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Umweltsiegel auf Ökopapier - Tipps für Bastler

Pa­pier ist ein hoch­wer­ti­ger Werk­stoff für des­sen Her­stel­lung Was­ser, Holz und En­er­gie von­nö­ten sind. Be­son­ders Men­schen, die ger­ne und viel bas­teln, lei­den des­halb oft­mals am schlech­ten Ge­wis­sen, wenn sie nach ge­ta­ner Ar­beit in den Pa­pier­korb bli­cken. Sie fra­gen sich was sie tun kön­nen, um mit ih­rer krea­ti­ven Ar­beit die Um­welt nicht un­nö­tig zu be­las­ten.

Ich bin er­neut im Mut­ter­schafts­ur­laub und bast­le in letz­ter Zeit viel mit mei­nen drei Kin­dern [...] Wie macht ihr das mit dem Pa­pier­ab­fall? Bei uns ist der stän­dig voll. [...] Kauft ihr nor­ma­les Pa­pier oder nur Öko­pa­pier?

Černá, Na­ta­lie: Zu viel Pa­pier­müll beim Bas­teln. E-Mail vom 22.05.2016.

Bild von Bastelpapier mit kleinen EulenNa­tür­lich sind sich des­sen auch die al­ler­meis­ten Pa­pier­her­stel­ler be­wusst und ver­se­hen ihre Pro­duk­te des­halb mit Um­welt­sie­geln. Doch wel­che die­ser Sie­gel ste­hen wirk­lich für den Um­welt­schutz und wel­che sind rei­ne Ver­kaufs­för­de­rung? Wann ge­hen Sie als Lieb­ha­ber der bil­den­den Küns­te mit ho­hem Pa­pier­ver­brauch wirk­lich ver­ant­wor­tungs­voll mit Ih­rem Ma­te­ri­al um und stimmt es, dass nur we­gen des deut­schen Bas­tel­booms der Re­gen­wald im Ama­zo­nas­ge­biet ge­ro­det wird?

Papier besteht nicht aus Tropenhölzern

Die tro­pi­schen Re­gen­wäl­der der Erde wer­den im­mer wei­ter ge­ro­det. Dies liegt je­doch nicht am Pa­pier­ver­brauch, son­dern um An­bau­flä­chen frei­zu­le­gen. In Süd­ame­ri­ka er­set­zen im­mer mehr So­ja­plan­ta­gen den Re­gen­wald, de­ren Früch­te für Bio­die­sel und Vieh­fut­ter be­nö­tigt wer­den.

In the nine sta­tes of the Bra­zi­li­an Ama­zon, the area un­der in­ten­si­ve me­cha­ni­zed agri­cul­tu­re grew by more than 3.6 mil­li­on hec­ta­res from 2001 to 2004. […] While soy­be­an of­fers gre­at eco­no­mic op­por­tu­nities for Bra­zil, huge me­cha­ni­zed, soy mo­no­cul­tures de­s­troy tro­pi­cal eco­sys­tems, ac­ce­le­ra­te cli­ma­te chan­ge […].

World In­for­ma­ti­on Trans­fer, Inc.: Food For Thought – Soy­be­an End­an­gers Bra­zil Ama­zon Ra­in­fo­rest. worldinfo.org (07/2016).

Bild von Umweltsiegel - Weltpark Tropenwald - Kein Zellstoff aus den Tropen

Selbst wenn Sie Ve­ge­ta­ri­er sind und kein Auto be­sit­zen, könn­ten Sie trotz­dem mit­ver­ant­wort­lich für die Ro­dung des süd­ost­asia­ti­schen Re­gen­wal­des sein. Dies liegt je­doch eben­falls nicht an Ih­rem Pa­pier­ver­brauch. Egal, ob Müs­li, preis­wer­te Scho­ko­la­de aus dem Dis­coun­ter oder Kos­me­ti­ka, in un­zäh­li­gen Pro­duk­ten be­fin­det sich Palm­öl. Um den ho­hen Be­darf die­ses Roh­stoffs welt­weit zu de­cken, sub­sti­tu­ie­ren im­mer mehr Öl­pal­men­plan­ta­gen den tro­pi­schen Re­gen­wald in Ma­lay­sia und In­do­ne­si­en.

Die An­bau­flä­che für Öl­pal­men in In­do­ne­si­en wur­de in den letz­ten 30 Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich ver­grö­ßert und zwar von 2.300 Qua­drat­ki­lo­me­tern im Jahr 1981 auf 90.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter im Jahr 2015, bei ei­ner jähr­li­chen Wachs­tums­ra­te von zu­letzt 5 Pro­zent – Ten­denz stei­gend.

