kün­dig­ten Kon­trol­len weg­ge­schickt.

      Üb­ri­gens kom­men fast alle Marmor-Grabsteine in Deutsch­land aus In­di­en -

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/kinder-in-indien-klopfen-steine-fuer-deutschland-a-823128-2.html

  • Hanna sagt:

    Das ist wirk­lich ein su­per ge­schrie­be­ner Test­be­richt. Ich bast­le seit 20 Jah­ren und war auf der Su­che nach neu­en Ide­en und weil ich schon viel von den in­di­schen Stem­peln hör­te woll­te ich mich nä­her in­for­mie­ren und kam hier hin. Auf den Ge­dan­ken auch Stoff zu be­dru­cken kam ich noch gar nicht, sieht wirk­lich wun­der­schön aus. Be­son­de­re Bas­tel­sa­chen fin­det man eben nicht im Bas­tel­shop. Eine su­per Sei­te habt ihr hier ge­schaf­fen das ist ja der wahn­sinn was es hier al­les zu se­hen gibt. Wei­ter so und lie­be Grü­ße von der schwä­bi­schen Alb.

  • Diana sagt:

    Hal­li Hal­lo ich möch­te ein Feed­back ab­ge­ben! Auf­grund die­ses und ei­nes an­de­ren Ar­ti­kels habe ich mir zwei in­di­sche Holzstem­pel be­stellt. Es han­delt sich da­bei um den Ele­fan­ten und den Pfau. Ich habe mir eine Tisch­de­cke ge­näht und mit was­ser fes­ter Acryl­far­be bes­tem­pelt und es hat her­vor­ra­gend funk­tio­niert und sieht wun­der­schön aus. Herz­li­che Grü­ße aus Grö­ne­gau hin­ter­lässt Dia­na.

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