Einsamkeit. Eines jener Themen, das Leitmedien und Social-Media-Algorithmen in der zweiten Hälfte der 2020er-Jahre zuverlässig nach oben spülen. Als Begründung dient häufig eine Zahl: 46 Prozent¹ der 16- bis 30-Jährigen in Deutschland fühlen sich einsam. Gleichzeitig geben die Bundesbürger an, im Durchschnitt 3,7 enge und 11 erweiterte Freundschaften² zu pflegen. Wie passt das zusammen? Fragt man Grundschulkinder, was Freundschaft für sie ausmacht, nennen sie immer dieselben Dinge: Gemeinsame Interessen, gegenseitiges Vertrauen, Ehrlichkeit³ und Verfügbarkeit. Ohne es zu wissen, beschreiben die ABC-Schützen damit genau jene vollkommene Freundschaft, die bereits Aristoteles als tugendhaft definierte.
ℹ️ Nach Aristoteles ist tugendhafte Freundschaft⁴ die höchste Form der Freundschaft: Sie entsteht zwischen Menschen, die einander um ihrer selbst willen schätzen und gemeinsam moralisch wachsen. Sie ist dauerhaft, gegenseitig und nicht auf Nutzen oder Vergnügen reduziert.
Wer sich einsam fühlt und den Mut hat, seine sozialen Beziehungen ehrlich zu prüfen, stellt fest, dass von vielen Kontakten meist nur null bis zwei echte Freundschaften übrig bleiben.
Genau diese wenigen, engen Bindungen sind es jedoch, die nachweislich einen positiven Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden haben – jene Freundschaften also, die Aristoteles als tugendhaft bezeichnet hätte. Arbeitskollegen, Saufkumpanen, Mannschaftskameraden oder Kommilitonen mögen soziale Nähe simulieren, lindern Einsamkeit jedoch ebenso wenig wie sie messbare Effekte auf das Herz-Kreislauf-System haben.
Beate Ditzen: Bei hoher sozialer Unterstützung haben Menschen weniger Entzündungsparameter im Blut.
Neudecker, Jasmina: Diese Freundschaften halten dich gesund. TerraXplore | ZDF (2024).
Der Weg aus der Einsamkeit führt folglich über enge Freundschaften. Gerade junge Erwachsene tun sich jedoch schwer, solche Beziehungen aufzubauen, weil platonische Nähe zu Beginn Investitionen verlangt – emotional, zeitlich und nicht selten auch materiell.
- Vertreter der Generation Z verweisen dabei gerne auf eine dauerhaft leere „soziale Batterie“⁵, verursacht durch verdichtete Arbeits- und Lebensprozesse.
- Tatsächlich ist es jedoch oft bequemer, abends einem Twitch-Streamer zuzusehen, als sich im Winter mit einem potenziellen Freund zu treffen.
Kinder haben es leichter. Bereits ab dem zweiten Lebensjahr gehen sie situative Spielbeziehungen mit Gleichaltrigen ein. Diese kurzen, gegenwartsbezogenen Freundschaften folgen einem einfachen Prinzip der Gegenseitigkeit: Du spielst mit mir – ich spiele mit dir.
In den ersten beiden Jahren der Grundschule beginnen Kinder nahezu automatisch, stabile Kooperationen⁶ zu bilden. Innerhalb dieser Spielallianzen entstehen häufig asymmetrische Freundschaftsstrukturen mit klaren Rollen: Anführer, Mitläufer, Verteidiger und Opfer. Dieselben Kinder teilen wiederholt Erfahrungen, entwickeln gemeinsame Referenzen und eine eigene Kommunikationsebene – genau hier wird der Grundstein für enge Freundschaften gelegt.
- Treffen zwei Individuen auf besondere Sympathie, entsteht daraus eine Loyalitäts- und Fairnessbindung: Ich mache jetzt X mit dir – in der Erwartung, dass du später Y mit mir machst.
Erst dieser implizite Austausch unterscheidet flüchtige Kleinkindbegegnungen von echten Schulfreundschaften.