Deutsch­le, Tom: Palm­öl – das grü­ne Erd­öl. faszination-regenwald.de (07/2016).

Edel­höl­zer aus den Tro­pen wie Ma­ha­go­ni, Teak oder Pa­li­san­der fin­den bei der Pa­pier­her­stel­lung kei­ne Ver­wen­dung. Um­welt­sie­gel auf Pa­pier­pro­duk­ten mit dem Hin­weis, dass kein Tro­pen­holz ver­wen­det wur­de, sind dem­nach rei­ne Zier­de.

Holz unserer Bastelpapiere ist zertifiziert

Dass Bas­teln mit Pa­pier aus der Um­welt­per­spek­ti­ve trotz des Ver­zichts auf Tro­pen­höl­zer im­mer ein Kom­pro­miss ist, wird klar, wenn Sie sich die Hin­ter­grün­de zu den bei­den meist ver­wen­de­ten Um­welt­sie­geln an­se­hen.

Bild vom FSC-Siegel

Das welt­weit be­kann­tes­te Um­welt­sie­gel in Sa­chen Holz ist das FSC-Siegel (Fo­rest Ste­wardship Coun­cil). Un­ge­fähr 9% der Wald­flä­chen in Deutsch­land sind mit die­sem Sie­gel zer­ti­fi­ziert und ste­hen für die zehn Prin­zi­pi­en die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on. Dar­un­ter zäh­len un­ter an­de­rem:

Die Wald­be­wirt­schaf­tung soll die bio­lo­gi­sche Viel­falt und die da­mit ver­bun­de­nen Wer­te, die Was­ser­res­sour­cen, die Bö­den so­wie ein­zig­ar­ti­ge und emp­find­li­che Öko­sys­te­me und Land­schaf­ten er­hal­ten und da­durch die öko­lo­gi­schen Funk­tio­nen und die Un­ver­sehrt­heit des Wal­des ge­währ­leis­ten.

Say­er, Uwe: Die Re­geln für den Wald. 10 Grund­sät­ze - welt­weit. fsc-deutschland.de (07/2016).

Das Fo­rest Ste­wardship Coun­cil ist je­doch kei­ne zen­tral ver­wal­te­te Or­ga­ni­sa­ti­on. In je­dem Land gibt es Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len. Wäh­rend­des­sen in Deutsch­land un­ter an­de­rem der zu­ver­läs­si­ge TÜV-SÜD das FSC-Siegel ver­leiht, kann es in an­de­ren Län­dern sein, dass das Um­welt­sie­gel ein­fach er­kauft wird. So konn­te IKEA bei­spiels­wei­se in Russ­land ei­nen FSC-Urwald ro­den.

Der Kahl­schlag in Ka­re­li­en ist mit dem Öko­la­bel der Bon­ner Fir­ma FSC In­ter­na­tio­nal Cen­ter GmbH zer­ti­fi­ziert.

Beh­rend, Rein­hard: Ikea: Wohnst du noch oder zer­störst du schon? regenwald.org (07/2016).

In­ter­na­tio­nal steht das FSC-Siegel stark in der Kri­tik. Web­sei­ten wie FSC-Watch be­haup­ten so­gar, dass die­ses Um­welt­sie­gel eine Li­zenz zum Geld­dru­cken sei.

The lack of trans­pa­ren­cy with which CoC cer­ti­fi­ca­ti­ons are con­duc­ted was al­ways go­ing to lead to pro­blems. Some ob­ser­vers, in­clu­ding tho­se who have been in­vol­ved in CoC cer­ti­fi­ca­ti­on, have de­scried the FSC sys­tems as a ‘li­cence to print mo­ney’ on the be­half of the cer­ti­fi­ca­ti­on com­pa­nies.

Coun­sell, Si­mon: For­mer FSC boss ad­mits core part of FSC sys­tem is a “myth”. fsc-watch.com (07/2016).

Auf Bas­tel­pro­duk­ten und Pa­pier aus Deutsch­land (STAEDTLER, URSUS, etc.) ist im­mer häu­fi­ger das PEFC-Siegel (Pro­gram­me for the En­dor­se­ment of Fo­rest Cer­ti­fi­ca­ti­on Sche­mes) zu fin­den. Die­ses Sie­gel tra­gen mehr als zwei Drit­tel der deut­schen Forst­be­trie­be, aus de­ren Holz auch das Pa­pier der deut­schen Her­stel­ler pro­du­ziert wird. Auch die­ses Um­welt­sie­gel folgt di­ver­sen Prin­zi­pi­en wie zum Bei­spiel:

Es wird nicht mehr Holz ge­schla­gen als nach­wächst.
Wo Bäu­me ge­fällt wur­den, wird auch wie­der auf­ge­fors­tet.

