Sammelbesichtigung in Leipzig. Mein Gott. Leipzig. Früher war das für mich Osten. Abgehängt. Grau. Voll mit Leuten, die es nicht rüber geschafft haben. Und jetzt? Jetzt ist Plagwitz seit drei Jahren mein Zuhause. Mein Labrador Rudi, mein Freund Jens – meine kleine, zusammengebastelte Familie. Im November 2023 lag der Quadratmeter hier im Kiez noch bei 10,15 Euro¹ kalt. Heute geht unter 12,50 nichts mehr. Eher mehr. Und das ist nur die Kaltmiete. Ich bin Mikrobiologin am Fraunhofer-Institut. Jens ist IT-Consultant. Zwei stabile Einkommen und trotzdem stehen wir hier. Warum finden wir keine Wohnung? Die Schlange reicht bis zur nächsten Kreuzung. Leute tippen nervös auf ihren Handys herum, tun beschäftigt, als wären sie nicht genau so verzweifelt wie wir. Dann kommt sie. Die Maklerin. Porsche Cayenne. Wasserstoffblondes Haar. Lederleggings, High Heels. Wie aus dem Bilderbuch. Sie stellt sich vor uns, lässt den Blick über die Menge gleiten. „Guten Tag, mein Name ist Barbara Ducheck.“ Kurze Pause. „Eines vorweg: Der Eigentümer vermietet ausschließlich an DINKs. Double Income, no Kids.“ Ein paar Leute senken sofort den Blick. „Paare, die diese Voraussetzung erfüllen, erhalten jetzt einen Interessentenbogen. Danach begehen wir gemeinsam das Objekt.“
Die Maklerin drückt mir flüchtig die Hand und wirft einen kurzen Blick auf mein ausgefülltes Formular. „Planen Sie Kinder?“, fragt sie kühl. „Nein. Wir haben es lange versucht. Es hat nicht geklappt.“ Ein knappes Nicken. Kein Ausdruck von Mitgefühl, nur ein Häkchen im Kopf. „Könnten Sie sich von dem Hund trennen? Der würde mittelfristig den Boden zerkratzen.“ „Aber das ist doch Linoleum“, erwidere ich. Sie hebt kaum den Blick. „Der Eigentümer möchte keine Tiere.“
ℹ️ Laut einer Studie aus dem Frühjahr 2026 fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen² Wohnungen. In Großstädten erhalten Wohnungsinserate teilweise bis zu 300 Bewerbungen³ innerhalb einer Stunde. Selbst einstige „Mieterparadiese“ wie Jena, Erfurt, Leipzig und Dresden sind längst von der Wohnungskrise erfasst.
Wohnraum war in Deutschland schon immer umkämpft – nicht zuletzt, weil nur rund 47,2 % der Bevölkerung über Wohneigentum⁴ verfügen. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich auf dem letzten Platz. Bei einem Jahresmedian von etwa 48.000 Euro brutto bleibt der Erwerb und Unterhalt einer eigenen Immobilie für viele schlicht außer Reichweite.
Oft wird argumentiert, die Wohnungskrise sei vor allem eine Folge der Zuwanderung seit 2015. Das greift jedoch zu kurz. Deutschland verzeichnet seit Jahren ein nahezu stagnierendes Bevölkerungswachstum: Jährlich wandern rund 250.000 Deutsche aus, gleichzeitig liegt die Fertilitätsrate bei lediglich 1,3 Kindern⁵ pro Frau. Migration entlastet den Wohnungsmarkt zwar nicht – sie ist aber auch nicht der alleinige Brandbeschleuniger, als der sie häufig dargestellt wird.
Was bei der Betrachtung der Wohnungskrise immer zu kurz kommt sind: Frauen.
ℹ️ Frauen in Deutschland sind heute im Durchschnitt besser gebildet als Männer. Besonders bei Master-Abschlüssen stellen sie inzwischen die Mehrheit.
Auf den ersten Blick ist das eine positive Entwicklung – sie hat jedoch auch spürbare Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt:
- Ein zentraler Punkt: Partnerschaften entstehen zunehmend seltener entlang klassischer Muster. Frauen gehen deutlich seltener Beziehungen ein, bei denen sie sozial oder wirtschaftlich „nach unten“ heiraten. Dadurch ziehen viele nach Ausbildung oder Studium später oder gar nicht mit einem Partner zusammen. Die Zahl der Einpersonenhaushalte⁶ steigt seit Jahren kontinuierlich.
- Hinzu kommt, dass Akademikerinnen immer schwerer eine adäquate Beschäftigung⁷ finden oder unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten. Das erhöht die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum zusätzlich.
Auch beruflich etablierte Frauen bleiben häufig länger in kleineren Wohnungen oder Wohngemeinschaften⁸ – nicht zuletzt aufgrund veränderter Partnerdynamiken. Dadurch fehlt dieser Wohnraum für jüngere Menschen, die erstmals eine eigene Wohnung suchen.
Politik und Gesellschaft reagieren bislang zu zögerlich auf diesen strukturellen Wandel. Eine spürbare Entlastung des Wohnungsmarktes ist daher nicht zu erwarten.
In Deutschland fehlen laut einer Studie rund 550.000 Wohnungen - jedes Jahr. Eigentlich wollte die Ampel-Regierung pro Jahr wenigstens 400.000 neue bauen - aber selbst das ist gescheitert.
Die andere Frage: Weg von Zuhause: Erste eigene Wohnung als Azubi. youtube.com (04/2026).