Geschenk für Schulfreund
Obwohl Klassenzimmer grundsätzlich ideale Bedingungen bieten und Kinder zumindest auf den ersten Blick über viel gemeinsame Zeit⁷ verfügen, gelingt die Bildung enger Freundschaften nicht immer sofort. Häufig sind es äußere Umstände, die verhindern, dass zwei Schüler die tugendhafte Stufe der Freundschaft erreichen. So verbringt das eine Kind seine Nachmittage im Hort, während das andere nach den Hausaufgaben von einem Verein zum nächsten wechselt. Manchmal wohnen potenzielle Freunde auch räumlich zu weit auseinander und den Eltern fehlen Ressourcen, regelmäßige Treffen zu ermöglichen. Gerade in urbanen Räumen spielen elterliche Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle bei der Freundschaftsbildung. Oft ist die Überraschung groß, wenn die achtjährige Tochter keine enge Freundin hat, obwohl sie als beliebt gilt oder sogar Klassensprecherin ist.
ℹ️ Soziale Beliebtheit und Freundschaft werden häufig gleichgesetzt, sind jedoch nicht⁸ identisch. Ein Kind kann von vielen Gleichaltrigen gemocht werden und dennoch keine – oder nur qualitativ schwache – Freundschaften haben.
Warum also nicht ein wenig nachhelfen? Mit unserem Ausmal-Labyrinth können Grundschüler ihrem Sitznachbarn oder Pausenfreund auf spielerische Weise eine kleine Freude machen.
- „Schatzi, du erzählst doch immer von Matthias aus deiner Klasse“, fragt die Mutter ihren ABC-Schützen.
- „Ja, der ist cool“, antwortet der siebenjährige Leon.
Höchste Zeit, ihm das auch zu sagen. Doch zuerst führt der Weg durch einen Irrgarten, an dessen Ausgang in fettem Graffiti steht: „DU BIST COOL!“ Danach wird noch ein wenig koloriert – und fertig ist ein kleines, persönliches Geschenk für Namens-, Freundes- oder Valentinstag.
Es gilt längst als gut belegt: Kinder mit wenigen oder qualitativ schwachen Freundschaften tragen ein erhöhtes Risiko⁹ für spätere Probleme im Bezug auf soziale Position, Selbstwahrnehmung oder psychische Gesundheit.
- Die stark polarisierte Generation Z fühlt sich überdurchschnittlich einsam, gilt als wenig resilient und kämpft häufig mit Schulden.
Die Ursachen dafür liegen auch in der Art der Freundschaftsbildung: Einerseits wurde sie durch die COVID-19-Pandemie massiv gestört, andererseits in vielen Fällen von den Eltern kaum aktiv gefördert.
Wiederholen wir also nicht die Fehler der Latchkey-Generation. Helfen wir unseren Kindern, tragfähige soziale Bindungen aufzubauen. Ein kleines Geschenk für einen Schulfreund mag banal wirken – ist aber oft der erste Schritt.
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¹Lushtaku, Aurora: Kann Gen Z keine Freundschaften führen? BRUST RAUS | ARD (2025).
²Pareigis, Jana: Freundschaftsparadox: Jeder hat mehr Freunde als du! Zweifelsfrei | ZDF (2022).
³Knöchel, Constanze: Freundschaft ist wichtig und sogar gesund. logo! | ZDF (2025).
⁴Besl, Leonhard: Über die Freundschaft. Annäherungen an einen sozialen Grundbegriff. Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2016.
⁵1LIVE: Wir müssen über Einsamkeit reden. youtube.com (01/2026).
⁶Uhlendorff, Harald & Lothar Krappmann: Kinderfreundschaften & Freundschaftskonzepte. researchgate.net (01/2026).
⁷Rönne, Ronja von: Vom Glück der guten Freundschaft. Unhappy | ARTE (2023).
⁸Monks, Claire P. & Katie Rix: Friendships among young children: links with social behaviour. open.ac.uk (01/2026).
⁹Holder, Mark D. & Ben Coleman: Children’s Friendships and Positive Well-Being. researchgate.net (01/2026).