PEFC Deutsch­land e.V.: Ga­ran­tier­te Nach­hal­tig­keit. pefc.de (07/2016).

Sie kön­nen also si­cher­ge­hen, soll­ten Sie Pa­pier oder Bunt­stif­te mit dem PEFC-Siegel kau­fen, dass das Holz aus ei­ner nach­hal­ti­gen Forst­wirt­schaft stammt und nicht aus in­ter­na­tio­na­lem Raub­bau.

Hin­weis: Pa­pier mit dem PEFC-Siegel ist den­noch kein Öko­pa­pier. Wenn nicht aus­drück­lich de­kla­riert, ist es ge­bleicht und ent­hält eben­so kein Alt­pa­pier.

Wasser sparen durch richtige Papierwahl

Bild von Umweltsiegel mit Frosch für reines WasserWie Sie se­hen, ist es mög­lich mit der rich­ti­gen Pa­pier­wahl da­für zu sor­gen, dass trotz aus­gie­bi­gem Bas­tel­spaß kein Baum we­ni­ger auf der Erde exis­tiert. Doch, was ist mit dem Was­ser? Wuss­ten Sie, dass für die Her­stel­lung von nur ei­nem Ki­lo­gramm fri­schem Pa­pier un­ge­fähr sie­ben Li­ter sau­be­res Was­ser be­nö­tigt wer­den?

Da­ne­ben schlägt vor al­lem der Was­ser­ver­brauch bei der Pa­pier­her­stel­lung zu Bu­che. 7 Li­ter Was­ser wer­den für ein Ki­lo­gramm Pa­pier ver­braucht [...].

Blum­tritt, Jörg: Pa­pier und öko­lo­gi­sche Nach­hal­tig­keit. slow-media.net (07/2016).

Bild von buntem BastelpapierNa­tür­lich lö­sen sich die Was­ser­men­gen nach der Pa­pier­her­stel­lung nicht ein­fach in Luft auf. Die Auf­be­rei­tung der Ab­wäs­ser ist je­doch äu­ßerst schwie­rig und en­er­gie­in­ten­siv. Zu­dem be­nö­tigt die Pro­duk­ti­on ei­ner Ton­ne Pa­pier un­ge­fähr 2500 Ki­lo­watt­stun­den En­er­gie, wel­che aber im­mer mehr aus re­ge­ne­ra­ti­ven Quel­len be­zo­gen wird. Die da­durch ent­ste­hen­den Mehr­kos­ten zah­len Sie als Ver­brau­cher beim Er­werb der Pro­duk­te mit.

Der Blaue Engel - Umweltschonung par excellence

Möch­ten Sie, dass bei Ih­ren Ma­te­ria­li­en we­ni­ger Was­ser und En­er­gie ver­braucht wird, dann soll­ten Sie auf das Um­welt­sie­gel „Der Blaue En­gel” ach­ten.

  • Es tra­gen nur Pro­duk­te den blau­en En­gel, wel­che zu 100% aus Re­cy­cling­pa­pier (5% To­le­ranz) be­stehen.
  • Die Her­stel­lung von Re­cy­cling­pa­pier be­darf nur ein Vier­tel der En­er­gie und die Hälf­te an Was­ser im Ver­gleich zu Frisch­pa­pier.
  • Wer das Um­welt­sie­gel „Der Blaue En­gel” be­an­tra­gen will, der muss des Wei­te­ren ei­nen mehr­sei­ti­gen An­trag aus­fül­len und klein­lichst ge­naue An­ga­ben zu den In­halts­stof­fen ma­chen. Au­ßer­dem müs­sen Zu­lie­fe­rer von bei­spiels­wei­se Kleb­stof­fen oder Dru­cker­schwär­ze eben­falls For­mu­la­re ein­rei­chen, da­mit das End­pro­dukt zum Tra­gen des blau­en En­gels zu­ge­las­sen wird.
  • Al­lei­ne die Be­an­tra­gung die­ses Um­welt­sie­gels kos­tet 250,00 Euro zzgl. Um­satz­steu­er. Zu­dem wird eine jähr­li­che Ge­bühr fäl­lig, wel­che sich nach dem Um­satz des Pro­duk­tes rich­tet.