Aushang Wohnungsgesuch
Vor allem Menschen zwischen 20 und 35 Jahren merken gerade, dass das Versenden von 300 Online-Bewerbungen für Jobs oder Wohnungen zumeist reine Zeitverschwendung ist. Vieles, was im Netz landet, existiert oftmals gar nicht⁹ oder ist nur noch der Rest vom Schützenfest. Schätzungsweise 20 % der Mietwohnungen werden unter der Hand¹⁰ vergeben und tauchen nie in einem Inserat auf. Auf das, was übrig bleibt, bewirbt sich dann der gesamte Markt.
- Und selbst wenn offiziell nur Kriterien wie Titel, Einkommen, Bürgschaften oder Rauchfreiheit zählen, läuft es am Ende oft auf etwas anderes hinaus: Vertrauen.
Die meisten privaten Vermieter wollen schlicht das Gefühl haben, dass ihr Eigentum in guten Händen ist.
Gleichzeitig wissen viele ältere Menschen, dass sie eigentlich in zu großen Wohnungen leben – scheuen aber den Umzug oder fürchten deutlich höhere Anschlussmieten. Wer sich in diesem Umfeld behaupten will, muss auffallen.
- Eine Möglichkeit: analoge Wohnungsgesuche. Klingt altmodisch, funktioniert aber. Im Kern ist es nichts anderes als ein physisches Instagram-Profil: ein kurzer, klarer Steckbrief mit Foto. Wer bin ich? Was suche ich?
Und wer keine Lust hat, sich stundenlang mit Formatierungen herumzuschlagen, kann auf eine fertige PDF-Vorlage zurückgreifen. Unser Verbunddokument ist bereits sauber aufgebaut, optisch abgestimmt und sofort einsatzbereit. Es müssen nur noch relevante Daten eingetragen werden. Ein Platzhalter für ein Foto ist vorhanden, ebenso vorbereitete Abrisszettel zum Mitnehmen.
Genauso wichtig wie die Form des Wohnungsgesuchs ist der Ort, an dem es aufgehängt wird. In Online-Reportagen oder bei einem Stadtbummel sieht man häufig DIN-A4-Zettel an Laternenmasten im Szeneviertel oder an Uni-Pinnwänden. Das wirkt aktiv, ist jedoch meist wenig zielführend. Entscheidend ist nicht, wo Suchende unterwegs sind, sondern wo potenzielle Vermieter wohnen.
Typischerweise handelt es sich dabei um ältere Eigentümer – häufig Ehepaare über 60 – die am grünen Stadtrand oder in nahe gelegenen Marktgemeinden leben. Genau dort sollte Präsenz aufgebaut werden. Befindet sich vor Ort ein Supermarkt oder eine offizielle Aushangfläche, dann sind das die ersten Anlaufstellen.
ℹ️ Menschen müssen einkaufen – und genau deshalb treffen sich im Lebensmittelhandel alle gesellschaftlichen Gruppen. Die schwarzen Bretter von Supermärkten wie REWE, EDEKA, Kaufland, SPAR oder BILLA zählen zu den letzten funktionierenden Offline-Marktplätzen für private Anzeigen. Gleichzeitig stellen sie eine niederschwellige Möglichkeit dar, lokal sichtbar zu werden. Und weils sonst keiner tut - danke an die Handelsketten, dass ihr euren Kunden diese wichtigen Flächen bereitstellt.
Ergänzend sollten auch weniger offensichtliche Orte berücksichtigt werden, etwa das schwarze Brett eines kirchlichen Gemeindezentrums oder das Wartezimmer eines niedergelassenen Allgemeinmediziners. Gerade dort ist die Wahrscheinlichkeit hoch, auf Eigentümer mit lokalem Bezug zu treffen. In Arztpraxen sollte vor dem Aushang allerdings die Erlaubnis eingeholt werden.
ℹ️ Laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland“ können sich 41 % der 14- bis 29-Jährigen vorstellen, aus Deutschland auszuwandern. 50 % der Befragten gaben an, dass teurer Wohnraum¹¹ zu ihren größten Problemen zählt.
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¹Hillner, Carolin: Steigende Mieten und Wohnungsmangel: Die verzweifelte Suche nach einer Wohnung. youtube.com (04/2026).
²Schneider, Falk: In Deutschland fehlen laut Studie 1,4 Millionen Wohnungen. welt.de (04/2026).
³Maderstein, Leonie: Wohnungssuche: Was nehmt IHR in Kauf für eine Wohnung? youtube.com (04/2026).
⁴Wögerbauer, Lisa-Marie: Jeder Dritte erbt oder bekommt Eigenheim geschenkt. krone.at (04/2026).
⁵Vetter, Veronika Helga: Babysitter gesucht: Bester Aushang zum Ausdrucken - Formular mit Vorauswahl. gws2.de (04/2026).
⁶Baingo, Michelle: Bevölkerungsentwicklung und Struktur privater Haushalte. umweltbundesamt.de (04/2026).
⁷Gunser, Juliane: Traumjob oder Kompromiss - wie schwer ist der Job-Einstieg für junge Leute? youtube.com (04/2026).
⁸Pennachio, Sophie: 7 Tage... Wohnungssuche. youtube.com (04/2026).
⁹Vetter, Veronika Helga: Festplatten sicher löschen unter Linux: ShredOS erklärt (warum der Papierkorb wertlos ist). pinguin.gws2.de (04/2026).
¹⁰tomatolix: Viel Geld für wenig Arbeit? - 1 Tag Immobilienmakler. youtube.com (04/2026).
¹¹Drotschamnn, Mirko: Jung, frustriert, verschuldet – Generation Z im Check. youtube.com (04/2026).