Bei der Be­an­tra­gung des Blau­en En­gel er­hebt die Zei­chen­ver­ga­be­stel­le RAL gGmbH eine ein­ma­li­ge Be­ar­bei­tungs­ge­bühr von 250 EUR (zzgl. Um­satz­steu­er).

RAL gGmbH: Kos­ten des Blau­en En­gels / Ent­gelt­ord­nung. blauer-engel.de (07/2016).

  • Nach Über­prü­fung der An­trä­ge wird das End­pro­dukt ge­tes­tet und eine Jury ent­schei­det, ob es das Um­welt­sie­gel tra­gen darf.

Bild von zwei Tieren, die durch Umweltpapier geschützt werdenDas Um­welt­sie­gel „Der Blaue En­gel” ist also mit viel Bü­ro­kra­tie, ho­hen Auf­la­gen und Kos­ten ver­bun­den. Trotz­dem ha­ben schon mehr als 1500 Un­ter­neh­men ihre Pro­duk­te für die­ses Sie­gel an­ge­mel­det, da die Nach­fra­ge nach die­sen nach­hal­tig pro­du­zier­ten Er­zeug­nis­sen steigt und die Ver­brau­cher be­reit sind, da­für mehr zu be­zah­len.

Fazit und ein letzter Tipp

Ich hof­fe Sie wis­sen als um­welt­be­wuss­ter Pa­pier­ver­brau­cher nun an­hand der obi­gen In­for­ma­tio­nen, auf was Sie beim Kauf Ih­res Bas­tel­ma­te­ri­als ach­ten soll­ten. Am Ende müs­sen Sie selbst ent­schei­den, in­wie­weit sich Öko­pa­pier mit Ih­ren krea­ti­ven Vor­stel­lun­gen ver­ei­nen lässt.

Was Sie je­doch vor al­lem als Pa­pier­bast­ler im­mer ma­chen soll­ten, um ein Min­dest­maß an Um­welt­schutz zu be­trei­ben, ist Pa­pier vom Rest­müll zu tren­nen.

Die Pa­pier­ton­ne ist aus­schließ­lich für re­cy­cel­ba­re Stof­fe aus Pa­pier ge­dacht. Durch­schnitt­lich 60% des Pa­piers die­ser Müll­ton­ne, ge­rät in den Pro­duk­ti­ons­kreis­lauf von Alt­pa­pier.

Sa­scha: Wie Pa­pier rich­tig re­cy­celn? gws2.de (07/2016).

Pa­pier kann im bes­ten Fall näm­lich bis zu sie­ben Mal re­cy­celt wer­den, bis es nicht mehr für die Pa­pier­her­stel­lung ver­wen­det wer­den kann.

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Mein Name ist Sa­scha ali­as Ki­lo­byte und ich bin Blog­ger seit 2009. Als Lieb­ha­ber und Be­wun­de­rer der bil­den­den Küns­te pu­bli­zie­re ich hier seit 2011 An­lei­tun­gen und Er­fah­rungs­be­rich­te über die schö­nen Din­ge des Le­bens. Au­ßer­dem sor­ge ich für die Funk­tio­na­li­tät von GWS2.de. Ich mag Pin­gui­ne, die Wei­ma­rer Klas­sik, Quen­tin Ta­ran­ti­no und für ita­lie­ni­sches Es­sen mit ei­nem Glas Grau­bur­gun­der ma­che ich fast al­les.


Kategorie: Blog
  • Melanie sagt:

    Hey ich habe ein ähn­li­ches Pro­blem mit zu viel Pa­pier­müll. Bin Mama von zwei Klein­kin­dern und wir sind stän­dig am Bas­teln (Pa­pier, Win­dow Co­lors, Hä­keln, usw.). Dan­ke für die In­for­ma­tio­nen und wei­ter­füh­ren­den Links, zu den Tipps im Ar­ti­kel wür­de ich noch ger­ne et­was hin­zu­fü­gen: Lernt eu­ren Kin­dern rich­tig aus­schnei­den!!

    Ge­nau­so wie Kin­der Teig aus­ste­chen so schnei­den sie auch aus, näm­lich schön in der Mit­te, so ent­ste­hen Un­men­gen an Ab­schnit­ten! Das scheint nicht mehr im Kin­der­gar­ten ge­lehrt zu wer­den, wie ich bei mei­nen Kids lei­der fest­stel­len muss­te.

    PS: Grad noch mal ge­checkt, auf den Ver­pa­ckun­gen mei­ner Pa­pie­re ist das PEFC Sie­gel *puh* 🙂 ich glau­be Bas­tel­sa­chen mit blau­em En­gel gibts gar nicht.

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